Seit Februar 2015 pendelte der Goldpreis zwischen USD 1.200 und der hohen USD 1.000 Grenze. Und es gibt einen triftigen Grund für diese geringe Volatilität und dass sich der Goldpreis nicht signifikant verändert hat: den starken US-Dollar.

Ich habe im letzten Herbst bereits in einigen Diskussionen über die Korrelation zwischen dem Dollar und den Rohstoffen gegrübelt. Es war nämlich bereits seit Juli 2014 die negative Korrelation zwischen dem US-Dollar-Index (DXY) und Gold erkennbar, als der US-Dollar seinen Marsch über die 80er-Marke begann und bis auf 89,60 am 18. Dezember 2014 kletterte.

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Eine negative Korrelation zum DXY ist das übliche Bild für Gold und die anderen beiden Rohstoffe Kupfer und Öl. Dies deshalb, da beide auf US-Dollar-Basis notieren und sowohl als physische Handelsware wie auch als Spekulationsobjekte am Derivatsektor existieren.

Wie auch immer, in der Zeit zwischen dem 19. Dezember und dem 13. Februar bestand eine unübliche positive Korrelation zwischen Gold und dem DXY:

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Wie ich es schon in meiner Ausgabe am 16. Februar 2015 festgehalten habe, ein steigender Dollar und ein gleichzeitig steigender Goldpreis ist äußerst selten. Zuletzt war dies während der Wirtschaftskrise Anfang 2009 zu beobachten. Beginnend mit dem 16. Februar 2015 bis zum heutigen Tag war sehr wenig von dieser Korrelation zu sehen. Schaut mal auf folgendes Schaubild:

Auf der anderen Seite haben die beiden anderen Rohstoffe, Öl und Kupfer, weiterhin eine stark negative Korrelation zu US-Dollar aufgezeigt:

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Nachdem der Dollarindex kräftig von 80 bis auf 100 innerhalb von 8 Monaten gestiegen ist, fiel er nach dem Top wieder zurück und pendelt nun seit Mitte April zwischen 94 und 98:

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Nach einem insgesamt rund 20%igem Anstieg in den letzten 15 Monaten sehe ich in nächster Zeit wenig Potential für signifikante Bewegungen nach oben bzw. nach unten. Die Gründe dafür sehe ich in:

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  • Das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft wird weiterhin ziemlich lau laufen und die FED sich ebenso unwillig zeigen die Zinssätze mehr als ¼tel Prozent anzuheben.
  • Die Weltwirtschaft ist voll von Fiat-Money, Währungsabwertungen und 0-Zins-Politik. Der Schuldenstand ist mittlerweile um 40% höher als zum Zeitpunkt der Finanzkrise 2008. Als Zufluchtsort gelten der US-Dollar und seine Staatsanleihen.
  • Das Aufweichen der Währungen wird weitergehen für all diejenigen, deren Exporteinnahmen stark abhängig von Rohstoffen sind. (z.B.: Australien, Kanada, Chile und Südafrika)
  • Der Euro wird so lange davon betroffen sein, so lange Deutschland immer mehr Kapital für bankrotte Mitgliedsstaaten aufbringen muss.
  • China, das derzeit langsamer wächst und eine sehr starke Aktienkorrektur durchmacht, wird den Yuan weiter abwerten und durch weitere Stimulationsmengen negative Auswirkungen erleiden, wie auch die anderen Märkte im Asien-Pazifik-Raum. Japans fundamentale Wirtschaftsflaute zeigt noch keine Lösung. Das inkludiert eine 2 Jahrzehnte andauernde Phase von Deflation, stagnierenden Börsen und eine überalternde Bevölkerungsstruktur. Dazu kommen noch die hausgemachten Schulden aus der Atomkraft, verbunden mit einer Importflut an fossilen Treibstoffen.

Der gute alte „Greenback“ ist somit derzeit die beste Währung, aber meiner Meinung nach hat er seine besten Zeiten gesehen und wird nun bald konsolidieren.

Gold hat es im vergangenen Jahr so gut wie nicht auf die geopolitischen Unruhen in den einzelnen Regionen der Welt reagiert. Weder auf die neuen Konflikte im Nahen Osten, dem Bürgerkrieg der Ukraine mit Russland, den steigenden Auswüchsen des Terrorismus durch den radikalen Islam, aber auch nicht durch die gegenwärtigen Flüchtlingsprobleme in der EU. Gold scheint ziemlich immun zu sein gegenüber irgendwelchen Störungen auf der Welt. Ausgenommen war hier nur die Mitte Januar vollzogene Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro. Diese Tatsache hat Gold veranlasst auf USD 1.300 je Unze zu klettern und danach auf einem Level von USD 1.250 für 3 Wochen zu verharren. Seit dieser Zeit hat Gold den Level 1.250 allerdings nie mehr wieder erreicht.

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Weit gestreute Angst und Panik am Finanzmarkt ist oft ein Auslöser für verstärkten Goldkauf zur Sicherung der Werte, was dann natürlich in steigende Goldpreise mündet. Das aber wird erst dann geschehen wenn das Vertrauen ins Weltbanksystem verloren geht, so wie es zwischen 2008 und 2011 zu erkennen war.

Die jährlichen Inflationsraten verharren in den entwickelten Ländern weiter auf niedrigem Niveau, verbunden mit der Abwertungstendenz der gefluteten Währungen. Die Weltwirtschaft bewegt sich auf einem Deflationsniveau, und das ist keine gute Basis für einen steigenden Goldpreis. Das kurze Aufflackern des Kurses von Mitte Juli bis Anfang August ist überwiegend saisonal bedingt. Nach den Sommermonaten ist die Hochzeitssaison in Indien der einzige Event in dessen Zeit ich einen steigenden Goldpreis erkennen kann.

Aber für die nähere Zukunft sehe ich keine ausreichenden Gründe warum Gold steigen soll. Leute, lasst es mich in 2 Sätzen zusammenfassen:

„ Gold wird nirgendwo hinlaufen, solange der US-Dollar nicht entweder extrem steigt oder fürchterlich auf die Nase fällt“

Und ich glaube dass keines dieser beiden Fälle so schnell eintreten wird.

Ciao, Euer
Mickey Fulp