LME justiert Regelwerk im Zeichen knapper Metalle
Die London Metal Exchange (LME) reformiert ihr Lagerwesen und prüft schnellere Markenzulassungen. Zugleich verschärfen knappe Aluminiumbestände die Lage am Metallmarkt. Zu ihrer Marktbefragung vom März erhielt die LME 29 fristgerechte Stellungnahmen von Börsenmitgliedern, Lagergesellschaften, deren Agenten und weiteren Marktteilnehmern. Die Rückmeldungen bewerteten geplante Änderungen an Lagergebühren, Kontrollverfahren, Metallnachweisen und der physischen Marktinfrastruktur.
LME beschleunigt Zulassung und Kontrolle
Die LME plant, sämtliche verbindlichen Vorschläge aus dieser Konsultation umzusetzen. Über weitere Regeländerungen läuft eine neue Runde; Stichtag für Stellungnahmen ist der 11. September 2026. Die Börse will unter anderem die Zulassung neuer Metallmarken – registrierte Erzeugnisse eines Produzenten – verkürzen. Derzeit muss eine Produktionsanlage grundsätzlich zwölf Monate gearbeitet haben, bevor ein Hersteller einen Antrag stellen kann. Das Zulassungsverfahren umfasst zwei Stufen: die Einreichung und Prüfung des Antrags, gefolgt von Proben, Qualitätsanalysen und der Entscheidung über die Zulassung.
Bei Kupfer soll ein Antrag beispielsweise künftig nach sechs Produktionsmonaten möglich sein. Die zweite Stufe mit Proben und Qualitätskontrollen dürfte jedoch erst nach zwölf Monaten beginnen. Bei Aluminium wäre der Übergang in diese Prüfungsphase bereits nach sechs Monaten möglich. Dieselbe verkürzte Frist ist für Blei, Zink, Nickel und Zinn vorgesehen. Bei Kobalt könnte der Antrag ebenfalls nach sechs Monaten eingereicht werden. Die vollständige Zulassung bliebe an zwölf Produktionsmonate gebunden. Anders als bei den übrigen Metallen sieht das Kobaltverfahren keine gesonderte Prüfphase mit Proben vor.
Die LME behält sich zusätzliche Prüfzeit vor. Das betrifft Anlagen, deren Daten noch keine gleichbleibende Metallqualität oder ausreichende Auslastung erkennen lassen. Damit verkürzt die Reform den frühestmöglichen Antrag, ohne die Qualitätsanforderungen abzusenken.
Hongkong soll neue Lagerflächen erschließen
Zusätzlich erwägt die Börse, primäres Aluminium in Hongkong unter freiem Himmel lagern zu lassen. Bislang begrenzt knapper Innenraum die dortigen Lagerkapazitäten. Aluminiumlegierungen und andere LME-Metalle bleiben von der geplanten Außenlagerung ausgeschlossen.
Hongkong könnte dadurch eine größere Rolle im Handel zwischen Festlandchina und dem weltweiten LME-Lagernetz einnehmen. Das geringe Vereisungsrisiko vor Ort erleichtert die Außenlagerung. Aktuell liegt in Hongkong kein Aluminium mit gültigem LME-Lagerschein in Hallen. Bestehende registrierte Bestände würden durch die Änderung daher nicht benachteiligt.
Neue Außenflächen benötigen eine Einzelgenehmigung und vorherige Inspektion der Börse. Für Außenbestände sollen dieselben Mietobergrenzen, Auslieferungspflichten und Warteschlangenregeln wie für Hallenbestände gelten. So will die LME Unterschiede bei Kosten und Lieferfähigkeit vermeiden.
Neue Aluminium-, Blei- und Zinkmarken sollen außerdem dauerhaft lesbare Produktionskennzeichnungen erhalten. Beschädigte oder abgelöste Etiketten würden dadurch weniger Probleme verursachen. Die Mehrheit der betroffenen Produzenten kennzeichnet ihre Metalle bereits dauerhaft.
Reform verschärft Aufsicht und Kostendisziplin
Weitere beschlossene Maßnahmen betreffen Kosten und Transparenz. Die Obergrenzen für Lagerentgelte und Auslieferungsgebühren werden von 2027 bis 2032 fortgeführt, Gebühren für erneute Einlagerungsregistrierungen auf zehn USD je Tonne begrenzt. Lagerbetreiber müssen Erhöhungen zusätzlicher Gebühren 90 Tage vorher ankündigen. Die Meldepflicht erfasst Erhöhungen ab 20 %.
Für Kupfer werden elektronische Analysezertifikate am 1. Januar 2028 verpflichtend. Dauerhafte Produktionskennzeichnungen folgen am 1. Januar 2030. Die gestaffelten Termine sollen den Produzenten genügend Zeit für die technische Umstellung geben.
Metallberichte müssen ab dem 1. Dezember 2026 bei Ausstellung des Lagerscheins über die digitale Registerplattform LMEpassport eingereicht werden. Bisher konnten Lagerunternehmen diese Daten später nachreichen. Die frühere Erfassung verbessert die Kontrolle registrierter Mengen und die Verknüpfung mit Analysezertifikaten.
Ab dem 1. Januar 2027 müssen zudem auch unverbundene Lagergesellschaften Informationsbarrieren für vertrauliche Daten einrichten. Ein externer Prüfer muss die Einhaltung erstmals bis zum 30. April 2028 bestätigen. Das soll verhindern, dass sensible Bestandsdaten unkontrolliert an Handelsunternehmen gelangen.
Knappe Bestände treffen auf verschobene Metallströme
Der Umbau erfolgt in einer angespannten Marktlage. Die LME-Aluminiumbestände sanken Ende Juli auf 266.300 Tonnen. Damit lagen sie 12,3 % unter dem Stand vor 30 Tagen. Der verfügbare Datenbestand weist zugleich den tiefsten Wert seit 19 Jahren aus. Der Aluminiumpreis gab am 31. Juli dennoch nach. Der Kassageldkurs sank um 1,05 % auf 3.195 USD je Tonne. Aktive Lagerscheine blieben bei 245.250 Tonnen, stornierte Lagerscheine fielen um 9,03 % auf 19.150 Tonnen.
Der Dreimonatspreis sank leicht auf 3.178,50 USD je Tonne. Niedrige Bestände überlagerten die kurzfristige Nachfrageschwäche damit nicht vollständig. Der asiatische Referenzpreis verlor 0,36 % auf 3.184 USD je Tonne. Gleichzeitig stieg der Aluminiumoxidpreis um 2,55 % auf 346 USD.
US-Zölle lenken Kupfer in amerikanische Lager
Auch bei Kupfer sind die regionalen Lagerströme stark verschoben. Die US-Terminbörse COMEX meldete 713.949 Short Tons – annähernd 650.000 Tonnen – in ihren Kupferlagern. Der Bestand hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt.
Ein wesentlicher Auslöser war die Aussicht auf zusätzliche US-Abgaben für raffiniertes Kupfer. Händler lieferten große Mengen in die Vereinigten Staaten, um dortige Preisaufschläge zu nutzen. Dadurch verringerte sich das verfügbare Material in anderen Regionen und trug somit unmittelbar zum Aufbau der US-Lagerbestände bei.
Washington hatte die Abgaben auf bestimmte Metallerzeugnisse und Folgeprodukte bereits im April 2026 verschärft. Die gesonderte Prüfung betraf raffiniertes Kupfer als vorgelagertes Ausgangsmaterial. Das US-Handelsministerium hatte seine Empfehlung ursprünglich bis Ende Juni vorlegen sollen, doch zum 31. Juli lag weiterhin keine Entscheidung vor.
Chinas Kupferbedarf verschärft den Angebotsdruck
Chinesische Importaufschläge erreichten währenddessen 115 USD je Tonne und damit den höchsten Stand seit 2022. Gleichzeitig lagen kurzfristige Londoner Kupferpreise deutlich über späteren Lieferterminen. Diese als Backwardation bezeichnete Struktur war so ausgeprägt wie zuletzt im Januar.
Die Preisstruktur weist auf knappes Metall für kurzfristige Lieferungen hin. Kupfer gewann im Juli rund drei Prozent. Nachfrage aus Stromnetzen und Rechenzentren traf dabei auf begrenzte Schrottmengen. Strengere Mehrwertsteuerkontrollen in China erschweren zusätzlich den Handel mit Kupferschrott. Dadurch weichen Käufer stärker auf raffiniertes Metall aus. Diese Verschiebung erhöht den Importbedarf zu einem Zeitpunkt, an dem große Bestände in US-Lagern gebunden sind.
Wetterbedingte Produktionsausfälle in Chile verschärfen die Lage. Das Land fördert rund ein Viertel des weltweiten Kupfers. Damit treffen regionale Lieferstörungen auf Bestände, die sich durch die US-Zollerwartungen bereits geografisch verlagert haben.
Die Verlagerung zwischen den Vereinigten Staaten und China berührt unmittelbar die Preis- und Lieferfunktion der LME. Kupfer in COMEX-Lagern steht asiatischen Käufern kurzfristig nicht zur Verfügung. Chinas steigender Importbedarf verstärkt daher die Aufschläge und die Backwardation in London.
Schnellere Markenzulassungen können den Kreis des lieferfähigen Metalls erweitern. Analysezertifikate und dauerhafte Kennzeichnungen sollen dessen Qualität und Herkunft nachvollziehbar halten. Diese Reformen erhöhen die verfügbare Menge jedoch erst, wenn Produzenten tatsächlich zusätzliches Metall in das LME-System einliefern. Die geplante Außenlagerung in Hongkong schafft näher am chinesischen Markt zusätzliche Kapazität, gilt allerdings ausschließlich für Aluminium. Beim Kupfer bleibt die regionale Knappheit bestehen, solange große Mengen in den Vereinigten Staaten lagern. Die LME kann ihre Infrastruktur verbessern, die politisch ausgelöste Verteilung des Metalls jedoch nicht unmittelbar umkehren.

