Ghana, Indien, Russland, Türkei: Immer mehr staatliche Eingriffe machen Gold zum politischen Rohstoff
Einfuhrzölle, Ausfuhrverbote, Zentralbank-Swaps und Druck auf ausländische Goldminenbetreiber: In letzter Zeit häufen sich aggressive staatliche Eingriffe in den Goldmarkt. Davon profitieren Produzenten und Explorer in Tier-1-Jurisdiktionen.
Der Edelmetallexplorer Lodestar Metals CA54020J2002 A41MZL hat sich in diesem Zusammenhang auf Goldprojekte im US-Bundesstaat Nevada spezialisiert. Den Kern des Portfolios bildet das Gold Run Projekt im Humbold County.
Lodestar Metals exploriert Gold Run in Nevada
Es handelt sich um Exploration auf einer Brownfield-Fläche. Das Projekt liegt aus geologischer Sicht innerhalb des ertragreichen Getchell-Goldtrends und nahe dessen Schnittpunkt mit dem Battle Mountain–Eureka-Trend. Unter den ohnehin prominenten Goldtrends des Bundesstaates sind dies zwei der größeren Namen. An Schnittpunkten solcher Trends sind die Chancen auf die Entdeckung einer Lagerstätte größer, weil hier einst zwei goldführende Systeme aufeinandertrafen.
Die Geologen sehen hier die Chance auf die Entdeckung bedeutender epithermaler und Carlin-artiger Mineralisierungen: Nevadas unter Geologen weltberühmte Spezialität. Das Gold ist hier feinkörnig im Sedimentgestein verteilt. Obwohl es nicht mit bloßem Auge sichtbar ist, können Lagerstätten mehrere Millionen Unzen erreichen. In der Nachbarschaft von Lodestar Metals befinden sich mit Twin Creeks und Turquoise Ridge zwei solcher Lagerstätten.
Das Team um CEO Lowell Kamin ist überzeugt, dass sich die Mühen der frühen Exploration auszahlen werden – und erweiterte daher das Projekt unlängst um weitere Flächen. Im April startete das erste Bohrprogramm – als "Höhepunkt monatelanger datengestützter Arbeit zur Definition und Priorisierung der vielversprechendsten Ziele auf dem gesamten Gelände", wie Kamin damals sagte.
Die strategische Entscheidung für den Standort Nevada könnte sich noch als wichtiger Bewertungsfaktor herausstellen. In den letzten Monaten hat der Zweifel an Standorten außerhalb von Tier-1-Jurisdiktionen zugenommen. Wenn es um geopolitisch sichere Rohstoff-Lieferketten geht, stehen meist Basis- und Industriemetalle oder Mineralien im Zusammenhang mit der Energiewende und Elektrifizierung wie Seltene Erden im Mittelpunkt. Doch die vergangenen Monate haben gezeigt, dass auch Gold ein höchst politischer Rohstoff ist.
Ghana verabschiedete eine Goldminenreform, die inhaltlich dem Ressourcennationalismus zuzurechnen ist. "Die ghanaische Mineralienkommission (…) schreibt vor, dass alle Bergbauaktivitäten von ghanaischen Auftragnehmern durchgeführt werden müssen. Dadurch wird der Lizenzinhaber effektiv vom eigentlichen Abbauprozess getrennt. Das Ergebnis ist ein Kontrolltransfer – und der damit verbundene wirtschaftliche Wert – von ausländischen Bergbauunternehmen auf einheimische Firmen", sagt S&P Global Analyst Jason Holden.
Bereits im Januar 2025 hatte die Kommission neue Regeln in Aussicht gestellt. So sollten alle Tagebauarbeiten von vollständig in ghanaischem Besitz befindlichen Unternehmen und alle Untertagebauarbeiten von Firmen mit mindestens 50 % ghanaischer Beteiligung durchgeführt werden.
Ghana setzt ausländische Goldproduzenten unter Druck
Viele große Minenbetreiber im Land steuerten frühzeitig um und wechselten zu Modellen mit Vertragsabbau, darunter etwa Gold Fields bei den Minen in Tarkwa und Damang. Andere, darunter Newmont, AngloGold Ashanti und Zijin Mining, wehrten sich gegen die Übergriffe. Diesen Unternehmen wurde durch die Kommission eine Frist bis Dezember 2026 gesetzt. Werden die Vorgaben dann nicht eingehalten, drohen Sanktionen bis hin zur Stilllegung von Minen.
Das Problem: Zur Erfüllung der Vorschriften werden ausländische Betreiber "entweder ihre bestehenden Maschinenflotten an die lokalen Auftragnehmer verleasen oder Bürgschaften für deren Schulden übernehmen müssen", sagt Holden. Das sei eine "risikoreiche Situation, in der der ausländische Bergbaukonzern zwar die operative Leitung der Grube abgibt, aber weiterhin für die bestehenden Schulden verantwortlich bleibt."
Die Attraktivität des Standorts Ghana wird unter der Politik leiden: Das Land ist mit AISC von 1.676 USD pro Feinunze bereits jetzt der zweitteuerste Produzent des Kontinents nach Südafrika.
Indien will mit Gold-Zoll Rupie stützen
Neben Ghana ist Indien ein Beispiel für staatliche Interventionen im Goldmarkt – diesmal nicht im Bereich der Produktion, sondern der Besteuerung. Die indische Rupie steht seit geraumer Zeit unter Druck. Ursächlich dafür sind nicht zuletzt das anhaltende Leistungsbilanzdefizit und der Abfluss ausländischen Kapitals. Die Regierung erhöhte deshalb im Mai die Einfuhrzölle auf Gold und Silber von 6 % auf 15 %. Indische Konsumenten sollen dadurch weniger Goldkäufe tätigen, die zum Verkauf der Rupie gegen den Dollar führen.
Premierminister Narendra Modi rief die Bevölkerung dazu auf, ein Jahr lang auf Goldkäufe zu verzichten, um die Devisenreserven zu schonen. Indien deckt fast seinen gesamten Goldbedarf durch Importe.
Ein weiteres Beispiel ist Russland. Die russische Zentralbank hat in den ersten beiden Monaten des Jahres rund 500.000 Feinunzen verkauft. Moskau sorgt sich offensichtlich, dass der Abfluss von Gold über private Kanäle das knappe Aufkommen an nicht-sanktionierbaren Zahlungsmitteln reduzieren könnte. Deshalb wurde ein weitreichendes Verbot für den Export von Goldbarren ab 100 Gramm erlassen.
In einer Erklärung des stellvertretenden Finanzministers Alexei Moiseev dazu heißt es, Gold sei bei illegalen Transaktionen, Kapitalflucht und Geldwäsche zu einem Ersatz für Devisen geworden. Anders gesagt: Der Kreml will Gold als offizielles Liquiditätsinstrument im Land halten und gleichzeitig verhindern, dass Haushalte, Unternehmen und Schattenwirtschaftsnetzwerke es als mobile Fluchtmöglichkeit nutzen.
Türkische Zentralbank nutzt 80 Tonnen Gold für Swaps
Das nächste Beispiel: Die Türkei. Laut einem Bericht des World Gold Council gehörte die Zentralbank des Landes im ersten Quartal zu den stärksten Verkäufern des Edelmetalls. Die offiziellen Bestände fielen um rund 70 Tonnen, zusätzlich wurden im März etwa 80 Tonnen über Swaps zur Liquiditätsbeschaffung genutzt. Anlass ist die anhaltende Schwäche der Türkischen Lira.
Die (keinesfalls abschließenden) Beispiele zeigen, dass der Goldmarkt zunehmend durch politische Einflüsse geprägt wird. Für Investoren hat das Konsequenzen, vor allem, wenn in Goldminen und Explorationsprojekte investiert wird. Hier sind rechtssichere Jurisdiktionen deshalb klar vorzuziehen. In Zukunft könnten Projekte wie Gold Run von Lodestar Metals deshalb mit einem signifikanten Aufschlag gegenüber Projekten in weniger sicheren Jurisdiktionen gehandelt werden. Gelingen handfeste Explorationserfolge, kann der Standort in Nevada zu einem Hebel für die bislang mit knapp vier Millionen Euro wenig ambitionierte Bewertung werden. Schon die demnächst zu erwartende Veröffentlichung der Bohrergebnisse könnte bei Erfolgen den Kurs deutlich anschieben.