Die Nachrichten aus China sind Besorgnis erregend. Die Wachstumsraten schwächen sich ab, schlimmer noch, sie erreichen selbst die weniger optimistischen Prognosen kaum noch. So ist zum Beispiel die chinesische Industrieproduktion in den ersten beiden Monaten des Jahres laut Angaben der Behörden um 8,6 Prozent gewachsen. Die Rate ist so niedrig wie lange nicht.

Selbst wenn man berücksichtigt, dass das Vergleichsniveau für diese prozentualen Wachstumsraten längst nicht mehr so niedrig ist wie noch in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends: Diese Zahlen enttäuschen den Markt, der mit deutlich mehr gerechnet hat. Es bleibt offen, ob die chinesische Regierung oder die Notenbank eingreifen werden. In Peking scheint man bereit zu sein, ein etwas schwächer als erwartetes Wachstum zu tolerieren. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass man das Wachstum kaum unter 7 Prozent rutschen lassen will. Zurzeit liegt das Ziel der Regierung bei 7,5 Prozent und rund 10 Millionen neuer Jobs, was aber auch ein etwas schwächeres Wachstum ermöglichen könnte.

Die Auswirkungen der schwächelnden Leistung der chinesischen Wirtschaft merkt man vor allem am Rohstoffmarkt. Bei vielen Bodenschätzen bestimmt China die Nachfrage, weite Teile der Weltproduktion werden in dem rohstoffhungrigen asiatischen Land nachgefragt. Das gilt nicht nur für Edelmetalle wir Gold, wo sich China erst jüngst an die Weltspitze katapultiert hat. Das gilt vor allem – und das schon seit Jahren – für einige konjunktursensitive Bodenschätze wie zum Beispiel Kupfer und Eisenerz.

Abwärtsspirale beim Kupfer befürchtet

Der Blick auf die jüngste Entwicklung beim Kupferpreis zeigt, welche Spuren Chinas enttäuschende Wirtschaftsdaten an der Börse hinterlassen haben. Der Kupfer-Future, ohnehin alles andere als ein Top-Performer der vergangenen Monate, stürzte in den vergangenen Tagen regelrecht ab. Der Preis für die Tonne Kupfer stand am 7. März noch bei mehr als 7.000 Dollar, am Donnerstag werden im Tief nur noch 6.431 Dollar gezahlt. Solche Preise hat man zuletzt 2010 gesehen. Experten befürchten, dass der Preisrutsch eine Verkaufswelle und damit eine Abwärtsspirale auslösen kann, denn Kupfer wird in dem asiatischen Land gerne als Kreditsicherheit industrieller Kreditnehmer genutzt – und da hat der jüngste Ausfall einer Anleihe eines chinesischen Emittenten für zusätzliche Verunsicherung gesorgt.

Unter Druck stehen auch die Preise für Eisenerz. Diese sind auf Kursniveaus gefallen, die seit dem Jahr 2012 nicht mehr erreicht wurden. Für den Preisrutsch ist ebenfalls die chinesische Wachstumsschwäche verantwortlich: Das Land ist mit Abstand größter Stahlproduzent und Verbraucher in einem. Einer der Rohstoffe, die für die Stahlproduktion unabdingbar ist, ist Eisenerz. Im Vertrauen auf den Boom in China hat die Bergbaubranche in den vergangenen Jahren horrend hohe Summen investiert, um mehr und mehr Eisenerz aus dem Boden zu buddeln.

Nun drückt der Preisrutsch gewaltig auf die Ergebnismargen, bei großen wie bei kleinen Konzernen. Experten gehen davon aus, dass jeder Dollar, den der Eisenerzpreis fällt, bei den Großen der Branche für Einnahmeausfälle im kleinen dreistelligen Millionenbereich sorgt. Dass zuletzt die Aktienkurse von Bergbauunternehmen wie BHP Billiton (ISIN: AU000000BHP4), Rio Tinto (ISIN: AU000000BHP4) oder Vale (ISIN: AU000000BHP4) unter Druck gerieten, kann daher kaum erstaunen.