Batteriemetalle: EU droht neue Recyclingziele zu verfehlen

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Die EU will die Nachfrage nach Batteriemetallen auch durch verstärktes Recycling decken. Doch die ambitionierten Pläne könnten aufgrund mangelnder Recyclingkapazitäten und zu wenig einlaufendem Material zum Scheitern verurteilt sein.

EU-Rat und EU-Parlament haben Anfang Dezember weitreichende Ziele für das Recycling von Batterien und die Rückgewinnung von kritischen Rohstoffen angekündigt. Die – noch nicht formal verabschiedeten – Gesetzespakete sollen ab 2024 schrittweise in Kraft treten und auch die aktuelle Batterierichtlinie aus dem Jahr 2006 ablösen.

Lithium-Rückgewinnungsrate soll auf 80 % steigen

Zu den Plänen gehören Vorgaben im Hinblick auf die Recyclingfähigkeit von Batterien. Industrie-, Start-, Licht- und Zündbatterien sowie Batterien für Elektrofahrzeuge sollen demnach bestimmte Mindestmengen an Recyclingmaterialien aufweisen. Für Kobalt beträgt diese Mindestmenge 16 %, für Lithium und Nickel 6 %, für Blei 85 %.

Die EU will so die Lithium-Rückgewinnungsraten aus Altbatterien bis zum Jahr 2027 auf 50 % und bis zum Jahr 2031 auf 80 % steigern. Damit soll die absehbar wachsende Nachfrage nach Batterien – die EU rechnet mit einem Nachfrageanstieg um den Faktor 10 – teilweise gedeckt werden.

Der Gesetzgeber will Herstellern auch Ziele für das Wiedereinsammeln von alten (tragbaren) Batterien setzen. Bis Ende 2027 sollen 63 % der Batterien wieder eingesammelt und dem Recycling zugeführt werden. Bis Ende 2030 soll diese Quote auf 73 % steigen. Im Bereich der Fahrzeugbatterien sind Quoten von 51 % bis Ende 2028 und 61 % bis Ende 2031 vorgesehen.

Recyclingziele zu ambitioniert?

Experten bezweifeln, dass die Ziele der EU realistisch sind. Farid Ahmed, Vizepräsident für globale Strategie und Geschäftsentwicklung bei ACE Green Recycling, äußerte die Einschätzung, die EU müsste ihre Ambitionen möglicherweise "neu kalibrieren". Die Ziele seien zwar vernünftig, aber nicht realistisch.

ACE Green Recycling und der Rohstoffhändler Glencore (WKN: A1JAGV, ISIN: JE00B4T3BW64, Ticker: GLCNF) hatten Anfang Dezember einen langfristigen Vertrag für recyceltes  Blei und mehrere weitere Batteriemetalle angekündigt.

Glencore kann im Rahmen des auf 15 Jahre angelegten Vertrags demnach bis zu 100 % der ACE Herstellung aus vier geplanten Recyclinganlagen für Blei-Säure- und Lithium-Ionen-Batterien aufkaufen. Die Anlagen werden in den USA, Indien und Thailand errichtet.

Im Jahr 2022 wurden weltweit Batteriemetalle für 52 GWh aus Recycling gewonnen. Diese Kapazität soll bis zum Jahr 2027 auf 162 GWh ansteigen. Zur Deckung der Nachfrage reicht dies jedoch nicht annähernd aus. Prognosen gehen davon aus, dass der weltweite Bedarf an Batteriemetallen auf eine Kapazität von 2.666 GWh Jahr 2027 anwachsen wird. Mit Recycling können gerade einmal 6 % des Bedarfs gedeckt werden.

Farid Ahmed brachte es gegenüber dem Branchendienst Fastmarkets auf den Punkt: Es komme nicht genug Schrott zurück, um genug zu recyceln – selbst wenn jede verfügbare Batterie mit hoher Verwertungsrate recycelt werde.

Die längere Lebensdauer von Batterien in Elektroautos stellt für den Recyclingmarkt eine weitere Herausforderung dar. Davon geht jedenfalls der Kobaltproduzent Eurasian Resources Group (ERG) aus. Weitere Probleme auf dem Weg zum Recycling seien unterentwickelte Sammelnetzwerke, unzureichende regulatorische Rahmenbedingungen, neue Entwicklungen bei Batteriechemie- und Design, Fragen der Sicherheit und Preisschwankungen.

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Prämie für Recyclingmaterial?

Es ist gut möglich, dass die EU-Gesetzgebung der tatsächlichen Entwicklung des europäischen Recyclingmarktes vorauseilt. Dann könnte es zu einem Unterangebot an Recyclingmaterialien kommen: Hersteller müssten dann mehr Recyclingmaterialien verwenden, als auf dem Markt verfügbar seien. Dies könnte zu einer Prämie für bisheriges Material führen.

Für Batteriehersteller ist die Versorgung mit Rohstoffen ein kritischer Faktor. Bis 2030 wird der Großteil der Nachfrage nach Batterien auf die Elektromobilität entfallen. Batteriehersteller sind dann stark abhängig von den Rohstoffpreisen – die wie etwa im Fall von Lithium zum Teil drastisch in die Höhe schnellen.

Laut einem Bericht der Beratungsfirma McKinsey sind die Preise für Lithium-Ionen Akkus im Jahr 2021 erstmals seit vielen Jahren gestiegen. Eigentlich wird mit einem dauerhaften Preisrückgang gerechnet.