Aluminiumpreis erreicht höchsten Stand seit vier Jahren

Aluminiumpreis erreicht höchsten Stand seit vier Jahren Kasper Gant, Unsplash

Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran verschärft nach Einschätzung von Branchenvertretern und Analysten die ohnehin angespannte Lage an den Märkten für Industriemetalle. Kupfer notiert nahe seinem bisherigen Rekorden, Aluminium erreicht den höchsten Stand seit vier Jahren. Beobachter sprechen von einem "Super-Squeeze", der die Preise über Jahre hinweg hochhalten könnte.

Treiber sind sowohl strukturelle Nachfrage als auch kriegsbedingte Angebotsausfälle. Rechenzentren benötigen Kupfer für Verkabelung und Aluminium für Serverracks, zusätzlich steigt der Bedarf durch den Ausbau von Stromnetzen und Elektrofahrzeugen. Der seit vier Monaten andauernde Konflikt hat laut einem Bericht der Financial Times zugleich die nahezu vollständige Schließung der Straße von Hormus zur Folge, was Lieferketten belastet.

Schwefelsäure-Engpass trifft Kupferminen in Kongo und Chile

Der Krieg hat die Betriebskosten von Minen über zwei Kanäle erhöht: höhere Dieselpreise für Transportfahrzeuge und einen Preisanstieg bei Schwefelsäure, einem wichtigen Hilfsstoff für Kupfer- und Nickelminen. Der Schwefelpreis, ein Nebenprodukt der Ölraffinierung, hat sich laut Bericht mehr als verdoppelt.

Nach Angaben der Beratungsgesellschaft Wood Mackenzie könnten die Engpässe bei der Schwefelversorgung die Kupferproduktion in der Demokratischen Republik Kongo um bis zu 125.000 Tonnen verringern. Amy Gower, Analystin bei Morgan Stanley, geht davon aus, dass in Chile zusätzlich bis zu 200.000 Tonnen Produktion gefährdet sind, unter anderem wegen eines chinesischen Exportstopps für Schwefelsäure.

Goldman Sachs erhöht Kupferpreisprognose um 10 Prozent

Goldman Sachs hatte für den Kupfermarkt außerhalb der USA zunächst ein Defizit von 60.000 Tonnen für das laufende Jahr erwartet und diese Prognose nun auf 640.000 Tonnen angehoben. Als Gründe nennt die Bank Produktionsprobleme bei den Minen Grasberg in Indonesien und Kamoa-Kakula in der DR Kongo. Gleichzeitig hob die Bank ihre Kupferpreisprognose um 10 % auf 13.735 USD pro Tonne bis Jahresende an.

Der Ölpreis der Sorte Brent ist im Zuge des Konflikts von 72 USD auf aktuell über 90 USD gestiegen. Die Folgen reichen über Energiemärkte hinaus: Auch Agrarrohstoffe wie Weizen und Mais sind teurer geworden, da Düngemittel sich verteuern, ebenso Kunststoffe und Asphalt als Erdölderivate.

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Aluminiumproduzenten im Nahen Osten drosseln nach Angriffen

Die Region Naher Osten steht für knapp 10 % der globalen Raffinade-Aluminiumproduktion. Große Produzenten wie Alba und EGA haben ihre Produktion nach israelischen Angriffen gedrosselt, die ihre Infrastruktur beschädigten. Zusätzlich erschwert die Schließung der Straße von Hormus die Versorgung der Schmelzen mit Rohaluminiumoxid.

Cobus Loots, Vorstandschef des Goldproduzenten Pan African Resources GB0004300496 913531, führt die Angebotslücke auch auf jahrelange Unterinvestitionen zurück: Investoren hätten Bergbauunternehmen seit den frühen 2000er-Jahren zu Kapitaldisziplin gedrängt, was Investitionen in neue Kupferminen gebremst habe. Craig Miller, CEO des südafrikanischen Minenkonzerns Valterra Platinum ISIN: ZAE000013181, WKN: 856547), sieht das Angebot über alle Rohstoffe hinweg nicht mit der Nachfrage mitwachsen, getrieben unter anderem durch Energiewende und KI-Wachstum.

Ökonomen weisen darauf hin, dass der aktuelle Preiszyklus anders verläuft als frühere Superzyklen, da er angebots- statt nachfragegetrieben ist. Paul Bloxham, Chefökonom für Australien und globale Rohstoffe bei HSBC, der den Begriff "Super-Squeeze" bereits nach der russischen Invasion der Ukraine 2022 verwendet hatte, sieht darin sowohl positive Effekte für Kupfer, Nickel und Aluminium als auch einen negativen Angebotsschock für die Weltwirtschaft. Eine Eintrübung der Nachfrage durch hohe Preise ist laut Jean-Sébastien Pelland, Geschäftsführer beim Kabelhersteller Eland Cables, bislang nicht erkennbar.