Thyssenkrupp stellt Stahlsparte auf höheren Ertrag ein

Thyssenkrupp stellt Stahlsparte auf höheren Ertrag ein thyssenkrupp

Der deutsche Industriekonzern Thyssenkrupp DE0007500001 750000 setzt für sein Stahlgeschäft deutlich höhere Renditeziele. Die Stahlsparte Thyssenkrupp Steel Europe soll ihr bereinigtes EBITDA mittelfristig auf mindestens 1,2 Mrd. EUR steigern. Für das laufende Geschäftsjahr werden rund 400 Mio. EUR erwartet. Das operative Ergebnis soll sich damit mindestens verdreifachen. Zusätzlich peilt die Sparte mittelfristig einen positiven freien Cashflow an. Am Kapitalmarkt kam die Botschaft zunächst gut an. Die Thyssenkrupp-Aktie lag am Montagnachmittag rund 2,1 % im Plus.

Größter Ergebnisbeitrag soll aus eigenem Umbau kommen

Die Zielrechnung stützt sich vor allem auf die eigenen Maßnahmen und weniger auf einen kräftigen Nachfrageaufschwung. Mehr als 800 Mio. EUR Ergebnisverbesserung sollen aus Schritten kommen, die Thyssenkrupp Steel selbst steuern kann. Mindestens 300 Mio. EUR entfallen auf die Restrukturierung, weitere 300 Mio. EUR auf den Ausstieg aus dem früheren Gemeinschaftsunternehmen Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM), das ein Stahlwerk in Duisburg betreibt. Mindestens 200 Mio. EUR sollen aus sonstigen Kosteneffizienzen kommen. Mehr als die Hälfte dieser Maßnahmen ist laut Unternehmen bereits vertraglich vereinbart und befindet sich in Umsetzung. Die Größenordnungen legte das Unternehmen am Montag auf seinem Capital-Market-Day vor, einem Investorentag zu Strategie und Mittelfristzielen.

Rund 11.000 Stellen sollen entfallen oder ausgelagert werden, was etwa 40 % der heutigen Belegschaft entspricht. Rund 4.000 der geplanten Stellenreduzierungen sind laut Unternehmen bereits umgesetzt. Zugleich sinkt die jährliche Produktionskapazität von rund elf Millionen Tonnen auf 8,7 bis neun Millionen Tonnen.

Thyssenkrupp Steel hat seine Beteiligung an HKM im Sommer 2026 abgegeben. Die Belieferung durch das Duisburger Werk läuft noch bis Ende 2028. Ab dem Geschäftsjahr 2028/29 erwartet das Unternehmen daraus mindestens 300 Mio. EUR zusätzlichen EBITDA-Beitrag pro Jahr. Das Unternehmen will so eigene Anlagen besser auslasten und Fixkosten reduzieren.

Mittelfristig strebt die Stahlsparte eine bereinigte EBITDA-Marge von mehr als elf Prozent an. Im laufenden Geschäftsjahr sollen es etwas mehr als vier Prozent sein. Einen festen Termin für das Erreichen dieser Ziele nennt das Unternehmen nicht.

Handelsschutz stützt Preise bei weiterhin schwacher Nachfrage

Seit Juli 2026 gilt in der EU ein neuer Schutzrahmen für Stahleinfuhren. Zollfrei dürfen jährlich 18,3 Mio. Tonnen eingeführt werden. Oberhalb der jeweiligen Quoten fällt ein Zoll von 50 % an. Die Regelung erfasst grundsätzlich alle Herkunftsländer außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums und reicht damit deutlich über asiatische Anbieter hinaus.

Für europäische Produzenten kann die Regelung den Preisdruck dämpfen, weil zusätzliche Importmengen oberhalb der Quoten deutlich teurer werden. Thyssenkrupp Steel sieht darin einen wichtigen Rückenwind für seine Ergebnisziele. Die Regelung wirkt damit vor allem auf Importmengen und Preise, nicht unmittelbar auf die Endnachfrage.

Der europäische Branchenverband Eurofer erwartet für 2026 lediglich 0,4 % Wachstum des sichtbaren Stahlverbrauchs in der EU. Das Nachfrageniveau liegt nach Verbandsangaben noch rund zehn Millionen Tonnen unter dem Stand vor der Pandemie. Schon 2025 erreichten Importe von Halbzeug und Fertigstahl einen Rekordanteil von rund 30 % am EU-Verbrauch.

Die Zahlen sprechen damit eher für eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau als für einen kräftigen Mengenaufschwung. Zugleich belasten hohe Energie- und Arbeitskosten die europäischen Stahlhersteller weiterhin. Für Thyssenkrupp Steel werden Preisniveau, Produktmix und Kostensenkungen deshalb mindestens ebenso wichtig wie zusätzliche Tonnen.

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Mehr Wert statt mehr Menge zur Margenerhöhung

Nahezu zwei Drittel des Produktportfolios bestehen laut Unternehmen aus höherwertigen Premium-Güten. Thyssenkrupp Steel verfolgt damit ausdrücklich einen Ansatz, bei dem Wert Vorrang vor der Menge hat. Dieser Produktmix kann mehr Ertrag je Tonne bringen und passt zur geplanten Verringerung der Produktionskapazität.

Die Strategie verbindet damit drei Faktoren. Weniger Fixkosten sollen die Kostenbasis entlasten, Handelsschutz den Importdruck begrenzen und höherwertige Produkte die Marge stützen. Ob die EBITDA-Marge mittelfristig auf mehr als elf Prozent steigt, hängt von der Umsetzung und dem Marktumfeld ab.

Verselbstständigung bleibt strategisches Ziel

Die Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel bleibt das erklärte strategische Ziel des Mutterkonzerns. Bei seinem Capital-Market-Day nannte das Unternehmen keinen konkreten Termin dafür.

Thyssenkrupp baut seine Struktur somit schrittweise in Richtung einer Finanzholding um. Die einzelnen Geschäfte sollen eigenständiger werden und grundsätzlich eigenen Zugang zum Kapitalmarkt erhalten. Steel Europe könnte dabei eine Ausnahme bilden: Während Thyssenkrupp in der Finanzholding grundsätzlich Mehrheitsbeteiligungen anstrebt, könnte der Konzern an der verselbstständigten Stahlsparte lediglich eine Minderheitsbeteiligung halten.