Trafigura flutet LME-Lagerhäuser mit Blei

Trafigura flutet LME-Lagerhäuser mit Blei bigstockphoto

in den letzten zwei Handelstagen lieferte Trafigura rund 167.200 Tonnen Blei in Lagerhäuser in Singapur ein, allein am Dienstag mit 80.700 Tonnen der größte je verzeichnete Ein-Tages-Zuwachs bei den LME-Lagerbeständen. Die Bestände kletterten dadurch auf 456.575 Tonnen, den höchsten Stand seit 1970. Der Bleipreis fiel in der Folge auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr.

Mehr als 90 % der weltweiten LME-Blei-Bestände lagern inzwischen in Singapur. Trafigura, das laut Reuters hinter der Rekordlieferung steht, hatte dort im vergangenen Jahr ein lokales Lagerhausunternehmen übernommen, um seine Präsenz vor Ort auszubauen.

Warum Trafigura ausgerechnet jetzt liefert

Wer Metall in ein Lagerhaus einliefert, kann sich mit dem Lagerhausbetreiber die künftigen Mieteinnahmen teilen, die der neue Eigentümer zahlt, solange das Blei dort liegt. Dieses sogenannte Rent-Sharing ist im LME-System ein etabliertes Geschäftsmodell für solche Großlieferungen. Begünstigt wird es durch eine wachsende Contango-Situation am Bleimarkt, in der der Kassakontrakt mittlerweile deutlich günstiger notiert als der Drei-Monats-Kontrakt, was Lieferungen in die Gegenwart gegenüber einem Verkauf in der Zukunft attraktiv macht. Ein großer, sichtbarer Lagerbestand an einem Ort nimmt Käufern zugleich die Bereitschaft, für sofort verfügbares Material einen Aufschlag zu zahlen.

Ende Juni hatte sich am malaysischen Hafen Port Klang bereits eine Warteschlange von 253 Tagen für die Auslieferung von Aluminium aus LME-Lagern gebildet, die längste seit 2016. Auch die diesjährigen Zuflüsse bei Zink landeten größtenteils in Singapur. Ähnliche Lagerhaus-Verwerfungen treffen damit im LME-System immer wieder unterschiedliche Metalle.

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Blei ist der Außenseiter unter den Industriemetallen

Blei ist 2026 bislang das einzige Industriemetall an der LME, das im Minus notiert, mit Verlusten von rund 8 %. Zinn dagegen legte im gleichen Zeitraum um 33 % zu. Der Grund liegt in der besonderen Angebotsstruktur. Blei stammt zu einem Großteil aus dem Recycling verbrauchter Blei-Säure-Starterbatterien aus Verbrennerfahrzeugen und nur zu einem kleineren Teil aus dem Bergbau." Die wachsende Zahl an Elektrofahrzeugen lässt die Nachfrage nach neuen Starterbatterien stagnieren, während der Nachschub an Schrottbatterien aus dem bestehenden Fahrzeugbestand weiter zunimmt.

Ganz verschwinden dürfte die Nachfrage nach Blei-Säure-Batterien jedoch nicht. Auch Elektrofahrzeuge benötigen sie weiterhin für Hilfsstromkreise und Start-Stopp-Systeme. Zusätzliche Nachfrage kommt aus einer Richtung, die auf den ersten Blick wenig mit dem klassischen Batteriemarkt zu tun hat. Rechenzentren und 5G-Netze benötigen Blei-Säure-Batterien als Notstromversorgung, ein Wachstumstreiber, den die International Lead and Zinc Study Group als einen Grund für ihre Nachfrageprognose nennt. Die Organisation rechnet für 2026 mit einem leichten Anstieg der weltweiten Nachfrage nach Raffinadeblei um 0,9 % auf 13,37 Mio. Tonnen, erwartet zugleich aber einen wachsenden globalen Angebotsüberschuss von rund 102.000 Tonnen. Gemessen an der Nachfrage ist dieser Überschuss mit 0,8 % zwar gering, reicht aber aus, um den Markt weiter zu drücken. Der aktuelle Lagerbestandsschub ist damit eher ein Angebots- als ein Nachfrageeffekt.