USA sichern kritische Rohstoffe – Lynas rückt in den Fokus

USA sichern kritische Rohstoffe – Lynas rückt in den Fokus picture alliance / ERWIN SCHERIAU / APA / picturedesk.com

Washington verschärft seinen Zugriff auf kritische Rohstoffströme und treibt zugleich den Aufbau unabhängiger Lieferketten voran. Davon betroffen sind Recyclingmaterialien ebenso wie strategische Vorprodukte für Permanentmagnete. Der australische Seltene-Erden-Produzent Lynas Rare Earths AU000000LYC6 871899 spielt dabei zunehmend eine Rolle in den USA.

Washington bindet Recyclingrohstoffe an den US-Markt

Die neue Zuteilungsregel kommt vom Bureau of Industry and Security (BIS), der Exportkontrollbehörde im US-Handelsministerium. Sie gilt ab dem 27. August 2026 für genau ein Jahr. Betroffene US-Verkäufer müssen 100 % ihrer monatlichen Verkäufe Abnehmern in den USA zuteilen. Ohne explizite Genehmigung müssen die erfassten Materialien zudem physisch in den Vereinigten Staaten bleiben.

Erfasst wird unter anderem Black Mass aus Lithium-Ionen-Batterien. Darin können Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan, Graphit oder Silizium enthalten sein. Diese Stoffe lassen sich zurückgewinnen und erneut in industrielle Lieferketten einspeisen.

Strategische Gründe für den Zugriff auf Sekundärrohstoffe

Rechtsgrundlage ist der Defense Production Act, ein US-Gesetz zur Sicherung strategisch wichtiger Produktionskapazitäten. Präsident Donald Trump hatte das Handelsministerium am 30. Juli zum Handeln bei knappen wiedergewinnbaren kritischen Materialien ermächtigt.

Schon 2023 beschrieb das US-Energieministerium ein strukturelles Missverhältnis. Die Kapazität zur Erzeugung von Black Mass wuchs schneller als die heimische Rückgewinnung von Kathodenmaterialien. Nach damaliger Einschätzung der Behörde trieb die Nachfrage nach Verarbeitung außerhalb der USA die heimische Black-Mass-Kapazität über den Bedarf hinaus. Die neue Vorgabe setzt damit an einem entscheidenden Zwischenprodukt der Recyclingkette an. Zusätzlich erfasst die Regel Abfälle und Schrotte aus Wolfram.

China stellte 2023 laut U.S. Geological Survey, der US-Fachbehörde für Geowissenschaften, rund 83 % der weltweiten Wolfram-Minenproduktion. Die Maßnahme betrifft damit einen weiteren Rohstoff, dessen globale Versorgung stark konzentriert ist.

Ausnahmen können beantragt werden. Als möglichen Ausnahmegrund nennt das BIS die Verarbeitung oder Raffination im Ausland mit anschließender Rückführung in die USA. In begründeten Fällen kann grenzüberschreitende Verarbeitung damit genehmigt werden.

Lynas sucht Rohstoffquellen und unterstützt eine US-Magnetlieferkette

Die staatliche Rohstoffsicherung ist nur eine Seite der Strategie. Zugleich bauen Produzenten wie Lynas ihre Lieferketten außerhalb Chinas aus. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist das Unternehmen der größte Produzent Seltener Erden außerhalb der Volksrepublik. Lynas betreibt die Mine Mt Weld in Westaustralien und verarbeitet Material außerdem in Malaysia.

Interimschef Pol Le Roux berichtete von laufenden Gesprächen über zusätzliche Seltene-Erden-Quellen in mehreren Ländern und erwartet bald neue Vereinbarungen. Dabei ließ er offen, ob Lynas Material zukauft oder Unternehmen mit entsprechenden ionischen Tonvorkommen übernimmt.

Außerdem führt Lynas frühe Gespräche, um den Aufbau einer Magnetlieferkette in den USA zu unterstützen. Bereits im Oktober 2025 hatte das Unternehmen eine unverbindliche Absichtserklärung mit Noveon Magnetics, einem US-Hersteller gesinterter Seltene-Erden-Magnete, geschlossen. Ziel ist eine skalierbare heimische Lieferkette für Permanentmagnete.

An bestehende US-Beziehungen kann Lynas bereits anknüpfen. Im März vereinbarte das Unternehmen mit dem US-Verteidigungsministerium einen Rahmen für Seltene-Erden-Lieferungen im Umfang von rund 96 Mio. USD. Vorgesehen sind leichte und schwere Seltene-Erden-Oxide über vier Jahre sowie ein Mindestpreis von 110 USD je Kilogramm für Neodym-Praseodym.

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Hohe Preise geben Lynas finanziellen Rückenwind

Die Gespräche über zusätzliche Rohstoffquellen und eine US-Magnetlieferkette fallen in eine Phase deutlich besserer Geschäftszahlen. Im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr erzielte Lynas 222,4 Mio. AUD Nettogewinn nach Steuern. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 8 Mio. AUD gewesen.

Dennoch blieb das Ergebnis unter den Erwartungen. Der vom Finanzdatenanbieter Visible Alpha erfasste Analystenkonsens hatte bei 242,5 Mio. AUD gelegen. Die Lynas-Aktie gab nach Veröffentlichung zeitweise um bis zu acht Prozent nach.

Operativ half vor allem das höhere Preisniveau. Der durchschnittliche Verkaufspreis für Seltene-Erden-Oxide stieg um 59 % auf 80,7 AUD je Kilogramm. Dazu trugen ein höherer Anteil schwerer Seltener Erden und bessere Konditionen für Neodym-Praseodym bei, einen zentralen Ausgangsstoff für leistungsstarke Permanentmagnete.

Preisuntergrenzen in Vereinbarungen mit japanischen und amerikanischen Kunden brachten zusätzliche Stabilität. Gleichzeitig meldete Lynas eine starke Nachfrage und höhere Absatzmengen. Belastungen kamen von der Erzqualität der Mine Mt Weld und von steigenden Kosten.

Weitere Materialien könnten folgen

Die neue US-Regel endet vorerst bei Black Mass und Wolframschrott. Die zugrunde liegende Präsidialentscheidung definiert wiedergewinnbare kritische Materialien jedoch deutlich breiter. Auch ausgediente Permanentmagnete mit Seltenen Erden sowie weitere Abfälle und Schrotte mit kritischen Rohstoffen fallen darunter.

Das BIS behält sich deshalb weiteren Spielraum vor. Die Behörde kann zusätzliche Materialien per Veröffentlichung im Federal Register in die Zuteilungsregel aufnehmen. Der regulatorische Zugriff könnte sich damit künftig auf weitere Sekundärrohstoffe ausdehnen.

Abhängigkeit prägt den strategischen Kurs

Für westliche Staaten bleibt China weiterhin der zentrale Referenzpunkt. Das Land steht laut Reuters für rund 90 % der weltweiten Produktion von Seltene-Erden-Produkten einschließlich Magneten. Am 10. November endet die Aussetzung einer zweiten, im Oktober 2025 angekündigten Welle chinesischer Exportkontrollen. Ohne Verlängerung würden diese ausgesetzten Maßnahmen wieder greifen. Die im April 2025 eingeführten Exportkontrollen sind von dieser Aussetzung nicht erfasst.

Zusätzliche Förderung ist deshalb nur ein Teil der westlichen Antwort auf die Abhängigkeit von China. Recycling, Verarbeitung, Preisabsicherung und Magnetproduktion gewinnen gemeinsam an strategischer Bedeutung. In diesem Spannungsfeld stehen sowohl die neue US-Regel als auch die Lieferkettenpläne von Lynas.