In der Ukraine werden die Probleme immer größer, aus den G8 werden die G7, die Krim-Krise ist noch längst nicht ausgestanden. Und was macht der Ölpreis? Er bleibt stabil. An den Tankstellen kann man Benzin und Diesel derzeit so günstig kaufen wie seit langem nicht mehr. Sicherlich hat in Europa der warme Winter die Ölnachfrage beeinflusst, die USA haben hingegen über einen extrem kalten Winter gestöhnt. Zudem war die Nachfrage in China nicht ganz so hoch wie erwartet. Doch vor allem geopolitische Ereignisse haben die Ölpreise in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder getrieben. Ein solches Szenario ist derzeit absolut nicht zu erkennen.

Brent und WTI nähern sich an

Auffällig ist hingegen, dass sich der Preisunterschied zwischen den beiden wichtigen Rohölsorten Brent (Europa) und WTI (West Texas Intermediate, USA) wieder annähert. Teils kostete Brent in den Vorjahren bis zu 23 Dollar mehr je Barrel, wobei die Qualitätsunterschiede kaum spürbar sind. Fundamental ließ sich dieser Preisunterschied nicht begründen. Zuletzt lag der Spread nur noch bei 10 Dollar, nach Ansicht der Experten der Nord LB soll er in den kommenden Jahren immer weiter sinken. Ein Grund für die Preisannäherung liegt in der Keystone XL Pipeline in den USA. Durch ihre Existenz wird der Export von WTI-Öl leichter.

Für die künftige Entwicklung des Ölpreises wichtiger wird das Verhalten der OPEC sein. Das Kartell der Erdöl exportierenden Länder ist sich derzeit alles andere als einig. Einige Staaten wollen ihren Fördermengen erhöhen, allen voran der Irak. Ob dabei der Ölpreis unter Druck gerät, scheint der Regierung des arabischen Landes relativ egal zu sein. Mehr als 3 Millionen Barrel Öl fördert das Land derzeit pro Tag. Somit konnten die Produktionsausfälle aus Libyen problemlos kompensiert werden.

Iran will Förderhahn stärker öffnen

Doch nicht nur der Irak will am Zapfhahn drehen. Zu gerne möchte auch der Nachbar Iran seine Ölproduktion nach oben schrauben. Die Wirtschaftssanktionen hindern ihn aber noch daran. Da sich der Westen und der Iran jedoch langsam wieder annähern, scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis auch hier höhere Fördermengen realisiert werden. Die Experten der Nord LB glauben, dass das Land seine tägliche Förderung auf 4 Millionen Barrel anheben will. Da auch der Großförderer Saudi-Arabien keine Anstalten macht, die Förderung zu reduzieren, könnte die Lage am Ölmarkt zunächst entspannt bleiben.

Bleibt die Frage, ob nicht doch die Krim-Krise den Ölpreis treiben wird. Die Analysten der Nord LB gehen nicht davon aus. Zu sehr hängen die wirtschaftlichen Interessen von Russland und Europa voneinander ab, als dass hier langfristige Schäden entstehen könnten. Außerdem braucht man sich bei anderen globalen Konflikten, so dass man keine Eskalation riskieren möchte.

Nach der Prognose der Analysten der Nord LB wird sich der Preis für Rohöl in den kommenden Jahren daher etwas seitwärts bewegen. Der Blick richtet sich dabei bis 2016. Im Jahresdurchschnitt soll Rohöl in diesem Zeitraum um die 103 Dollar kosten – mit saisonalen Schwankungen.