Norwegen ebnet Weg zu Europas größtem Seltene-Erden-Fund
Norwegen beschleunigt die staatliche Planung für das Fen-Vorkommen in Telemark, Europas größte dokumentierte Lagerstätte seltener Erden. Spätestens 2028 soll der Regulierungsplan stehen, frühestens bereits Ende 2027. Das Rohstoffprojekt gewinnt dadurch an Kontur und besitzt industrielle Bedeutung weit über Norwegen hinaus.
Planung und Flächenfragen liegen nun beim Staat
Bereits seit April liegt die Planungsverantwortung nicht mehr bei der Gemeinde Nome, sondern beim norwegischen Staat. Zunächst entsteht ein Planungsprogramm, das festlegt, welche Gebiete und Themen auf ihre Folgen untersucht werden müssen. Eine erste öffentliche Anhörung ist nach Regierungsangaben möglichst früh im kommenden Jahr vorgesehen. Der Staat will das Verfahren beschleunigen, ohne Umwelt-, Sicherheits- und lokale Interessen auszuklammern.
Die staatliche Gebietsplanung soll ausdrücklich Flächen für Prozessanlagen, Rückstandsdeponien, Infrastruktur und das unterirdische Grubengebiet festlegen. Der Konflikt reicht deshalb weit über den eigentlichen Abbau unter Tage hinaus. Untersuchungen im Gebiet haben 78 auf der Roten Liste geführte Arten erfasst. Besonders umstritten sind die oberirdischen Anlagen, für die die Regierung alternative Standorte prüft.
Rare Earths Norway, der inländische Rohstoffentwickler mit Förderrechten für rund 90 % des Seltene-Erden-führenden Karbonatitbereichs, plant Abbau und Zerkleinerung unter Tage. Sichtbar blieben dennoch Verarbeitungsschritte, die für ein vermarktbares Konzentrat nötig sind. Für die Realisierung müssen Naturschutz, industrielle Flächen und die Behandlung der Bergbaurückstände räumlich miteinander vereinbart werden.
Neben Rare Earths Norway besitzt auch Saga Rare Earths, ehemals REE Minerals, eigene Abbaurechte im Fen-Komplex.
Große Lagerstätte, aber noch keine Reserve
Das Fen-Vorkommen liegt bei Ulefoss in Telemark, rund 150 Kilometer südwestlich von Oslo. Rare Earths Norway beziffert die dokumentierte Ressource auf 15,9 Mio. Tonnen Seltene-Erden-Oxide. Dazu zählen speziell Neodym und Praseodym, zentrale Bestandteile leistungsfähiger Permanentmagnete.
Das aktualisierte Modell umfasst rund 1,2 Mrd. Tonnen Erz mit durchschnittlich 1,31 % Seltene-Erden-Oxiden. Davon entfallen 1,7 Mio. Tonnen Oxide auf die geologisch besser abgesicherte Kategorie "angezeigte Mineralressource". Weitere 14,2 Mio. Tonnen bleiben als abgeleitete Ressource mit geringerer geologischer Sicherheit eingestuft.
Diese Zahlen beschreiben zunächst Größe, Gehalt und geologische Sicherheit der bekannten Mineralisierung, noch keine förderbare Reserve. Neodym und Praseodym machen nach aktuellen Schätzungen etwa 17 bis 19 % des Seltene-Erden-Gehalts aus. In Lagerstätten dieses geologischen Typs stehen beide Elemente typischerweise für mehr als drei Viertel des Rohstoffwerts.
Nach Abbau folgt Verarbeitungsengpass
Strategisch attraktiv ist Fen aufgrund der europäischen Importabhängigkeit. Die EU gewinnt selbst keine Seltenen Erden, sondern deckt 98 % ihres Magnetbedarfs durch chinesische Importe. Solche Magnete stecken unter anderem in Elektroautos, Windturbinen, Elektronik und militärischer Technik.
Die Abhängigkeit betrifft auch die weitere Verarbeitung. China verfügt über mehr als 85 % der bestehenden weltweiten Verarbeitungskapazität für Neodym- und Praseodymoxide. Die weltweite Nachfrage nach diesen Oxiden lag 2024 bei rund 78.000 Tonnen.
Rare Earths Norway will zunächst ein gemischtes Seltene-Erden-Konzentrat herstellen. Die Trennung einzelner Elemente, die Metallproduktion und die Magnetfertigung liegen in weiteren industriellen Stufen. Eine europäische Lagerstätte schafft damit eine zusätzliche Rohstoffbasis, während für eine vollständige Lieferkette weitere Verarbeitungsschritte nötig bleiben.
Europas Rohstoffpolitik erhöht Handlungsdruck
Die EU hat ihre Abhängigkeit inzwischen mit konkreten Zielen unterlegt. Bis 2030 sollen mindestens zehn Prozent des Verbrauchs strategischer Rohstoffe aus eigener Förderung stammen. Für Verarbeitung setzt die EU mindestens 40 % an, für Recycling mindestens 25 %.
Zugleich sollen auf jeder relevanten Verarbeitungsstufe höchstens 65 % des Jahresverbrauchs eines strategischen Rohstoffs aus einem einzigen Drittland kommen. Fen liegt außerhalb der EU und zählt deshalb nicht zur EU-internen Förderung. Als zusätzliche europäische Bezugsquelle könnte das Projekt dennoch die starke Konzentration auf China verringern.
Für eine vollständige Lieferkette müssen parallel zum Minenstart Verarbeitungskapazitäten entstehen und Abnehmer hinzukommen, damit aus norwegischem Erz tatsächlich europäische Magnetrohstoffe werden.
Langer Zeitplan bis zur Förderung
Der staatliche Plan ist nur eine Voraussetzung für die Förderung. Vor einem Abbaubeginn sind außerdem Genehmigungen nach weiteren Fachgesetzen nötig. Rare Earths Norway peilt den Abbaubeginn daher erst in der ersten Hälfte der 2030er-Jahre an.
Für Europa liegt der Wert des Projekts somit weniger in kurzfristigen Mengen als in einer möglichen neuen Lieferquelle. Aus der großen Ressource wird allerdings erst dann ein Beitrag zur Versorgungssicherheit, wenn Umweltverträglichkeit, Aufbereitung, Infrastruktur und die industrielle Kette bis zum Magneten funktionieren.

