Als vor einigen Jahren die Lithium-Ionen-Batterie auf den Markt kam und man von Teslas Vorhaben über die Errichtung einer gigantischen Fabrik für Energiespeicher und sogar eigene PKWs hörte, entwickelte sich ein regelrechter Hype um den Rohstoff Lithium. Dachte man anfangs noch, dass dies, ähnlich wie Eisen oder Uran vor rd. einem Jahrzehnt, nur von kurzer Dauer sein werde, so weist die Entwicklung mittlerweile auf eine generelle weltweite Neuausrichtung hin.

Energie für Mobilität, Speichermedien für Haushalt und Industrie, Umweltverschmutzung sind nun keine vergänglichen Schlagworte mehr, sondern haben auch in den Köpfen der Politiker Platz gefunden. Motoren mit Verbrennung fossiler Brennstoffe sollen, wie das Beispiel der EU zeigt, ab 2030 nicht mehr erzeugt werden. Die Autoindustrien weltweit sind emsig bemüht Modelle zu schaffen, die dem gestarteten Trend gerecht werden, und Forschung und Entwicklung sind dabei die Speichermedien auf ein Preis-Leistungsverhältnis zu bringen, die denen der Verbrennungsmotoren gleichkommen. Dieser Trend ist somit kein kurzzeitiger Flash, sondern hat den Anspruch als dauerhaft zu gelten.

Doch wieso soll gerade Australien eine wesentliche Rolle bei der Rohstoffproduktion spielen, wenn doch die südamerikanische Gewinnung aus den Salzseen dominant und zudem auch noch wesentlich günstiger für die Herstellung von markttauglichem Lithiumkarbonat ist? Es ist richtig, dass das einfacher zu gewinnende Lithium aus den Salzseen günstiger in der Produktion eines Konzentrats kommt, als die Produktion aus Hartgestein. Und bei den Lithiumpreisen der Vergangenheit waren die Vorkommen in Australien auch nicht wirtschaftlich abzubauen. Daher dominieren auch die südamerikanischen Produzenten noch den Markt. Aber die Bedingungen haben sich zweifach geändert. Auf der einen Seite ist durch die rasante Entwicklung der Bedarf an Lithium enorm gestiegen und durch den nicht ausreichenden Nachschub auch die Preise. Auf der anderen Seite finden derzeit innovative Prozesse zur Gewinnung von hochwertigen Endprodukten Platz, die bei den Produktionskosten bereits vergleichbar mit denen aus den Salzseen sind. Und schlussendlich sind die das Lithium beherbergende Pegmatite australienweit vorhanden. All das rückt diesen Kontinent automatisch mehr und mehr in den Fokus.

Auch wenn die Produzenten von Lithiumkonzentrat aus den Salzseen die Nase vorn zu haben scheinen, so sind sie nicht gänzlich unproblematisch. Joe Lowry, ein US-amerikanischer Lithiumexperte, berichtet, dass zum Beispiel im Jahr 2011 von den geplanten 80.000 Tonnen nur rd. 18.000 auf den Markt kamen, da die Produzenten mit technischen Problemen zu kämpfen hatten. Darüber hinaus sind die politischen Unsicherheiten im Lithium-Dreieck Bolivien, Chile und Argentinien auch nicht zu übersehen. Ein Vorteil, den Australien mit seiner gesicherten Rechtslage für sich buchen kann. Das durch den Entfall vom südamerikanischen Nachschub entstandene Loch kann nur über die Produktionen aus Hartgestein geschlossen werden.

Ein Blick auf den australischen Bergbau zeigt uns, dass bereits seit rd. 30 Jahren Lithium aus Hartgestein abgebaut wird. Die „Greenbush“-Region 250km südlich der Stadt Perth beherbergt den Joint Venture Bergbau von Talison Lithium mit Albemarle und Chinas Tianqi Lithium. Zusammen mit den südamerikanischen Giganten zeichnet Talison Lithium für rd. 90% des Lithiumnachschubs am Markt verantwortlich. Die Greenbush-Region in Westaustralien ist die reichste an lithiumhaltigem Hartgestein (Spodumene). Galaxy Resources war der nächste Produzent mit seiner Mt. Cattlin Liegenschaft, der jedoch strauchelte, und erst jetzt wieder seine Produktion hochfährt. Galaxy war einer der ersten aus der modernen „Lithiumära“, der jetzt parallel zu Australien sein Projektportfolio durch ein zusätzliches Salzsee-Projekt in Argentinien ergänzt hat. Aber nicht nur Galaxy, auch weitere australische Unternehmen haben Projekte in Südamerika, wie z.B. Orocobre, Latin Resources und Everlight Resources.

Doch es sind die Hartgesteindepots, die derzeit in Australien junge Entwicklungsgesellschaften anziehen. Über 40 Gesellschaften sind derzeit gelistet und alle haben sich Lithium verschrieben. Doch hier ist Vorsicht geboten. Viele der jungen Entwickler haben sich nur deshalb Lithium verschrieben, um über den Hype Lithium höhere Aktienpreise zu erzielen. Bei vielen ist zu wenig Substanz für einen nachhaltigen Marktauftritt vorhanden, und viele werden, nachdem sie eine gewisse Zeit mit dem Strom mitgeschwommen sind, wieder in der Versenkung verschwinden. Überleben können nur diejenigen Unternehmen, die sich frühzeitig darum bemüht haben Abnehmer für ihre Produkte zu finden. Und da haben einige wenige eindeutig die Nase vorne, die mit ihren bereits weit entwickelten Liegenschaften ihre Abnehmerpartner gefunden haben.

Das westaustralische Lithiumunternehmen Neometals zum Beispiel, der mit seinem JV-Partner Mineral Resources im vergangenen Jahr Chinas höchst profitablen Lithium Produzenten Ganfeng Lithium ins Boot geholt haben. Nicht nur als Abnehmer all der vom Mt. Catlin erzeugten Produkte, sondern auch als 41,3% Partner am Projekt selbst.

Die nächste Generation ist unzweifelhaft Pilbara Minerals, welche Galaxy Resources und Neometals als Produzenten am Markt folgen wird. Die weltweit zweitgrößte Spodumeneliegenschaft, der Entwicklungsstand der von Ken Brinsden als Vorstand geführten Gesellschaft und die Riege der Abnehmerinteressenten rechtfertigen die Stellung des Unternehmens. Das Vertrauen haben die Investoren heuer gezeigt, als sie AUD 100 Mio. bei einer Zeichnung in das Unternehmen investiert hatten. Lithium Australia, das zwar ebenfalls als Projektentwickler am Markt ist, aber vorrangig durch seine Prozesstechnologie zur Herstellung hochreiner Endprodukte glänzt, wird noch nicht so stark vom Markt wahrgenommen. Aber es ist in diesem Umfeld nur eine Frage der Zeit bist die Investoren dieses Geschäftsmodell als zukunftsträchtig erkennen werden.

Haben vor rund 10 Jahren die Produzenten von Lithium aus Salzseen die Produktion aus Hartgestein noch als Randerscheinung abgetan, so zeigt sich über den Großabnehmer China eine eindeutige Verschiebung in Richtung der australischen Produzenten. Ihre Produktionsstätten verarbeiten Spodumene lieber und sind auch großteils auf dieses Material ausgerichtet. Auch weil Spodumene wesentlich gesicherter produziert werden kann als die problembehafteten Salzseekonzentrate. Somit bevorzugen so gut wie alle namhaften chinesischen Produzenten das Material aus Australien. Aus Kanada hört man hingegen sehr wenig. Einzig Canadian Lithium könnte im Zeitrahmen der australischen Unternehmen zur Produktion heran reifen. Kanada ist somit kein wirklicher Konkurrent für Australien.

Chris Reed, Vorstand von Neometals, sieht die kommende Versorgungslücke am Lithiummarkt und ist überzeugt dass nur Hartgesteinproduzenten in der Lage sein werden, diese Lücke aufzufüllen. Er sieht den Markt auch für die kommenden zumindest 10 Jahre weiter wachsen und somit eine strenge fundamentale Basis für Lithium auch über die nächste Dekade hinaus.

Nach all den bitteren Jahren am Rohstoffmarkt haben nun auch Investoren endlich wieder einen Rohstoff in den sich zu investieren lohnt. Ein expandierender Markt, eine gute wirtschaftliche Basis bei Unternehmen mit fortgeschrittener Entwicklung, eine Zukunft für den Rohstoff, all das ist es wonach man schon lange gesucht hat. Verfügbares Investorenkapital und beste geologische Voraussetzungen sind die Basis für Australien sich zu einem der führenden Produzenten zu entwickeln. Der Weg für Australien zum führenden Lithiumkontinent aufzusteigen scheint geebnet zu sein.