Europas Staaten füllen ihre Gasspeicher nur langsam auf

Europas Staaten füllen ihre Gasspeicher nur langsam auf Getty Images / Unsplash

Europas Staaten kommen beim Wiederauffüllen ihrer Gasspeicher für den kommenden Winter deutlich langsamer voran als üblich. Der Krieg mit Iran, ein knappes Angebot und die politischen Füllvorgaben der EU halten die Sommerpreise so hoch, dass sich das Einlagern von Gas für viele Händler derzeit kaum rechnet.

Hohe Preise bremsen Befüllung

Normalerweise kaufen Händler nach dem Ende der kalten Monate Gas, lagern es ein und setzen auf höhere Preise im Winter. Genau dieses Muster ist durch die hohen Gaspreise derzeit gestört. Die Sommerpreise liegen fast auf Winter-Niveau. Für den Juli-2026-Kontrakt wurden zuletzt 39,51 EUR je Megawattstunde genannt, nach rund 33 EUR ein Jahr zuvor. Der Dezember-2026-Kontrakt lag mit 39,66 EUR kaum höher.

Das nimmt dem Markt den wichtigsten Anreiz. Die Speicher werden derzeit langsamer gefüllt, als es unter normalen Bedingungen möglich wäre. Fehlt dieser ökonomische Anreiz weiter, drohet Gas erst im Winter am Spotmarkt gekauft zu werden, und dann womöglich zu noch höheren Preisen. Ganz festgefahren ist die Lage allerdings nicht. Experten erwarten, dass sich der Markt im Lauf des Sommers anpasst, entweder über sinkende aktuelle Preise oder steigende Terminpreise.

Europas Speicher driften auseinander

Für Europa ist die aktuelle Situation heikel, weil Gasspeicher in den Wintermonaten fast ein Drittel der Versorgung absichern. Nach dem vergangenen Winter sind die Lager aber stärker geleert als in den Vorjahren. EU-weit waren die Speicher zuletzt nur zu 30 % gefüllt. Besonders niedrig lagen die Werte in den Niederlanden mit 7,4 % und in Deutschland mit 23,5 %. Länder wie Italien und Österreich liegen deutlich höher, während Deutschland. In Frankreich sind Händler teils vertraglich verpflichtet, gebuchte Speicherkapazitäten wieder aufzufüllen. Zudem können in einigen Staaten öffentliche Stellen im Notfall einspringen.

Gerade in Mittel- und Osteuropa rücken damit auch Projekte in den Blick, die zusätzliche heimische Fördermengen erschließen sollen. In Ungarn zählt CanCambria Energy CA13740E1079 A3EKUB dazu mit seinem Kiskunhalas-Projekt, das das Unternehmen in einem weiter importabhängigen Markt als regionale Tight-Gas-Option entwickelt.

Auch große Marktteilnehmer schlagen Alarm. Uniper etwa erklärte, die Zeit werde knapp. Unter den aktuellen Bedingungen reiche der bestehende Marktmechanismus nicht aus, um eine verlässliche und rechtzeitige Befüllung sicherzustellen. Das ist vor allem deshalb brisant, weil die Speicherziele politisch gesetzt sind, der Markt aber gerade das Gegenteil belohnt.

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Brüssel hält sich Hintertür offen

Die Europäische Kommission will ihre Linie am Mittwoch voraussichtlich bestätigen und den Mitgliedstaaten weiter ermöglichen, Speicherstände von 80 % anzustreben. Zugleich soll die Option offengehalten werden, nur bis 75 % zu füllen. Im Vorjahr hatte das unverbindliche Ziel noch bei 90 % gelegen, acht Staaten erreichten diesen Wert bis Anfang November.

Zudem will die Kommission gemeinsame Gaseinkäufe der Mitgliedstaaten stärker koordinieren, um Preissprünge zu begrenzen. Dahinter steht ein bekanntes Dilemma: Hohe Speicherstände erhöhen die Versorgungssicherheit, können aber die Sommerpreise zusätzlich treiben, weil der Markt den staatlich gestützten Kaufdruck früh einpreist.

Genau darin liegt nun die politische Abwägung. Einige EU-Vertreter akzeptieren höhere Preise ausdrücklich als Preis für mehr Sicherheit. Länder wie Italien, Spanien und Frankreich halten deshalb an Zielen über 80 % fest. Behörden müssen bei anhaltendem Preisdruck nachjustieren, etwa über niedrigere Zielmarken oder Sanktionen. Eine Versorgungskrise in Europa wird dennoch nicht erwartet. Das Risiko verlagert sich eher global: Wer weniger zahlungskräftig ist, könnte auf dem Weltmarkt verdrängt werden.