Zwei Monate Aufschub: Streit um Seltene Erden bleibt offen
US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping verschaffen dem Handelskonflikt ihrer Länder zwei weitere Monate Aufschub. Bei Xis Staatsbesuch in Washington sprachen beide Präsidenten auch über die Wirtschaftsbeziehungen. Die bestehende Vereinbarung soll nun bis zum 10. Januar 2027 gelten. Ein längerfristiger Ausgleich über Zölle, Agrarkäufe, seltene Erden und Technologiebeschränkungen steht weiter aus.
Für Unternehmen in beiden Ländern sinkt damit vorerst das Risiko einer neuen Zollrunde. Zugleich können zentrale Rahmenbedingungen bereits im Winter wieder zur Verhandlung stehen. 2025 wurden zwischen beiden Staaten Waren im Wert von rund 415 Mrd. USD gehandelt. Das US-Warendefizit mit China lag bei rund 203 Mrd. USD.
Zwei Monate mehr Zeit für weitere Verhandlungen
Die Verlängerung knüpft an den Handelskompromiss von 2025 an. Er wurde Ende Oktober 2025 nach einem Treffen der beiden Präsidenten in Busan in Südkorea vereinbart. Damals senkten die USA einen zusätzlichen Zoll auf chinesische Waren um zehn Prozentpunkte. Washington hatte ihn mit Chinas Rolle bei Vorprodukten für die Droge Fentanyl begründet. Zugleich setzte die US-Regierung einen Teil der zuvor erhöhten Zölle gegen China vorübergehend aus. China sagte unter anderem Agrarkäufe und Erleichterungen bei kritischen Rohstoffen zu.
Seltene Erden bleiben strategisch wichtig
Für die Rohstoffmärkte bleibt vor allem offen, wie China seine Zusagen bei Seltenen Erden umsetzt. US-Vertreter sehen weiterhin Defizite bei den Lieferungen. Die Rohstoffe werden unter anderem für Elektromotoren, Elektronik, Energietechnik und Rüstungsgüter benötigt.
Chinas Bedeutung reicht dabei weit über den Bergbau hinaus. Nach Daten der US-Rohstoffbehörde U.S. Geological Survey entfielen 2024 mehr als 70 % der weltweiten Förderung und rund 87 % der Verarbeitung Seltener Erden auf China.
Die starke Konzentration erschwert westlichen Industrien einen kurzfristigen Wechsel zu alternativen Lieferketten. Besonders bei Verarbeitung und Magnetproduktion lassen sich neue Kapazitäten nicht kurzfristig aufbauen. Der Zugang zu chinesischen Rohstoffen und Vorprodukten bleibt deshalb ein wichtiger Faktor in den Handelsbeziehungen.
Bereits der Handelskompromiss von 2025 zielte auf chinesische Beschränkungen bei Seltenen Erden und weiteren kritischen Mineralien. Nach Angaben des Weißen Hauses sagte China damals unter anderem allgemeine Ausfuhrlizenzen für Seltene Erden, Gallium, Germanium, Antimon und Graphit zu. Im Mai 2026 teilte die US-Regierung mit, China werde auch amerikanische Versorgungsbedenken bei Yttrium, Scandium, Neodym und Indium angehen.
Für Bergbau, Verarbeitung und Industrie bleibt damit ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor bestehen. Niedrigere Zölle helfen kurzfristig. Exportregeln und Rohstoffzugang können Produktionsplanung und Investitionen jedoch mindestens ebenso stark beeinflussen.
Agrarkäufe bleiben zweiter wichtiger Prüfstein
Auch bei Agrarprodukten ist die Umsetzung der Vereinbarungen noch nicht abgeschlossen. China liegt laut US-Finanzminister Scott Bessent bei seiner Zusage zum Kauf von 25 Mio. Tonnen Sojabohnen im Plan. Bei weiteren Agrargütern liegt Peking nach US-Angaben zurück. Nach Angaben des Weißen Hauses sieht die Vereinbarung zusätzliche Agrarkäufe von mindestens 17 Mrd. USD jährlich vor, wobei der Betrag für 2026 anteilig berechnet wird. Die Zusage läuft bis 2028.
Die Größenordnung ist für Washington relevant. 2025 sanken die US-Agrarausfuhren nach China um 66 % auf 8,4 Mrd. USD. China fiel damit vom dritten Rang im Jahr 2024 auf Rang sechs der amerikanischen Agrarabsatzmärkte.
Strategische Konflikte bestehen weiter
Der Staatsbesuch zeigte zugleich, dass die Wirtschaftsbeziehungen Teil einer breiteren Rivalität bleiben. Bei künstlicher Intelligenz vertreten Washington und Peking unterschiedliche Vorstellungen über Regulierung und Kontrolle. Auch Taiwan blieb ein Streitpunkt zwischen beiden Regierungen.
Für Rohstoffunternehmen und industrielle Abnehmer ist zunächst jedoch der Handel entscheidend. Die verlängerte Frist schafft nun Zeit für weitere Verhandlungen über Zölle, Lieferzusagen und Exportbeschränkungen. Besonders bei kritischen Mineralien wird sich zeigen, ob die politische Atempause auch mehr Planungssicherheit in den Lieferketten bringt.

