Vor einigen Tagen erschien ein für mich bemerkenswerter Artikel in den Medien, der folgende Überschrift trug: Die indische Bevölkerung zeichnete 14 Unzen Gold. Ok, dazu muss man allerdings den Hintergrund wissen um mit dieser Größenordnung etwas anfangen zu können.

Hintergrund der Nachricht ist, dass die indische Regierung über die Reservebank von Indien einen Fonds als Anlageform auflegte, bei der die Bevölkerung Gold in Stückelungen von 1g bis 100g erwerben kann (maximal 500g pro Person) und – man höre und staune – die Regierung noch mit einer Garantieverzinsung „aufbessert“. Der politische Wille, so zumindest laut Finanzministerium, wäre es, die Bevölkerung dazu zu animieren, Edelmetall nicht zu erwerben um es daheim und zinsenlos zu horten, sondern über den aufgelegten Fonds zum Goldwert zusätzlich über die angebotenen Zinsen während der Laufzeit einen Mehrwert zu schaffen.

So weit, so gut. Der politische Wille ist das eine, die Wünsche und Spürnase der Bevölkerung das andere. Nach über 2 Monaten der mit viel Werbung proklamiertem neuen Anlage- und Sparform verzeichneten die Verantwortlichen des Fonds ein desaströs ernüchterndes Ergebnis. Eben nur die oben genannten 14 Unzen im Gegenwert von rd. USD 15.000,- waren es der Bevölkerung wert, sich dieses „Zuckerl“ der Regierung zu gönnen. Obwohl Premierminister Narendra Modi höchstpersönlich dafür die Werbetrommel rührte. Nur 14 magere Unzen, und das bei einer Milliardenbevölkerung, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Erst jetzt gewinnt diese Nachricht so wirklich an Aussagekraft.

Es ist aus meiner Sicht ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Bevölkerung der eigenen Regierung in gar keiner Weise traut und allen Goldbesitz, den es hält, auch in privaten Händen belassen will. Nicht, weil der Goldbesitz in Indien traditionell schon immer privat gehortet wird und auch nicht weil Indien eventuell auf einmal kein zusätzliches Gold mehr besitzen möchte, sondern schlicht und einfach deswegen, da landesweit Zweifel an der Ehrlichkeit der Politiker bestehen.

Und genau diese Zweifel darf man im schlimmsten aller Fälle auch getrost in anderen Ländern haben, so auch bei uns. Denn jedes offiziell deklarierte und geparkte Gold ist für jeden Staat in einer Schräglage jederzeit greifbar. Nachvollziehbarer Besitz ist ein offenes Buch für die Begierlichkeit einer Regierung, das hatten wir schon mal. Auf Gold in Privatbesitz kann bereits nur sehr schwer zugreifen, wenn es einem Staat darum geht, die Werte für seine Schuldentilgung einzuziehen.

Was Indien mit ihrer Misstrauenskundgebung durch die Ablehnung des staatlich geführten Geschenkes auf eindrucksvolle Weise dokumentierte, sollte auch uns als mahnendes Beispiel dienen. Gold glänzt, aber nur für denjenigen der es besitzt und dessen Besitz nicht durch die Willkür von Regierungen gefährdet ist. Es gibt in unseren rechtsstaatlichen Systemen genügend Möglichkeiten sich vor dem enteignenden Zugriff der Mächte zu schützen. Machen wir es doch wie die Inder, zu unserem eigenen Wohle und der eigenen Vermögenssicherung.