Stehen Metalle aus Russland an der London Metal Exchange (LME) vor der Suspendierung? Auch wenn die Börse diesen Schritt noch nicht bestätigen möchte, wächst der Druck. Nicht zuletzt Ausschüsse der Börse haben dazu aufgerufen, Metalle von Norilsk Nickel, Rusal und Co. aus dem Londoner Handel zu verbannen.

Westliche Länder haben im Zuge des Einmarschs in die Ukraine verschiedene Sanktionen gegen Russland ausgesprochen. So wurden etwa Vermögenswerte von Oligarchen konfisziert, bestimmte Ausfuhren nach Russland verboten und die Zentralbankguthaben der Russischen Föderation im Ausland blockiert. Russische Metalle erreichen die Weltmärkte jedoch weiterhin ohne Einschränkungen.

Russland ist wichtiger Lieferant von Nickel, Aluminium und Kupfer

Russland ist ein wichtiger Akteur auf den Märkten für Industriemetalle – die derzeit bekanntlich ausgesprochen angespannt sind. Aus der russischen Föderation stammen etwa 10 % des weltweiten Nickelangebots. Auch beim Aluminium (6 %) und Kupfer 3,5 %) ist der russische Anteil am Weltmarkt nicht unerheblich.

Bislang will die LME eigenen Angaben zufolge keine Maßnahmen über die Sanktionen hinaus ergreifen. Solche Schritte könnte die Börse etwa durch die Suspendierung von in Russland geförderten Metallen und deren Ausschluss aus dem Handel über die eigenen Plattformen ergreifen. Auch andere Unternehmen haben bekanntlich ihre Aktivitäten in Russland eingestellt, ohne damit direkt auf Sanktionen zu reagieren.

Die LME teilt einer Stellungnahme mit, sich im Dialog mit den Regierungen zu befinden und die Entwicklung der Situation zu beobachten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf drei verschiedene Quellen, dass der LME Kupferausschuss für eine Suspendierung von russischem Kupfer gestimmt habe.

Die LME führt eine Liste mit zugelassenen Marken. Auf dieser Liste finden sich unter anderem Nornickel (GMKN.MM), Rusal (RUAL.MM) und die Ural Mining and Metallurgical Company.

Rusal Ausschluss 2018 trieb Aluminiumpreis um +30 %

Gänzlich neu wäre ein Ausschluss russischer Produzenten aus dem LME Börsenhandel nicht. Im Jahr 2018 wurde – als Folge von US Sanktionen gegen das Unternehmen – ein Verbot von Aluminium des Herstellers Rusal ausgesprochen. Damals kam es innerhalb weniger Tage zu einem Anstieg des Aluminiumpreises um 30 %.

Die Suspendierung russischer Metalle könnte die ohnehin von Knappheit geprägten Märkte deshalb weiter unter Druck setzen. Dies ist jedoch nicht der einzige Grund, aus dem die LME offenbar noch zögert. Auch rechtliche Bedenken stehen im Raum. Das Verbot könnte ohne begleitenden Sanktionen der Regierungen Klagen nach sich ziehen.

Druck kommt jedoch offenbar nicht nur aus den Ausschüssen. Auch metallverarbeitende Unternehmen neigen offenbar dazu, Rohstoffe aus Russland zu boykottieren. Reuters jedenfalls berichtet unter Berufung auf einen Hersteller von Kupferprodukten, dass Kunden in dieser Hinsicht kritischer geworden seien.

Auswirkungen neuer UK Sanktionen noch nicht absehbar

Die LME hat auf ihrer Homepage ein Statement zu den Sanktionen veröffentlicht, in dem sie ihr Verständnis bezüglich der Auswirkungen auf ihr Geschäft darlegt. Das Statement wird regelmäßig aktualisiert.

Die letzte Aktualisierung bezieht sich auf die am 15. März beschlossenen, neuen Sanktionen der britischen Regierung gegen russische Importe. Diese sehen insbesondere Zollerhöhungen vor. Die Börse geht davon aus, dass Details derzeit auf Regierungsebene ausgearbeitet werden. Die LME werde dann feststellen, ob und welche Auswirkungen die neuen Sanktionen auf die LME, deren Mitglieder und die angebundenen Lagerhäuser hätten.

Die LME steht nicht zuletzt aufgrund der teils chaotisch ablaufenden Nickelhandels der vergangenen Wochen unter Druck. Der Nickelpreis stieg zwischenzeitlich auf mehr als 100.000 USD pro Tonne, nachdem ein chinesischer Stahlbaron seine Shortpositionen infolge der Invasion aufgelöst hatte.

Anschließend musste der Handel nicht zuletzt aus Sorge um die Liquiditätssituation von Marktteilnehmern für mehrere Tage ausgesetzt werden. Es wurden abgeschlossene Trades im Volumen von rund 4 Milliarden USD storniert und der Preis zurückgesetzt.

Aufstrebende Rohstoffunternehmen als Gewinner der Metallkrise?

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass westliche Länder mittel- bis langfristig versuchen werden, unabhängig von russischen Metallimporten zu werden. Bei Energieimporten werden entsprechende Maßnahmen gegenwärtig bereits in die Wege geleitet. Dies bietet Rohstoffunternehmen außerhalb des russischen Einflusses Chancen.

Ein Beispiel dafür ist das kanadische Entwicklungsunternehmen Southern Silver Exploration Corp. (TSX-V: SSV, WKN: A12BX1, ISIN: CA8438142033) könnte zu den Gewinnern einer anhaltenden Verknappung auf den Metallmärkten führen. Das Unternehmen besitzt ein fortgeschrittenes Silberprojekt in der mexikanischen Provinz Durango, zu dem hohe Vorkommen verschiedener weiterer Metalle wie Zink, Blei und Kupfer gehören.