USA greifen mit Chemaf-Deal nach Batteriemetallen im Kongo

USA greifen mit Chemaf-Deal nach Batteriemetallen im Kongo Chemaf

Virtus Minerals gab Ende März die Übernahme des kongolesischen Unternehmens Chemaf für 30 Mio. USD bekannt. Chemafs Kapazitäten können etwa 5 % des weltweiten Bedarfs an Kobalt decken – einem Metall, das in Kampfflugzeugen, Mobiltelefonen und Batterien für Elektrofahrzeuge verwendet wird.

Zum Portfolio von Chemaf gehören die Minen Etoile und Mutoshi in Katanga im Süden der DR Kongo. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten Produzenten von Kobalt, die sich noch nicht in chinesischer Hand befinden. Virtus plant, die gesamte zukünftige Produktion an amerikanische oder mit den USA verbündete Abnehmer zu verkaufen.

Mineralienabkommen zwischen USA und Kinshasa zeigt erstmals Wirkung

Der Trump-Regierung ist damit etwas gelungen, was der Vorgängerregierung unter Joe Biden nicht gelang: Einen Käufer für das in Familienhand befindliche Chemaf zu finden, das bereits seit Jahren zur Disposition steht.

Die Regierung in Kinshasa hat dem Verkauf laut Angaben der US-Regierung im Rahmen des Mineralienabkommens zwischen den beiden Ländern zugestimmt. Dieses ist Teil des im Dezember in Washington unterzeichneten Friedensabkommens zwischen der DR Kongo und Ruanda.

Das Abkommen dient einerseits dazu, den Konflikt zwischen Kinshasa und den von Kigali unterstützten M23-Rebellen im (rohstoffreichen) Osten des Landes zu beenden. Andererseits gewährt das Abkommen US-Unternehmen einen privilegierten Zugang zu den Bodenschätzen des Kongo.

Das staatliche kongolesische Bergbauunternehmen Gecamines ist Inhaber von Pachtverträgen und musste der Übernahme zustimmen, was Reuters-Meldungen zufolge mit personellen Änderungen in der Führungsetage einherging. Virtus Minerals zufolge hat Gecamines ebenso zugestimmt wie die zuständigen Ministerien des Landes.

750 Mio. USD Transaktionswert – plus Schulden

Neben dem Kaufpreis von 30 Mio. USD fallen weitere Kosten an: Virtus verpflichtete sich zu Investitionen in Höhe von 720 Mio. USD. Virtus beteiligt sich an der Transaktion zusammen mit Lloyds Metals and Energy, das als operativer Partner gewonnen wurde, mit anfänglich 200 Mio. USD. 475 Mio. USD stellt die New Yorker Investmentfirma Orion Resource Partners bereit, 75 Mio. werden durch andere Kapitalgeber abgedeckt.

Laut Virtus-Mitgründer und Finanzvorstand Andrew Powch sind Investitionen in Höhe von etwa 250 bis 300 Millionen US-Dollar erforderlich, um die Infrastruktur zu modernisieren und die Produktion auf 75.000 Tonnen Kupfer und 15.000 Tonnen Kobalt pro Jahr zu steigern.

Zudem müssen die Verbindlichkeiten von Chemaf neu organisiert werden. Im Raum stehen Schulden von rund 1 Mrd. USD. Der größte Gläubiger ist der Rohstoffhändler Trafigura, der 2022 einen Konsortialkredit in Höhe von 600 Mio. USD organisierte, um die Kapazitäten der Mineralienverarbeitung zu erweitern und die Mechanisierung der Chemaf-Mine Mutoshi abzuschließen. Zudem bestehen Forderungen von lokalen Auftragnehmern. Mit Trafigura wurde eine nicht näher beschriebene Vereinbarung getroffen, zu Arrangements mit lokalen Gläubigern äußerte sich Virtus nicht.

Die Verbindlichkeiten sind zwar nicht gering, wahrscheinlich aber das geringste Problem bei der Übernahme durch das achtköpfige und auf Investitionen im Bereich der nationalen Sicherheit spezialisierte Unternehmen Virtus.

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Chemafs schwierige Historie

Ein großes Problem sind informelle Bergarbeiter, die offenbar in vierstelliger Zahl in die Mine Mutoshi eindringen. Die Historie von Chemaf ist zudem durch fragwürdige Geschäftspraktiken belastet. Chemafs Gründer Shiraz Virji, Sohn eines Gewürzhändlers aus Sansibar, beschäftigte nepalesische Soldaten zur Abwehr illegaler Minenarbeiter. Vorwürfe von Kinderarbeit, Bestechung und gravierenden Sicherheitsproblemen stehen nicht nur im Raum.

Das Geschäftsumfeld in der DR Kongo zählt zudem zu den schwierigsten der Welt. Das musste auch Virtus Minerals selbst bereits erfahren: 2023 investierte das Unternehmen in eine Kupfer- und Kobaltverarbeitungsanlage nahe Lubumbashi. Aufgrund eines Eigentumsstreits befindet sich die Investition jedoch in der Schwebe. Der operative Partner Lloyds verfügt im Kongo vor allem über Erfahrungen in der Vermietung von Bergbauausrüstung, nicht aber im Minenbetrieb.

Aus US-amerikanischer Sicht ist die Übernahme von Chemaf dennoch ein Erfolg. Die Alternative wäre wahrscheinlich eine Übernahme durch chinesische Unternehmen gewesen, die 2024 noch an der fehlenden Genehmigung durch die Regierung gescheitert war. Damals hatte Chemaf dem Verkauf an Norin Mining, eine Tochtergesellschaft des chinesischen Staatskonzerns Norinco, für 920 Mio. USD bereits zugestimmt.

Seit mehr als einem Jahrzehnt kaufen chinesische Unternehmen mit erheblicher Risikobereitschaft für Milliarden von Dollar Minen in der DR Kongo. Guy Robert Lukama, ehemaliger Vorsitzender von Gécamines, fasste es gegenüber US-Medien so zusammen: "Es wäre höchst unverantwortlich von westlichen Unternehmen, weiterhin zu warten, bis wir ein friedliches Land haben. Wir sind nicht Schweden und werden es auch nie sein."