Eigentlich ist es kaum zu glauben: Chile ist mit weitem Abstand bereits jetzt die Nummer eins auf dem Weltmarkt der Kupferförderung. Die reichen Vorkommen des Rohstoffes in dem Land sorgten im vergangenen Jahr für rund ein Drittel des weltweiten Kupferangebotes, das aus der Bergwerksproduktion stammt. Die Produktion der Nummer zwei und drei auf dem Weltmarkt, China und Peru, ist gemeinsam gerade einmal rund halb so hoch wie das Volumen, das in Chile gefördert wird.

Und doch sind weitere reiche Vorkommen in dem Land noch gar nicht näher erforscht. Es ist die Region Arica y Parinacota, auf die sich die Bergwerksbranche nun langsam aber sicher fokussiert. Im Gegensatz zu anderen Teilen Chiles ist der Bergbau hier völlig unbedeutend, die Produktion erreicht kleinste Bruchteile dessen, was zum Beispiel an Kupfer rund um Antofagasta produziert wird. Dass der Bergbau für Chile eine dominierende Rolle beim Export spielt und extrem wichtig für die Staatseinnahmen ist, davon merkt man in Arica y Parinacota wenig.

Das liegt sicherlich auch an der besonderen Ausgangslage für die Region. Arica y Parinacota ist die von der Gründung her jüngste der 15 chilenischen Regionen und liegt im äußersten Norden des Landes, das sich in einer großen Nord-Süd-Ausdehnung an der Ost und Südostküste Südamerikas entlang streckt. Für Arica y Parinacota ist die nördliche Lage an der Grenze zu Peru und Bolivien ein echter Standortnachteil, wenn es zum Beispiel um staatliche Unterstützung geht. Erst vor wenigen Jahren hat ENAMI, Chiles staatliche Entwicklungsagentur für den Bergwerkssektor, in der Region ein Büro eröffnet. Die Agentur ist vor allem auf die kleinen und mittleren Gesellschaften der Branche fokussiert, die sich seither viele, viele hundert Kilometer lange Reisen durchs Land sparen können. So liegen das chilenische Bergbauzentrum Antofagasta und damit das lange Zeit nächste ENAMI-Büro etwa 600 Kilometer entfernt.

Doch die Region hat gute Voraussetzungen, um eine Boomregion für den Bergbau zu werden. Geographisch und geologisch ist sie das Bindeglied zwischen den kupferreichen Regionen Chiles und Perus, weshalb Experten hier schon länger große Rohstoffvorkommen vermuten – nicht nur Kupfer. Die ersten größeren Aktivitäten bei der Erkundung regionaler Vorkommen in Arica y Parinacota haben bereits begonnen. Doch niemand anders als der Bergbauriese BHP Billiton könnte nun den Durchbruch für die Region um die Stadt Arica bringen.

Der australisch-britische Weltmarktführer wird zwar sein globales Explorationsbudget deutlich eindampfen, geschuldet ist dies den neuen Marktbedingungen an der Börse, wo Investoren bessere Dividenden und Cashflows von den Rohstoffkonzernen einfordern. Doch ausgenommen von den Kürzungen könnte der Kupferbereich bleiben, hier sieht BHP Potenziale und Notwendigkeiten, weiter nach ergiebigen Vorkommen zu suchen. Diese hofft man in Arica y Parinacota zu finden, wo sich der Konzern umfangreiche Ländereien sichert und sogar die chilenische Codelco dabei auf Rang zwei verwiesen hat. Mit den ersten geophysikalischen Arbeiten hat BHP Billiton bereits begonnen. Durchaus möglich also, dass in dieser chancenreichen Region in einigen Jahren hoch interessante Dinge in der Bergwerksbranche vonstatten gehen.