Hohe Steuereinnahmen: Australien profitiert vom Rohstoffboom

Hohe Steuereinnahmen: Australien profitiert vom Rohstoffboom bigstockphoto

Der Rohstoffboom kennt auch Gewinner. Australiens Staatskassen verzeichnen erhebliche Zusatzeinnahmen durch Exporte. Die Steuerprognosen in Down Under schießen nach oben – jedenfalls kurzfristig.

Wie der australische Schatzmeister Jim Chalmers vor einigen Tagen mitteilte, wird das Haushaltsergebnis des Landes deutlich besser ausfallen als zunächst prognostiziert. Die steigenden Rohstoffpreise nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs führten zu 27,7 Milliarden AUD an zusätzlichen Steuereinnahmen. Gleichzeitig sanken die staatlichen Ausgaben im Fiskaljahr 2021/22 um 20,1 Milliarden AUD.

Rohstoffpreise senken Australiens Defizit

Das australische Staatsdefizit hat im laufenden Jahr bis Ende Juni 32 Milliarden AUD (21 Milliarden USD bzw. 1,4 % des BIP) erreicht. Die Summe aus zusätzlichen Steuereinnahmen und niedriger als erwartet ausgefallenen Ausgaben reduzierte das Defizit somit um 47,8 Milliarden Audi bzw. 2,1 % des BIP.

An baldige Überschüsse glaubt Chalmers allerdings nicht. Gegenüber Journalisten verwies der Finanzminister hier auf die absehbare konjunkturelle Abkühlung der Weltwirtschaft. Diese erhöhe den Ausgabendruck.

Chalmers ist neu im Amt und gibt ein ungewohntes Bild ab. Normalerweise zeichnen Finanzminister das Bild der öffentlichen Kassen zu Beginn ihrer Amtszeit schlechter, als es ist – und verschaffen sich so für ihre weitere Amtszeit Spielräume. Dabei werden Missstände typischerweise dem Vorgänger angelastet.

Chalmer, der am 25. Oktober seinen ersten eigenen Haushalt vorlegen muss, sieht sich in der gegenteiligen Position. Zu Beginn seiner Amtszeit sind die Haushalte durch die hohen Rohstoffpreise besser aufgestellt als erwartet, was Verteilungswünsche der Regierung verstärken dürfte. Mittelfristig könnten die Einnahmen jedoch wieder fallen, da auch viele Rohstoffpreise über den Sommer deutlich gesunken sind.

Längerfristige Haushaltssanierung geplant

Dies könnte das Ziel einer längerfristigen Haushaltssanierung infrage stellen. Doch genau dies ist geplant. Chalmers hatte angekündigt, im Oktober mit einem entsprechenden Plan zu beginnen. Auch in Australien ist die Inflation deutlich erhöht. Die Zentralbank hat deshalb die Leitzinsen allein seit Mai um 2,25 Prozentpunkte angehoben.

Abgesehen davon steht die Wirtschaft jedoch gut dar. Die Arbeitslosigkeit liegt nahe an einem 50-Jahres-Tief. Dadurch steigen die Steuereinnahmen, während Ausgaben für Sozialleistungen sinken.

Beobachter wie etwa Gareth Aird von der Commonwealth Bank of Australia sehen den Finanzminister dabei auf einen vielversprechenden Weg. Aird zufolge wird die Fiskalpolitik auch für die Geldpolitik wichtig sein. Die australische Regierung handle "völlig entgegengesetzt" zu zudem, was in Großbritannien geschehe. Die britische Regierung hatte unlängst eine deutliche Ausweitung der Neuverschuldung angekündigt und damit einen kurzzeitigen Crash des GBP am Devisenmarkt ausgelöst.

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AUD und Eisenerz entkoppeln sich

Die Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichte vor einigen Tagen eine Grafik, der zufolge sich die Entwicklung des Australischen Dollar deutlich von der Preisentwicklung bei Eisenerz abgekoppelt hat. Über lange Zeiträume bestand die eine hohe Korrelation. Ab 2021 aber entwickelten sich die beiden Kurse deutlich unterschiedlich. Während der Australische Dollar gegenüber dem US-Dollar abwertete, stieg der Preis für Eisenerz nach einem Absturz deutlich an.

Eisenerz ist eines der wichtigsten Exportgüter Australiens. 2020 stand es für rund ein Drittel aller Exporte – gefolgt von Steinkohle mit rund 13 % Anteil. Sowohl bei Eisenerz als bei Steinkohle ist Australien ein dominierender Weltexporteur.

Es gibt jedoch zahlreiche weitere Rohstoffe, die derzeit zunehmend erschlossen werden. Der Grund: Viele Länder wollen ihre Lieferketten absichern und weniger abhängig von China sein. Deshalb sind neben Rohstoffgiganten wie BHP (WKN: 850524, ISIN: AU000000BHP4, Ticker: BHPLF) und Rio Tinto (WKN: 852147, ISIN: GB0007188757, Ticker: RTPPF) auch viele Explorationsunternehmen aktiv.

Deren Aussichten sind gut. Laut einer Analyse der Deutschen Rohstoffagentur verfügte Australien 2015 nicht nur über die größten Reserven an Eisenerz, sondern auch an Blei, Zink, Nickel, Tantal und Gold sowie an Rutil und Zirkon. Außerdem lagern in Down Under die zweit- und drittgrößten Reserven an Bauxit, Kupfer, Kobalt, Ilmenit, Tantal, Silber und Seltenen Erden.