Nach Crash der Edelmetalle: Wie geht es weiter?
Wie ist die Situation an den Edelmetallmärkten am Montag? Der Silberpreis ging am späten Freitagabend nach starken Verlusten bei rund 85 USD pro Feinunze ins Wochenende. Noch am Donnerstag waren zeitweise 121 USD gezahlt worden: Ein Verlust von 30 % binnen weniger Handelsstunden.
Bei der Eröffnung diese Woche ging es zunächst weiter abwärts auf rund 72 USD am frühen Morgen – niedriger als das Tief am Freitag. Es folgte eine kurze Erholung auf knapp 84 USD, bis die Kurse am Nachmittag wieder gen Süden drehten. Der maximale Verlust vom Hoch am Donnerstag bis zum niedrigsten Stand am Montag: 48 USD. Die maximale Gegenbewegung neutralisierte damit 11 von 48 USD Verlust: Weniger als 25 % und damit eine schwache Reaktion.
Gegenbewegung bei Gold stärker als bei Silber
Die Korrektur am Goldmarkt fiel weniger drastisch aus als jene am Silbermarkt. Vom Höchstkurs von 5.586 USD am Donnerstag aus ging es bis auf 4.895 USD am Freitagabend abwärts: Ein Minus von 12,5 % (in der Spitze erreichte das Minus am Freitag 15 % bzw. 1.134 USD vom Hoch am Donnerstag aus gesehen). Ähnlich wie bei Silber kam es am Montagmorgen zu einem weiteren Tief bei 4452 USD. Die anschließende Erholung stoppte bei 4.797 USD. Die Gegenbewegung erreichte also maximal 345 USD bzw. rund 30 % des vorangegangenen Kursverlustes und fiel damit zwar stärker als bei Silber, aber immer noch verhalten aus.
Platin fiel von 2.764 USD am Donnerstag auf bis zu 2.005 USD am Freitag. Am Montag wurde ein weiteres Tief bei 1.867 USD markiert. Die Gesamtdistanz des Kursrückgangs beläuft sich also auf 897 USD. Vom Tief am Montagmorgen erholte sich der Kurs jedoch wieder deutlich: Am späten Nachmittag wurden 2.120 USD pro Unze gezahlt. Anders als bei Gold und Silber war die Gegenbewegung auch noch weitgehend intakt. Damit erstreckte sich die Gegenbewegung zum Crash auf gut 28 %.
Palladium erreichte am vergangenen Donnerstag ein Hoch bei 2.134 USD und ging bei 1.683 USD ins Wochenende. Ähnlich wie bei den anderen Metallen wurde am Montagmorgen ein weiteres Tief erreicht: 1.531 USD wurden pro Feinunze gezahlt. Der Crash erreichte also eine Gesamtdistanz von 603 USD. Im Verlauf des Montags stieg der Palladiumpreis auf bis zu 1.736 USD, um danach wieder abzugeben. Die maximale Gegenbewegung zum Crash erreichte damit 205 Unzen bzw. 34 %.
Die Gretchenfrage: Wie geht es nun weiter? Viele Analysten sehen speziell bei Gold die bisherigen Treiber der Rallye weiter intakt. So geht die Deutsche Bank weiterhin davon aus, dass der Goldpreis bis zum Jahresende die Marke von 6.000 USD pro Feinunze erreichen wird.
Die Rallye ist über das Debasement-Narrativ hinausgeschossen
Angesichts der Stärke des Kursrückgangs – und aufgrund anderer Indizien – ist zu vermuten, dass die starken Kursgewinne der letzten Zeit ganz wesentlich auf spekulative Kräfte zurückzuführen sind. Dies gilt ganz besonders für den Silbermarkt und die parabolische Preisentwicklung der vergangenen Wochen. So wenig, wie die industrielle Nachfrage Silberpreise im dreistelligen Bereich rechtfertigt, rechtfertigt die Entscheidung Donald Trumps für einen Nachfolger von Jerome Powell einen Kursrückgang von 30 %.
Die Rallye ist möglicherweise zumindest vorerst über ihre eigenen Narrative hinausgeschossen. Das wohl stärkste Narrativ ist der Debasement Trade: Die Abkehr der Welt vom USD als Leitwährung.
Tatsächlich haben zahlreiche Notenbanken in den vergangenen Jahren ihre Goldbestände aufgestockt, um ihre Währungsreserven zu diversifizieren. Die Frage ist, wie weit dies die Rallye noch tragen kann. Die jüngsten Zahlen des World Gold Council zeigen für 2025 eine Abschwächung der Käufe – mutmaßlich bedingt durch die hohen Preise. Zudem gilt es zu bedenken, dass bei steigenden Goldpreisen der Anteil des Edelmetalls an Zentralbankportfolios automatisch steigt – auch ganz ohne Zukäufe. Gleichzeitig reduziert eine Abwertung des USD am Devisenmarkt den Anteil des Greenbacks an den Beständen. Preise wirken auch an dieser Stelle ausgleichend auf Angebot und Nachfrage.
Kein Debasement Trade am Bondmarkt
Die Notenbanken haben ihre Goldbestände hochgefahren, der USD hat ein Stück abgewertet: Dies sind tatsächlich Entwicklungen, die sich in Richtung eines Debasement-Trades interpretieren lassen. Doch es gibt andere Entwicklungen, die dieses Bild nicht bestätigen.
Eine davon betrifft den Bondmarkt: Während die US-Renditen am langen Ende seit einem Jahr seitwärts bzw. sogar abwärts tendieren, sind die Renditen anderer Länder (Deutschland, Frankreich, Japan) im selben Zeitraum deutlich gestiegen. Dies passt nicht zum Bild einer Abkehr vom Greenback.
Auch die Inflationserwartungen passen nicht zum Bild einer Flucht aus dem Dollar. Die Breakeven-Inflationsrate, also die Teuerungsrate, die Marktteilnehmer im Durchschnitt für die nächsten zehn Jahre erwarten, lag zuletzt bei 2,36 %.
Was folgt daraus für Anleger? Edelmetalle bleiben langfristig attraktiv. An den grundsätzlichen Vorzügen hat sich nichts geändert. Vorerst aber steht das Risiko der Mean Reversion im Raum: Weitere Kursverluste oder auch eine längere Konsolidierung sind möglich.
Erwägenswert ist ein Blick auf andere Metalle mit starken Fundamentaldaten und besserem technischen Bild. Kupfer etwa erlebte eine deutlich geringere Korrektur als Silber. Mehrere Aufwärtstrends sind noch intakt. Ähnlich verhält es sich mit dem Uranpreis, der nach einer längeren Korrektur und Konsolidierung zuletzt wieder deutlich angezogen hat und auf die Hochs von Anfang 2024 zusteuert.

