Alle Unternehmen und Investoren warten nun mittlerweile seit Jahren auf eine nachhaltige Erholung des Marktes. Eine so lange Abwärtsphase der Rohstoffe hat es historisch gesehen noch nie gegeben. Viele Analysten haben bereits seit über einem Jahr das Ende der Talfahrt prophezeit und dennoch stehen wir aktuell nach wie vor auf dem zittrigen Balken zwischen Bangen und Hoffen.

Immer wieder wird die angebliche Wirtschaftsflaute Chinas als Argument eingebracht. Stimmt auch zum Teil, denn China ist immerhin mit mehr als 40% Anteil am Weltmarkt der Rohstoffe ein zu wichtiger Gigant, als dass dies bei landesinternen Verwerfungen keine Auswirkungen auf den Weltmarkt haben könnte.

Ich habe kürzlich bei Moody`s Investor Service in einem Report gelesen dass man in diesem Analystenhaus eine Erholung frühestens in 12 bis 18 Monaten erwarte. Aber auch, dass bis dahin noch weiteres Nachlassen der Rohstoffpreise möglich wäre. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der weltbekannte Rohstoffspezialist Rick Rules in einem seiner letzten Interviews, der ebenfalls zugibt, dass er in seinen früheren Aussagen über das Ende der Talfahrt zu optimistisch gewesen war. Seiner neuesten Einschätzung nach ist das Tal der Tränen auch noch nicht durchschritten. In die gleiche Kerbe schlagen auch Analysten von Palisade Capital, Mickey Fulp und viele andere.

In Summe dürften alle Recht behalten, denn wenn man die für eine Trendwende ausschlaggebenden Gründe betrachtet, so zeigen sich zurzeit tatsächlich noch keine tiefgreifenden Erholungsmomente. Da helfen auch die zahllosen Versuche der Chartanalysten nichts um Licht ins Dunkel zu bringen, denn in letzter Vergangenheit wurden Chartanalysen vom Markt permanent ausgehebelt. Dass so gut wie alle Rohstoffe, aber auch die Minenwerte, längst im überverkauften Bereich liegen ist nichts Neues. Aber daraus eine kommende Trendwende abzuleiten und sie auch zeitlich vorauszusagen, hat sich bislang stets als Irrtum herausgestellt.

Dass sich viele Rohstoffunternehmen durch Kosteneinsparungen – als Rettungsanker gegen den Untergang – marktfit für Kommendes gemacht haben ist löblich, doch nur die Basis für entweder noch schwierigere Zeiten oder kommende bessere Bedingungen. Wenn bei Unternehmen eine „Schuld“ für schwache Rohstoffpreise gefunden werden kann, dann nur in einer Aussage, die mir persönlich vor vielen Jahren von einem alten Italiener bezüglich der Katzenplage in Italien gegenüber gemacht wurde, die aber zum Teil auch für die Rohstofffirmen gilt: „Gäbe es weniger Katzen, so würde es jeder einzelnen besser gehen“. In Zeiten des permanenten Absatzaufschwunges blühten auch unzählige Produzenten auf, die es in einer Rezessionszeit natürlich schwer haben ihre Produkte gewinnbringend abzusetzen. Überangebote reduzieren eben auf ganz natürliche Weise auch die Marktpreise. Und wenn volle Lagerbestände auf nachlassenden Bedarf treffen, dann muss es zwangsläufig zu einer Marktbereinigung bei den Produzenten kommen. Weniger Angebote und weniger Bedarf passen da einfach besser zusammen.

Die Stilllegungen von Betrieben, das Einfrieren von Erweiterungsprojekten, das durch Kapitalmangel verursachte Scheitern von Erforschung neuer Lagerstätten, all das sind Bereinigungsprozesse. Prozesse, die bereits seit 2013 begonnen haben und mit Sicherheit noch nicht so bald beendet sein werden. So traurig es für viele der betreffenden Rohstoffunternehmen auch sein mag, für den Markt ist diese Anpassung sehr wohl nötig.

Doch was muss passieren, dass die Rohstoffwelt wieder aufatmen kann?

Vorweg muss es China mit seinem vergangene Woche vorgestellten 5-Jahres-Plan gelingen positive Signale zu generieren. Die im Plan vorgestellte Wende vom reinen Investitionsmarkt zu einem stärkeren Konsummarkt sehen viele als ein gutes Zeichen. Auch die angepeilten 6,5% bis 7,5% Wirtschaftswachstum bis ins Jahr 2020 sollten für Beruhigung am Markt sorgen können, denn China wird auch in Zukunft, egal ob 7% oder 10% Wirtschaftswachstum, die Messlatte für die Rohstoffe bleiben.

wie oben bereits beschrieben ist ein ausgewogeneres und dem veränderten Markt angepasstes Angebotsverhältnis wichtig. Viele werden noch kapitulieren, aber die Überlebenden dann verbesserte Marktbedingungen vorfinden.

Der Bergbau allgemein und die Rohstoffwerte im Besonderen werden erst dann Chancen bekommen am Markt wieder interessant zu werden, wenn die durch Geldschwemme künstlich hoch gehaltene Stärke des US-Dollars einknickt und die Börsen ihre längst überfällige Korrektur erleben. Erst dann wird eine Allocation in die Rohstoffe und ganz besonders in die Edelmetalle zu erwarten sein.

Das Vertrauen in den Markt der Rohstoffe muss zurückkehren, sowohl bei den institutionellen als auch bei den privaten Investoren. Solange seitens der „Geldhüter“ Minenaktien, und insbesondere Gold als Wert, verdammt werden, solange wird auch kein den Sektor verstärkendes Kapital zufließen. Zu sehr liegen derzeit noch die Währung US-Dollar und die Staatsanleihen ganz oben in der Beliebtheitsskala. Dieser Sentimentwechsel kann aber nur zeitgleich mit einer Dollarschwächung mit Vertrauensverlust in die Währung und Einbrechen der überhitzten Börsen gelingen. Erst wenn die breite Masse erkennt, dass das Papiergeld nicht das Optimum darstellt und die Politik versagt hat, dann wird sie wieder zurückkehren in Werte, die man angreifen kann, die die Welt für ihren weiteren Aufbau benötigt. Und das sind nun mal Rohstoffe und zur Wertesicherung Gold und Silber.

Die seit den 70er Jahren bestehende Manipulation des Goldmarktes, die erst durch die hundertfache Kraft des Papiergoldes gegenüber dem physischen Gold möglich wurde, scheint weder durch Gesetze noch durch Börsenregulierungen zu beenden sein, sodass auch bei einer generellen Trendwende die Gefahr besteht, dass Gold, aber auch Silber, nicht ihre wahren Werte zeigen dürfen. Allerdings wird bei einem Sentimentwechsel durch verstärkten Zustrom an Kapital in die unbeliebt gemachten Edelmetalle der Druck so stark erhöht, dass auch die Edelmetalle einen neuen Aufschwung erleben können.

Nicht nur der Star-Geologe und Rohstoffkenner Mickey Fulp hat in seinem kürzlich veröffentlichtem Artikel darauf verwiesen, dass dies im Moment ein Umschwung noch nicht erkennbar ist, man also noch zuwarten müsse. Auch wenn der Überschuldungsfaktor und aufgeblähte Börsen einer Bombe gleichen, so kann man auch sicher sein, dass die durch politischen Willen am Leben gehaltenen und dem Tod geweihten Systeme noch länger leben können, bevor tatsächlich der Tod eintritt, der die Landschaft verändert.

Eine für den heutigen Markt nicht unbedeutende Zusatzbemerkung möchte ich an dieser Stelle noch anbringen. Der Rohstoffmarkt ist US-Dollar gesteuert, sehr zum Leidwesen aller Rohstoffbetriebe die ihre Produkte auf Basis US-Dollar verkaufen müssen. Ich habe bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass dies zum Beispiel allen australischen Betrieben sehr zugute kommt, da durch die schwächelnde Wirtschaft der australische Dollar gegenüber dem US-Dollar stark ins Minus gelaufen ist. Das bedeutet, dass auf Basis der australischen Währung alle Rohstoffunternehmen mit satten Gewinnen produzieren. Und das betrifft nicht nur Australien sondern auch südamerikanische Länder, deren Währungen gegenüber dem US-Dollar ebenfalls schwächeln.

Doch auch diese, derzeit wohl einzige, reelle Chance mit Rohstoffunternehmen gute Gewinne zu erzielen kann sich im Falle einer kommenden US-Dollar-Schwäche ins Gegenteil kehren. Die Gewinne aus den Kursdifferenzen würden in diesem Falle wieder zu schmelzen beginnen. Die bis dahin jedoch gefüllten Kassen der Unternehmen werden weiter bestehen bleiben – und Cash ist allemal King. Solange also ein begründbares aber noch nicht erkennbares Einbrechen der US-Währung erkennbar ist, solange bleiben Investments in diese Regionen währungsbedingt ideal.

Ich persönlich habe es bereits vor längerer Zeit aufgegeben mich nach Statistiken, historischen Vergleichen und Chartanalysen zu orientieren und habe mich damit abgefunden mit Geduld zu wappnen bis das „big picture“ eine neue Aufwärtschance zeichnet. Das gilt für mich für den gesamten Minensektor wie für die durch diesen produzierten Rohstoffen. Diese Empfehlung kann ich guten Gewissens allen an Rohstoffen interessierten weitergeben.

Eines sollte man allerdings noch zusätzlich bedenken: Starke Korrekturen führten zumeist zu nachfolgend rasch steigenden Aufwärtstrends. Eine seit mittlerweile 5 Jahren andauernde Abwärtsspirale wird sich kaum über Nacht explosiv verändern, sondern eher in einer kontinuierlichen aber gemäßigten Aufwärtsbewegung auflösen. Bis also alte Höchststände, sofern sie überhaupt wieder erreicht werden können, wieder auf den Kurszetteln stehen, sollte man sich daher auch auf zusätzliche Geduldjahre einstellen. Auch bei heute angedachten antizyklischen Investments sollte man daher den längerfristigen Anlagehorizont beherzigen.

Schnelle Gewinne aus Kursgewinnen durch hervorragende Nachrichten werden immer möglich bleiben, für langfristig orientierte Investoren gilt es verstärkt die politischen Landschaften wie finanzpolitische Maßnahmen zu beobachten und sich auf längere Geduldsjahre einzustellen. Denn eines ist glasklar: So wie es auf Börsen nie stetig bergauf gehen kann, so werden auch die tiefsten Täler einmal durchschritten sein.