Japanische Wissenschaftler können sich auf die Schultern schlagen. Ein Fund im Ozean kann das Land weit nach vorne bringen und die rohstoffbedingte Abhängigkeit von China verringern. Im Januar haben Forscher der Universität von Tokio zusammen mit weiteren Wissenschaftlern ein zu Japan gehörendes Meeresgebiet genauer unter die Lupe genommen. Das Korallenriff von Minami-Torishima liegt etwa 2.000 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tokio. Die Gewässer gehören zu Japan, internationale Verwicklungen sind somit nicht zu erwarten.

Das Forscherteam hat den dortigen Meeresboden genau erkundet. Dafür ist man bis auf Tiefen von 5.600 bis 5.800 Metern vorgedrungen Mit speziellen Tauchbooten hat man sieben Bohrungen durchgeführt, die bis zu 10 Meter in die Sand- und Schlammschicht reichten. Zwei Bohrkerne sind inzwischen ausgewertet und was man dort fand, hat alle Experten überrascht. Das untersuchte Material enthält Partikel von verschiedenen Seltenen Erden.

Bisher ist China der größte Förderer von Seltenen Erden. Die heiß begehrten Rohstoffe werden in vielen Industriebereichen benötigt, von der Auto- bis zur Handyherstellung. Mehr als 90 Prozent der geförderten Erden stammen aus China. Das Land hat somit fast ein Monopol, was es entsprechend ausnutzt. Seit einigen Jahren versuchen vor allem Gesellschaften in den USA und Australien, dagegen anzukämpfen.

Jetzt könnte auch Japan auf diesen Zug aufspringen. In China liegt der durchschnittliche Gehalt der Seltenen Erden im Gestein bei 0,03 Prozent bis 0,05 Prozent. In einer ausgewerteten Bohrprobe des Korallenriffs finden sich jedoch 0,66 Prozent der Seltenen Erden. Das ist ein Vielfaches der chinesischen Werte. Vorteilhaft ist auch, dass die Funde in einer Tiefe von nur 3 Metern gemacht wurden.

Erste Hochrechnungen machen deutlich, welcher Schatz sich am Korallenriff verbergen kann. Demnach gibt es Vermutungen, dass sich die Gesamtmenge der dort befindlichen Seltenen Erden auf 6,8 Millionen Tonnen belaufen kann. Diesen Wert muss man jedoch aufgrund der bisher nur geringen Datenmenge mit Vorsicht genießen. Er kann sich sowohl nach unten als auch nach oben noch klar verändern. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass Japan pro Jahr bis zu 30.000 Tonnen der verschiedenen Seltenen Erden braucht, wird deutlich, dass sich das Land mehr als 200 Jahre lang selbst versorgen könnte.

Bevor der Jubel aber zu groß wird, müssen einige Fakten klar gestellt werden. Bisher hat es noch keine wirtschaftlich erfolgreiche Bergbautätigkeit auf dem Meer gegeben, die tiefer als 5.000 Meter ging. Hier fehlen Erfahrungen und Geräte. Man muss dem hohen Druck des Wassers in der Tiefe standhalten, man muss die hohen Wellen berücksichtigen. Zudem ist unklar, wie eine erste Verarbeitung des Gesteins auf hoher See erfolgen soll. Wie hoch die Kosten für eine solche Förderung sind, ist bisher völlig unbekannt. Vieles wird somit auch davon abhängen, wie sich die Preise der begehrten Seltenen Erden in Zukunft gestalten und ob sich eine wirtschaftliche Förderung wirklich lohnt. Japan hat aber zumindest einen dicken Joker in der Hinterhand.