Kanada zielt mit Gegenzöllen auf US-Metalle
Kanada verschärft den Handelskonflikt mit den USA und richtet seine nächsten Gegenzölle besonders stark auf Metallwaren. Ab kommendem Dienstag gelten je nach Produkt Sätze von 15, 25 oder 50 Prozent. Die Regierung setzt die Sätze für einzelne Produkte jeweils in gleicher Höhe wie die entsprechenden US-Abgaben fest. Stahl steht im Zentrum, doch auch Aluminium und weitere Basismetalle geraten ins Visier.
Stahl stellt den größten Zollblock
Nach einer Analyse des Rohstoff- und Preisinformationsdiensts Platts erfassen die metallbezogenen Maßnahmen US-Waren im Wert von 13,59 Mrd. CAD. Grundlage sind kanadische Importdaten für 2025. Damit entfallen 43,6 % des von Platts erfassten Warenwerts auf Metallprodukte.
Besonders deutlich ist die Konzentration bei den höchsten Zollsätzen. Von den Waren mit 50 % Zoll machen Metalle laut Analyse 95,8 % des Importwerts aus. Allein Stahl steht dabei für 10,17 Mrd. CAD.
Davon wiederum entfallen 4,57 Mrd. CAD auf Grund- und Halbzeug sowie 5,59 Mrd. CAD auf weiterverarbeitete Eisen- und Stahlwaren. Zur ersten Gruppe zählen unter anderem Bleche, Platten, Stäbe, Draht, Edelstahl und legierte Stähle. Für diese Waren ist nach der Auswertung durchgehend der Satz von 50 % vorgesehen. Unter die Zölle fallen bei den weiterverarbeiteten Produkten etwa Rohre, Bauprodukte, Befestigungsteile, Beschläge und andere Stahlwaren für Bau, Energie und Industrie.
Aluminiumzölle treffen vor allem verarbeitete Waren
Auch beim Aluminium zielen die Gegenzölle vor allem auf bereits bearbeitete Produkte. Flachgewalzte Erzeugnisse wie Platten, Bleche, Bänder und Folien stehen für 1,39 Mrd. CAD. Das entspricht 53,7 % des von Platts erfassten Aluminiumhandels. Mehr als 90 % des erfassten Aluminiumwerts entfallen auf gewalzte, extrudierte, röhrenförmige, baunahe oder anderweitig verarbeitete Waren. Bei weiteren Basismetallen umfasst das Paket nach der Analyse 828,1 Mio. CAD. Darunter fallen Kupferwaren, Werkzeuge, Besteck und verschiedene andere Metallprodukte.
Offizielle Summe und Platts-Auswertung weichen ab
Platts kommt auf Basis detaillierter Daten von Statistics Canada auf 31,15 Mrd. CAD betroffene Importe aus 2025. Das kanadische Finanzministerium beziffert die offiziellen Gegenmaßnahmen dagegen auf 27,6 Mrd. CAD.
Wie genau die Differenz zustande kommt, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor. Statistics Canada wies Platts jedoch darauf hin, dass dessen Auswertung von den Angaben des Finanzministeriums abweichen könne.
Konflikt wiegt wirtschaftlich schwer
Die neuen Zölle treffen eine Handelsbeziehung mit außergewöhnlich enger gegenseitiger Verflechtung. 2025 gingen 71,7 % der kanadischen Warenausfuhren in die USA. Zugleich kamen 58,8 % der kanadischen Warenimporte aus dem Nachbarland.
Diese Abhängigkeit macht neue Handelsbarrieren besonders kostspielig. Die Bank of Canada warnt, die neuen US-Zölle und kanadischen Gegenzölle könnten Unternehmenskosten erhöhen. Ein Teil dieser Belastung könne mit der Zeit in Verbraucherpreise einfließen.
Wie stark das geschieht, hängt von Produkt, Wettbewerb und Dauer der Maßnahmen ab. Frühere kanadische Gegenzölle liefern zumindest einen Anhaltspunkt. Bei Einzelhandelswaren, die 2025 mit Gegenzöllen belegt waren, stiegen die Preise nach drei Monaten relativ zur Vergleichsgruppe um rund sechs Prozent. Das entsprach etwa einem Viertel des damaligen Zollsatzes von 25 %.
Auch wenn dieser Vergleich sich nicht unmittelbar auf Stahl und Aluminium übertragen lässt, zeigt er, dass Zollkosten entlang der Lieferkette zumindest teilweise bei Käufern ankommen können.
Festgefahrene Gespräche erhöhen das Eskalationsrisiko
Auslöser der neuen kanadischen Abgaben sind 50-prozentige US-Zölle auf kanadische Waren. Ottawa will die Belastung von 27,6 Mrd. CAD an US-Importen wertmäßig spiegeln.
Kanadas Premierminister Mark Carney erklärte am vergangenen Donnerstag, Ottawa habe das amerikanische Angebot nicht akzeptieren können und die von den USA verlangten Zugeständnisse abgelehnt. Eine rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch zeichnet sich bislang nicht ab.
Auch aus Washington kamen zuletzt kaum Signale für eine Entspannung. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer sagte am Dienstag, Gespräche fänden derzeit nicht statt. US-Präsident Donald Trump verschärfte zugleich seine Rhetorik gegenüber Kanada. Nach den gescheiterten Gesprächen drohte er mit weiteren Zöllen von 50 % auf kanadische Fahrzeuge, Fahrzeugteile und Stahl. Diese Maßnahmen könnten laut Platts ab 2027 greifen.
Parallel versucht Ottawa, die Folgen für Unternehmen und Beschäftigte abzufedern. Die Regierung hat dafür ein zusätzliches Hilfspaket von 7,5 Mrd. CAD angekündigt. Es ergänzt nach Regierungsangaben bereits bereitgestellte Unterstützungen von nahezu 25 Mrd. CAD.
Kanada verbindet die handelspolitische Gegenwehr so mit einer stärkeren Absicherung der eigenen Wirtschaft. Entscheidend bleibt jedoch, dass beide Seiten wieder verhandeln. Andernfalls dürften sich die Zölle zunehmend auf Investitionsentscheidungen, Lieferketten und Preise auswirken.

