Silber leidet nun schon ebenso lange unter den gefallenen Preisen wie sein großer Bruder Gold. Jedoch ist das weiße Edelmetall überwiegend in der modernen Industrie gefragt und daher nicht nur als Wertanlage zu sehen. Wodurch auch der Gesamtmarkt und die Preisbildung unter anderen Kriterien zu betrachten ist.

Bereits im Januar 2015 haben wir von den wichtigsten positiven Vorzeichen berichtet. Diese scheinen sich nun langsam zu konkretisieren, wenn man die Vorschau des Silberinstitutes näher betrachtet.

Der steigende industrielle Bedarf ist nach Meinung des Silberinstitutes, aber auch der der Analysten von Thomson Reuters ein klares Indiz dafür dass Silber im Jahr 2015 ein Marktdefizit von 57,7 Mio. Unzen erreichen wird. Zwar verzeichnete man bereits seit 2 Jahren mehr Bedarf und weniger Angebot, aber die für heuer erwartete Unterdeckung ist ein markanter Wert. Doch woraus resultiert dieser gewaltige Fehlbedarf?

Generell trifft eine sich abschwächende Produktionsleistung der Minen auf eine steigende Nachfrage. Die schwächer werdenden Produktionen sind in erster Linie darin begründet, dass viele Minen aus Kostengründen ihre Produktionen zurück fahren mussten, aber auch neue Projekte in der gedrückten Marktlage nicht so zügig auf den Markt gebracht werden können. Dem stehen Abnehmermärkte mit steigendem Bedarf gegenüber.

Auch wenn die privaten Käufer im ersten Halbjahr um 6% weniger als im Vorjahr Münzen und Barren erworben haben, so sind deren 43,6 Mio. Unzen immer noch der fünfthöchste Absatz aller Zeiten. Wie stark die Nachfrage aus diesem Bereich ist, erkennt man schon alleine daran, dass sowohl die amerikanische US-Mint und die australische Münze in Perth vorübergehend ihre Lieferungen einstellen mussten. Ihnen fehlten einfach genügend Nachschubmengen. Und für den Rest des Jahres 2015 rechnet man seitens des Silberinstitutes mit einer gleich bleibend starken Nachfrage.

Jedoch auch auf der industriellen Seite sind Engpässe zu erwarten. Der Bereich der erneuerbaren Energie benötigt 2015 um 8% mehr Silber als noch im vergangenen Jahr. Diese Branche erwartet für heuer einen Gesamtbedarf von 65 Mio. Unzen. Hauptverantwortlich ist dafür die USA, die gegenüber dem Vorjahr um 76% mehr Solarpaneele produzieren werden. Der überwiegende Teil davon sind bestehende Aufträge aus China und Indien.

Die Produktion von Ethylenoxid – ein wichtiges Desinfektionsmittel für Nahrungsmittel, verwendbar bei medizinischen Geräten und gesuchtes Material für Dämmstoffe – verwendet ebenfalls Silber. Durch die verstärkte Nachfrage aus China, die gegenüber dem Vorjahr um 61% angestiegen ist, wird heuer für diesen Bereich ein Verbrauch von bereits 8,6 Mio. Unzen erwartet.

Aber auch der Elektroniksektor verzeichnet einen leichten Anstieg für 2015 von 0,4%. Zwar sind die Bedarfsmengen für Computer und Tablets leicht rückläufig, werden aber von verstärkter Nachfrage aus dem Bereich Mobiltelefone mehr als ausgeglichen.

Interessant ist die Tatsache, dass auch in den letzten Jahren zwar immer mehr Silber vom Markt verlangt als produziert wurde, dies aber keine Auswirkung auf den Silberpreis hatte. Ganz im Gegenteil, Silber fiel kontinuierlich und parallel zu Gold. Das Silberinstitut bietet dafür eine einfache aber einleuchtende Erklärung. Der Silbermarkt besteht ja nicht nur aus den produzierten Unzen, sondern zu einem großen Teil auch aus dem Recycling. Hier waren die Preise in den Jahren 2013 (durchschnittlich $ 23,79 je Unze) und 2014 (durchschnittlich $ 19,07) zum Beispiel für viele private Anleger und Geschäftstreibende wesentlich attraktiver, wodurch mehr Silber in den Recyclingkreislauf gelangte. Vor allem die Privaten scheuen sich derzeit bei den aktuell niedrigen Preisen ihr „Tafelsilber“ zu verkaufen und warten lieber auf einen besseren Kurs. Somit wird auch aus dem Recycling für heuer ein geringerer Anteil erwartet, der jedoch vom Silberinstitut nicht mit einer Schätzung unterlegt wurde. Ob es heuer bereits, wo steigender Bedarf auf weniger Produktion und geringeres Recyclingvolumen trifft, zu steigenden Silberkursen kommen wird, bleibt abzuwarten.

Doch für Investoren, die auf Silber setzen, ist es vorbereitend wichtig, sich bereits jetzt um günstige Einstiegsmöglichkeiten umzusehen. Dazu zählen neben dem Privaterwerb von Münzen und Barren in erster Linie gut aufgestellte Silberproduzenten und Unternehmen, die in naher Zukunft in Produktion gehen werden. Ein Blick auf die Bestände der Silber ETFs, die ihre Bestände heuer schon um 4,7 Mio. Unzen aufgestockt haben, zeigt, dass man auf breiter Ebene mittel- bis langfristig positiv für Silber eingestellt ist. Und wenn die Großen langsam wieder auf die positive Seite wechseln, so kann man dies als weitsichtiger Privatinvestor durchaus ebenfalls machen.