Australien und Japan vertiefen ihre Partnerschaft bei kritischen Rohstoffen
Australien und Japan bauen ihre Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen spürbar aus. Nach Angaben der australischen Regierung und wie die britische Nachrichtenagentur Reuters berichtet, stellen beide Länder gemeinsam Finanzhilfen in Höhe von 1,67 Mrd. AUD in Aussicht. Davon entfallen bis zu 1,3 Mrd. AUD auf Australien, während Japan bislang rund 370 Mio. AUD über Investitionen und Zuschüsse bereitstellt. Weitere Mittel sollen je nach Projektfortschritt folgen.
Die Zusage zielt auf anfällige Lieferketten
Im Kern geht es um jene Rohstoffe, die für Halbleiter, Elektromobilität, Rüstung, Luftfahrt und Energietechnik gebraucht werden. Beide Staaten wollen nach Angaben der australischen Regierung vor allem dort ansetzen, wo Lieferketten heute als besonders anfällig gelten, also beim Abbau, bei der Aufbereitung und in der Weiterverarbeitung. Reuters beschreibt die Vereinbarung als Teil einer umfassenderen strategischen Annäherung während des Staatsbesuchs des japanischen Premiers in Australien.
Das ist wirtschaftlich wie geopolitisch bedeutsam. Kritische Rohstoffe sind längst mehr als ein reines Bergbauthema. Wer Zugang zu Gallium, Seltenen Erden oder Nickel sichert, stabilisiert auch industrielle Wertschöpfungsketten. Genau deshalb setzt Canberra seit Monaten stärker auf internationale Rohstoffpartnerschaften und einen staatlich flankierten Ausbau des Sektors.
Mehrere Vorhaben werden nun vorrangig gefördert
Als bereits erprobtes Modell gilt die langjährige Unterstützung für den australischen Bergbaukonzern Lynas AU000000LYC6 871899, an dem das japanische Handelsunternehmen Sojitz und die staatliche japanische Behörde Japan Organization for Metals and Energy Security (JOGMEC) beteiligt sind. Das Unternehmen ist der größte Produzent Seltener Erden außerhalb Chinas, wie Reuters hervorhebt.
Zu den Projekten, die nach dem Reuters-Bericht für staatliche Unterstützung infrage kommen, zählt der US-Aluminiumkonzern Alcoa US0138721065 A2ASZ7. Zusammen mit Sojitz und der japanischen Regierung will der Konzern an einer Raffinerie in Westaustralien die Rückgewinnung von Gallium vorantreiben. Das Metall wird unter anderem in Halbleitern, Leuchtdioden und Solarzellen eingesetzt. Ebenfalls genannt wird das australische Explorationsunternehmen Tivan AU0000265217 A3D6AX mit dem Speewah-Fluoritprojekt in Westaustralien. Dort soll Flussspat in Säurequalität für die Herstellung von Flusssäure gewonnen werden – ein wichtiger Vorstoff für Chips und Elektrofahrzeuge.
Hinzu kommen das private australische Cleantech-Unternehmen Magnium Australia mit einem geplanten Werk für hochreines Magnesium, das vor allem in der Automobil- und Luftfahrtindustrie gebraucht wird, sowie das Copi-Projekt in New South Wales. Dieses Schwermineralsand-Projekt soll kritische Rohstoffe und seltene Erden liefern. Beteiligt sind dort laut Reuters das private australische Bergbauunternehmen RZ Resources sowie der japanische Werkstoffkonzern JX Advanced Metals JP3379550001 724563 und das japanische Handelshaus Marubeni.
Nickel und Kobalt bleiben für Japan besonders wichtig
Ein weiteres Schlüsselvorhaben ist das Kalgoorlie-Nickelprojekt Goongarrie von dem australischen Explorationsunternehmen Ardea Resources AU000000ARL4 A2DHES. Das Vorkommen zählt zu den großen Nickel-Kobalt-Vorkommen Australiens und wird in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem japanischen Bergbaukonzern Sumitomo Metal Mining JP3402600005 859470 und Mitsubishi entwickelt. Reuters unterstreicht damit die Bedeutung des Projekts für die Versorgung Japans mit industriell wichtigen Batteriemetallen.
Die Bedeutung der Vereinbarung zeigt sich somit nicht nur im Volumen der zugesagten Mittel. Wichtiger ist, dass Canberra und Tokio ihre Zusammenarbeit nun stärker über die gesamten Wertschöpfungsketten hinweg koordinieren wollen. Aus einzelnen Bergbauprojekten soll ein robusteres industrielles Netzwerk werden. Ob die Produktion tatsächlich zügig anläuft, hängt nun davon ab, wie schnell die angekündigten Projekte genehmigt, finanziert und technisch umgesetzt werden.

