Lynas und USA Rare Earth setzen auf Brasiliens Seltene Erden

Lynas und USA Rare Earth setzen auf Brasiliens Seltene Erden picture alliance / AP Photo/Natacha Pisarenko

Bei der Stichwahl vom 25. Oktober erhielt Luiz Inácio Lula da Silva 51,8 % der gültigen Stimmen und setzte sich damit gegen Flávio Bolsonaro durch. Lulas vierte Amtszeit soll am 5. Januar 2027 beginnen. Mit seiner Wiederwahl kann Brasiliens Präsident einen ehrgeizigen Plan weiterverfolgen: Kritische Rohstoffe sollen künftig verstärkt im eigenen Land verarbeitet werden. Für Bergbaukonzerne gewinnt damit die Standortwahl neuer Raffinerien an Bedeutung. Gleichzeitig erhält der Staat zusätzliche Möglichkeiten, strategische Investitionen und internationale Lieferverträge zu überprüfen.

Wie viel dabei noch offen ist, zeigt eine geplante Unternehmensübernahme. Der australische Seltenerdproduzent Lynas Rare Earths AU000000LYC6 871899 will den ebenfalls australischen Rohstoffentwickler Meteoric Resources AU000000MEI3 A0CBAZ übernehmen. Das Geschäft hat nach Medienberichten einen Wert von etwa 3,5 Mrd. brasilianischen Real (rund 650 Mio. USD). Im Zuge dieser Übernahme steht auch eine Anlage zur Trennung Seltener Erden bei Poços de Caldas im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais zur Diskussion. Über deren Bau ist allerdings noch nicht entschieden. Als Alternative erwägt Lynas, brasilianisches Material in seinen bestehenden Anlagen in Malaysia zu verarbeiten.

Auch die Übernahme selbst steht noch unter Vorbehalt. Meteoric rechnet mit einem Abschluss bis März 2027, sofern die Aktionäre, ein australisches Gericht und die zuständigen brasilianischen Behörden zustimmen. Für Brasiliens Industriepolitik ist der weitere Verlauf von besonderem Interesse, da mit dem Geschäft auch die künftige Verarbeitung der geförderten Rohstoffe verbunden ist.

Große Lagerstätten wecken internationales Interesse

Nach Angaben des US Geological Survey (USGS) verfügt Brasilien über geschätzte 21 Mio. Tonnen Reserven Seltener Erden. Gemessen als Seltenerdoxid entspricht das dem zweitgrößten Vorkommen weltweit nach China. Benötigt werden bestimmte Seltene Erden unter anderem für Permanentmagnete in Elektrofahrzeugen, Windkraftanlagen und für die Verteidigungstechnik.

Die bisherige Förderung fällt allerdings vergleichsweise gering aus. Für 2025 beziffert der US Geological Survey Brasiliens Produktion auf lediglich 2.000 Tonnen Seltenerdoxid-Äquivalent. China kam im selben Jahr auf rund 270.000 Tonnen. Das geologische Potenzial Brasiliens übersteigt die bislang erschlossenen Produktionskapazitäten damit erheblich.

An neuen Bergbauprojekten besteht inzwischen großes Interesse. Eine Auswertung von Daten der Bergbaubehörde durch die US-Nachrichtenagentur Associated Press und die brasilianische Medienorganisation Repórter Brasil erfasste bis Juni 2026 insgesamt 2.727 Explorationsanträge. Über 86 % davon wurden innerhalb der vorangegangenen drei Jahre eingereicht. An 42 % waren Unternehmen mit ausländischem Kapital beteiligt.

Chinas Raffinerien dominieren den Seltenerdmarkt

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) entfallen weiterhin mehr als 90 % der weltweiten Raffination Seltener Erden auf China. Neue Minen außerhalb Chinas können diese Abhängigkeit deshalb nur begrenzt verringern, solange wesentliche Verarbeitungsschritte weiterhin an wenigen Standorten stattfinden.

Die Vereinigten Staaten investieren bereits in brasilianische Rohstoffprojekte. Der Seltenerdkonzern USA Rare Earth US91733P1075 A412UH schloss Anfang September die Übernahme des brasilianischen Produzenten Serra Verde in Goiás ab. Das Unternehmen hat zudem Vereinbarungen über staatliche Unterstützung aus den USA von bis zu 1,6 Mrd. USD geschlossen.

USA Rare Earth verbindet das brasilianische Bergbaugeschäft mit bestehenden und geplanten Aktivitäten zur Metallverarbeitung und Magnetproduktion in den USA und Europa. Die Übernahme veranschaulicht damit eine internationale Arbeitsteilung, bei der Förderung und industrielle Weiterverarbeitung in unterschiedlichen Ländern stattfinden können.

Neue Prüfverfahren erfassen auch langfristige Lieferverträge

Die rechtlichen Grundlagen für Brasiliens neue Industriepolitik schuf Lula bereits vor seiner Wiederwahl. Seit Mitte September gilt ein Gesetz über kritische und strategische Mineralien. Es sieht unter anderem einen nationalen Rohstoffrat vor, den Conselho Nacional para Industrialização de Minerais Críticos e Estratégicos (CIMCE).

Das Gremium kann künftig bestimmte Eigentümerwechsel, ausländische Beteiligungen und internationale Rohstoffvereinbarungen einer staatlichen Prüfung unterziehen. Je nach Ergebnis können Geschäfte genehmigt, an Bedingungen geknüpft oder zurückgewiesen werden. Welche Transaktionen tatsächlich prüfpflichtig sind, muss die Regierung allerdings noch genauer festlegen. Diskutiert werden unter anderem Schwellenwerte für das Transaktionsvolumen sowie Kriterien für ausländische Staatsbeteiligungen und die nationale Versorgungssicherheit. Für internationale Bergbauunternehmen haben solche Vorgaben erhebliche praktische Bedeutung. Viele neue Minenprojekte werden mithilfe langfristiger Abnahmeverträge finanziert, in denen sich Käufer zur Übernahme künftiger Rohstofflieferungen verpflichten.

Das Gesetz sieht zugleich eine Möglichkeit vor, solche Finanzierungen zu erleichtern. Private Verträge, bei denen Kapitalgeber gegen Vorauszahlungen Ansprüche auf künftige Rohstofflieferungen oder Fördererlöse erhalten, können bei der Bergbaubehörde registriert und anschließend als Kreditsicherheiten genutzt werden. Mineralische Vermögenswerte erhalten dadurch zusätzliche Bedeutung für die Kapitalbeschaffung.

Noch 2026 soll der neue Rohstoffrat erstmals zusammentreten und unter anderem die Liste kritischer und strategischer Mineralien beraten. Die operativen Aufgaben liegen beim brasilianischen Industrie- und Handelsministerium, während das Bergbau- und Energieministerium weiterhin für technische Fragen zuständig bleibt. Der Bergbaurechtler Adriano Drummond Trindade von der brasilianischen Kanzlei Mattos Filho hält vor allem verlässliche Verfahren für notwendig. Nach seiner Einschätzung können Investoren staatliche Prüfungen akzeptieren, wenn die Regeln einheitlich angewendet werden und Entscheidungen innerhalb angemessener Fristen erfolgen.

Entwicklungsbank unterstützt den Aufbau neuer Fabriken

Für zusätzliche Verarbeitungskapazitäten stellt die Regierung auch finanzielle Unterstützung bereit. Die brasilianische Entwicklungsbank BNDES kündigte im September eine Kreditlinie über zwei Mrd. Real (rund 370 Mio. USD) für Industrie- und Technologieprojekte an. Nach Angaben der Bank beträgt der begünstigte Finanzierungskostenanteil für diese spezielle Rohstoffförderung drei Prozent jährlich. Der tatsächliche Kreditzins fällt einschließlich weiterer Bankvergütungen und Risikoaufschläge höher aus. Finanziert werden können auch Bergbauaktivitäten, sofern sie mit einer anschließenden Aufbereitung, Raffination oder mineralischen Weiterverarbeitung verbunden sind. Die Förderung schafft damit bereits bei der Projektentwicklung einen Anreiz, zusätzliche industrielle Produktionsschritte in Brasilien einzuplanen.

Über ihre Beteiligungsgesellschaft BNDESPar prüft die Bank darüber hinaus direkte Eigenkapitalinvestitionen. Dazu gehören auch Überlegungen im Zusammenhang mit dem geplanten Seltenerdstandort in Minas Gerais.

Das neue Rohstoffgesetz erlaubt außerdem die Einrichtung eines besonderen Garantiefonds. Der Bund darf sich daran mit bis zu zwei Mrd. Real (rund 370 Mio. USD) beteiligen. Der Fonds könnte Kreditrisiken geeigneter Rohstoffprojekte absichern und dadurch den Zugang zu weiteren Finanzierungen erleichtern.

Steuerliche Vergünstigungen sollen Investitionen in die Verarbeitung und Rückgewinnung kritischer Rohstoffe unterstützen. Das Gesetz ermöglicht Steuergutschriften von bis zu 20 % bestimmter förderfähiger Ausgaben. Für die Jahre 2030 bis 2034 ist eine jährliche Obergrenze von einer Milliarde Real (rund 185 Mio. USD) vorgesehen.

Die Förderung setzt voraus, dass Projekte entsprechende Auswahl- und Genehmigungsverfahren durchlaufen. Wie hoch eine Steuergutschrift ausfällt, soll sich nach dem Umfang der zusätzlichen Wertschöpfung richten. Unter bestimmten Voraussetzungen kommen auch Abnehmer mit langfristigen Lieferverträgen von mindestens fünf Jahren infrage. Die einzelnen Förderstufen müssen noch festgelegt werden.

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Neue Pflichten und hohe Kosten erschweren den Ausbau

Mit den staatlichen Hilfen sind allerdings auch finanzielle Verpflichtungen verbunden. Für die ersten sechs Jahre nach der entsprechenden Regulierung verlangt das Gesetz von betroffenen Unternehmen mindestens 0,3 % ihrer betrieblichen Bruttoerlöse aus den betreffenden Tätigkeiten nach Abzug der darauf entfallenden Steuern für Forschung, Entwicklung und technologische Innovation. Weitere 0,2 % derselben Bemessungsgrundlage sind für Beteiligungen am vorgesehenen Garantiefonds bestimmt. Wie diese Vorgaben im Einzelnen umgesetzt werden, bleibt der Regulierung vorbehalten.

Die finanzielle Unterstützung soll neue Industrieanlagen wirtschaftlich attraktiver machen. Allerdings erfordern Trenn- und Raffinationsanlagen hohe Investitionen, spezialisiertes Personal und technisches Wissen, das in Brasilien bislang nur begrenzt verfügbar ist.

Nach Berechnungen der IEA liegen die Investitionskosten neuer Raffinerieprojekte für verschiedene kritische Mineralien außerhalb des jeweils dominierenden Anbieterlandes um 20 bis über 150 % höher. Bei den laufenden Kosten beträgt der Aufschlag im Durchschnitt rund 50 %. Unterschiede bei Energiepreisen, technischer Ausstattung, Fachkräften und industrieller Infrastruktur können daher erheblichen Einfluss auf die Standortwahl haben.

Brasiliens Rohstoffstrategie umfasst neben Seltenen Erden auch Materialien wie Lithium, Nickel, Kupfer und Graphit. Diese werden unter anderem in der Batterietechnik, Elektronik und weiteren industriellen Anwendungen benötigt. Je nach Rohstoff unterscheiden sich allerdings die technischen Anforderungen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für zusätzliche Verarbeitungskapazitäten.

Exportauflagen bleiben politisch umstritten

Neben den Förderprogrammen sieht das neue Gesetz die Möglichkeit vor, bestimmte Rohstoffexporte an Anforderungen zur heimischen Wertschöpfung zu knüpfen. Damit will die Regierung zusätzliche Verarbeitungsschritte innerhalb Brasiliens fördern. Ein generelles Exportverbot für unverarbeitete kritische Mineralien enthält das Gesetz allerdings nicht.

Daneben steht weiterhin eine mögliche Exportsteuer zur Diskussion. Anderson Arruda, im September kommissarischer Leiter des Bereichs Geologie, Bergbau und mineralische Verarbeitung im brasilianischen Bergbau- und Energieministerium, hatte damals erklärt, dass zunächst die heimische Produktion wachsen müsse. Erst danach solle eine mögliche Besteuerung für einzelne Rohstoffe geprüft werden. Dabei spielt die vorhandene industrielle Infrastruktur eine wesentliche Rolle. Fehlen im Inland ausreichende Raffineriekapazitäten und Abnehmer, könnten frühzeitige Exportbeschränkungen die Wirtschaftlichkeit neuer Bergbauprojekte beeinträchtigen.

Die Rohstoffpolitik sieht außerdem vorrangige Verwaltungsverfahren für geeignete Vorhaben vor. Weitere Aufgaben betreffen die Genehmigungspraxis, den Ausbau der Verkehrswege, die geologische Datengrundlage und die Ausbildung von Fachkräften. Daneben wird über eine zusätzliche staatliche Bergbaugesellschaft namens TerraBras diskutiert. Andere Fachleute sprechen sich stattdessen für eine Stärkung der bestehenden Behörden aus.

Brasilien und die USA bleiben Rohstoffpartner

Trotz der politischen Differenzen zwischen Brasília und Washington rechnen Branchenvertreter weiterhin mit einer engen Zusammenarbeit im Rohstoffsektor. Der Bergbauberater Juan Ignacio Guzmán vom chilenischen Bergbauberatungsunternehmen GEM Mining Consulting erwartet keine grundlegende Beeinträchtigung der brasilianisch-amerikanischen Kooperation.

Aus seiner Sicht bieten sich weiterhin Vereinbarungen an, die amerikanisches Kapital und technisches Wissen mit langfristigen Lieferzusagen und industriellen Investitionen in Brasilien verbinden. Derartige Modelle könnten sowohl dem brasilianischen Industrialisierungsziel als auch den Versorgungsinteressen der USA dienen.

Zusätzliche Bedeutung erhält die internationale Zusammenarbeit durch Handelsbeschränkungen. Die IEA verweist auf chinesische Exportkontrollen für mehrere schwere Seltene Erden aus dem Jahr 2025. Solche Beschränkungen verdeutlichen die Risiken stark konzentrierter Lieferketten für Automobilhersteller, Technologieunternehmen und die Verteidigungsindustrie.

Für Bergbauunternehmen entstehen damit unterschiedliche wirtschaftliche Anreize. Einerseits können staatliche Förderprogramme den Bau neuer Verarbeitungsanlagen erleichtern. Andererseits erhöhen zusätzliche Prüfverfahren die Anforderungen an die Planung und Finanzierung internationaler Projekte.

Welche Folgen das für konkrete Investitionen hat, wird sich vor allem aus den anstehenden Durchführungsbestimmungen und den ersten Standortentscheidungen ergeben. Die geplante Übernahme von Meteoric durch Lynas sowie die weitere Entwicklung von Serra Verde bieten dafür konkrete Anhaltspunkte. Beide Vorhaben können zeigen, in welchem Umfang Brasilien künftig zusätzliche industrielle Verarbeitungsschritte im eigenen Land ansiedeln kann.