Kupfer wird oftmals als der Rohstoff bezeichnet, der am sensibelsten auf konjunkturelle Schwankungen reagiert. „Dr. Copper“ wird daher oftmals als Orakel für die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft gesehen, schließlich müssen Rohstoffe wie Kupfer heute gekauft werden, um in drei bis sechs Monaten (die Zeitperiode für die Verarbeitung in der Produktion sowie die Warenlogistik auf dem Seeweg) fertige Elektrogeräte zu liefern.

Dabei hat der Kupferpreis in den letzten zehn Jahren eine deutliche Preissteigerung erfahren, auch wenn sich der Preis seit ca. 2008 (mit wenigen, kurzfristigen Ausnahmen) in einer Handelsspanne zwischen 7.000 USD und 9.000 USD pro Tonne bewegt.

Im Jahr 2002 lag die weltweite Nachfrage von Kupfer und Kupferlegierungen bei ca. 15,0 Mio. Tonnen, für das Jahr 2012 wird eine globale Nachfrage von mehr als 20 Mio. Tonnen erwartet. Der überweigende Teil der Nachfrage stammt heutzutage aus China, wobei die Nachfrage nach Kupfer- und Kupferlegierungen in China mit ca. 9,9 Mio. Tonnen in etwa der Hälfte der weltweiten Nachfrage entspricht. Seit 2002 hat sich im Reich der Mitte die Kupfernachfrage von ca. 3,66 Mio. Tonnen auf jetzt ca. 9,9 Mio. Tonnen fast verdreifacht. Dabei ist der Bedarf seit 2002 kontinuierlich jedes Jahr gestiegen. Im Umkehrschluss ist die Nachfrage in Europa, Japan und den USA seit dem Jahr 2000 tendenziell rückläufig, wobei das Jahr 2009 jeweils einen Tiefpunkt bei der Nachfrage markiert. Hier zeigt sich, welche Spuren die Verlagerungen von Fertigungsbetrieben nach China hinterlassen haben. In Europa ist die Nachfrage seit 2002 um ca. 20% rückläufig (von ca. 5 Mio. Tonnen auf ca. 4 Mio Tonnen), in Japan um ca. 15% (von 1,53 Mio. Tonnen auf ca. 1,3 Mio. Tonnen) und in den USA sogar um ca. 35% (von 3,5 Mio. Tonnen auf ca. 2,2 Mio. Tonnen). Die Tendenz zur DE-Industriealisierung in den USA scheint aber gestoppt und so langsam entstehen auch hier wieder zunehmend Jobs im verarbeitenden Gewerbe.

Während der Kupferpreis im Jahr 2002 bei ca. 1500 USD / t lag, und sich nach einem langjährigen Angebotsüberschuss die Investitionen in die Exploration neuer Kupfervorkommen sowie den Ausbau der bestehenden Minen nicht mehr wirtschaftlich rechneten, war der Kupfermarkt in den Jahren 2004 bis 2007 ca. drei Jahre in einem Angebotsdefizit, was zu einem durchschnittlichen Kupferpreis von 7100 USD / t im Jahr 2007 führte. Nachdem die Suche und der Ausbau der Förderung als jahrelang aus betriebswirtschaftlichen Gründen vernachlässigt wurden, gab es ab 2005 (beginnend mit dem Preisanstieg) einen deutlich spürbaren Anstieg der Explorationsaktivitäten. Auch wenn für das Jahr 2013 das Angebot (aus Primärproduktion der Kupferminen und Recycling) in etwa auf dem Niveau der Nachfrage erwartet wird, so war der Ausbau der Produktionskapazitäten mit erheblichen Kosten verbunden. Die größten Kupferminen kämpfen mit nachlassenden Vererzungsgraden und haben inzwischen Produktionskosten von ca. 2,25 USD/lbs (ca. 5.000 USD/ t) erreicht. Eine signifikante Erhöhung des Angebots ist nicht in Sicht, die Nachfrage nach Kupferschrott (auch bei Langfingern) und der Preis für Kupferschrott zur Gewinnung von Recycling-Kupfer bleiben hoch.

Kupferpreise wie wir sie vor zehn Jahren gesehen haben (und kurzfristig im Rahmen der US-Immobilienkrise 2008/2009) scheinen mit Ausblick auf die nächsten Jahre nicht in Sicht. Ähnlich wie sich der Ölpreis relativ stabil auf einem Niveau von über 80 USD/Barrel stabilisiert hat, scheinen 3 USD/lbs (als ca. 6.600 USD / t) eine stabile Untergrenze für den Kupferpreis zu sein. Zuletzt pendelte der Kupferpreis (unterstützt von positiven Konjunkturdaten aus China und den USA um die Marke von 8.000 USD / t. Während der Kupferpreis schon deutlich zulegen konnte, notieren die Kurse einige Kupfer-Explorer, aber auch von Junior-Produzenten teilweise auf historisch niedrigen Kursniveaus. Hier bietet sich aus meiner Sicht hervorragende Einstiegschancen bei einer Haltedauer von 12 – 24 Monaten. Ihr Manuel Giesen