Rohstoffe werden Mainstream – bei Brokern, Bloomberg und Prediction Markets
Jüngste Daten der Bank of America, die Ausweitung der Index-Infrastruktur durch Bloomberg sowie die wachsende Präsenz von Rohstoffen auf Prognosemärkten wie Kalshi belegen, dass Rohstoffe Sichtbarkeit im Mainstream gewinnen – und zwar auch abseits von Gold, Silber und Öl.
Rohstoffhandel: Bank of America verzeichnet 60 % Umsatzplus
Ein zentraler Indikator für das wachsende Interesse ist der jüngste Quartalsbericht der Bank of America (BofA). Das Institut vermeldete für das erste Quartal 2026 einen Anstieg der Erlöse im Rohstoffhandel um 60 %. Nach Angaben der Co-Leiter der Global-Markets-Sparte, Denis Manelski und Soofian Zuberi, wurde dieses Wachstum maßgeblich durch außergewöhnliche Handelsaktivitäten in den Sektoren Rohöl und Edelmetalle getrieben.
Hintergrund dieser Entwicklung sind die massiven Marktbewegungen infolge geopolitischer Konflikte. Die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten führten zur faktischen Schließung der Straße von Hormus, einer der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten für Öl und Gas. Laut BofA reagierten Kunden verstärkt durch Neupositionierungen ihrer Bestände auf diese Ereignisse, was zu einem Rekordquartal im Prime-Brokerage-Geschäft beitrug.
Technische Infrastruktur: Bloomberg lanciert Single-Asset-Indizes
Mit dem steigenden Interesse entwickelt sich auch die periphere Infrastruktur des Marktes weiter. Bloomberg Index Services Limited hat auf den Trend zur präzisen Steuerung von Rohstoff-Exposures reagiert und die "Bloomberg Global Commodity Singles Indices" (BCOM Global Singles) eingeführt. Bisher konzentrierten sich Benchmarks oft auf den breiten Bloomberg Commodity Index (BCOM), der 25 Kern-Rohstoffe umfasst. Die neuen Indizes erweitern diese Abdeckung und bieten Zugang zu Einzelwerten aus den Bereichen Energie, Industrie- und Edelmetalle, Getreide, Soft Commodities sowie Viehbestand.
Die Einführung erfolgt vor dem Hintergrund einer zunehmenden Konvergenz der Rohstoffmärkte innerhalb von Multi-Asset-Portfolios. Laut Jigna Gibb, Leiterin der Abteilung für Rohstoff- und Krypto-Indexprodukte bei Bloomberg, suchen Investoren vermehrt nach flexiblen Möglichkeiten, spezifische makroökonomische Themen wie die Energiewende oder Ernährungssicherheit abzubilden. Da die Liquidität in neuen Terminkontraktmärkten zugenommen habe, sei es nun möglich, auch regional bedeutende und nicht auf USD lautende Kontrakte in standardisierte Indizes zu integrieren. Dies ermögliche eine detailliertere Marktanalyse und die Entwicklung neuer Finanzprodukte, die über die klassischen Weltmarkt-Benchmarks hinausgingen.
Prediction Markets bauen Rohstoffkontrakte aus
Ein weiterer Beleg für das wachsende Interesse an Rohstoffen findet sich auf Prognosemärkten (Prediction Markets). Die Plattform Kalshi hat das Angebot an Rohstoffkontrakten massiv ausgebaut und bietet nun Wetten auf die Preisentwicklung von Gütern wie Mais, Kaffee, Diesel, Sojabohnen, Weizen, Kupfer, Nickel und Lithium an. Das Unternehmen verweist darauf, dass das Volumen und die Volatilität in diesen Märkten im vergangenen Jahr "explodiert" seien, da politische Unsicherheiten Investoren dazu veranlassten, Prognosemärkte ergänzend zu traditionellen Absicherungsinstrumenten wie Futures und Optionen zu nutzen.
Damit sinken die Zutrittsbarrieren für eine breite Masse von Privatanlegern (zumindest solche außerhalb Europas, wo Prediction Markets weitgehend verboten sind). Dass Kalshi zudem eine Lizenz für den Margin-Handel erhalten hat, macht das Angebot auch für anspruchsvolle institutionelle Investoren attraktiv. Die Relevanz zeigt sich in den Handelszahlen: Allein ein Kontrakt, der den wöchentlichen Ölpreis verfolgt, zog Handelsvolumina von rund 1,3 Millionen USD an.

