Klammert man einmal alle bisherigen Meldungen und Diskussionen über Zinssteigerungen, Budget und Fed in den USA aus, so könnten die kommenden Schlagzeilen über einen Bullenmarkt für „hartes Geld, also Gold und Silber, die zweite Jahreshälfte bestimmen.

Diese Ansicht vertritt Adrian Ash, Autor bei MiningFeed und begründet dies folgendermaßen:

  1. Japan verdoppelt innerhalb von 2 Jahren seine Geldmenge und China generiert täglich eine neue 2 Mrd. USD- Liquiditätsstütze für ihr Finanzsystem.
  2. Lohnverhandlungen der südafrikanischen Goldindustrie sind abgebrochen worden, nachdem Lohnerhöhungen von 60% bis 100% gefordert, von der Unternehmerseite jedoch nur 5% angeboten wurden.
  3. Großbanken, die 5 Jahre nach der Finanzkrise erneut Crashrisiken aufbauen, benötigen schon wieder frisches Geld. Die Barclays Bank, weithin als die bestsituierte Bank Englands betitelt, ist lt. einem BBC-Interview mit rd. 20 Milliarden Euro unterkapitalisiert. Die Deutsche Bank zahlte alleine in den Monaten April bis Juni an die 630 Millionen Euro, um die Rechtsstreitigkeiten über die Fehlinvestitionen in amerikanische Hypotheken beilegen zu können.

So, nun stehen wir da mit einem stark korrigierten Gold- und Silberpreis. Insgesamt der stärkste Rückschlag der letzten 3 Jahrzehnte. Und in der Zwischenzeit haben die Großbanken wieder prächtig an den amerikanischen Langfristanleihenzinsen verdient.

Diese sind angestiegen nachdem die Fed das Rückschrauben der Notenpresse in Aussicht gestellt hat. Und dies scheint vorderhand mal glaubhaft, nachdem die „US Treasury“ am Montag mitgeteilt hatte, dass das Defizit – also die Differenz zwischen Washingtons Einnahmen und Ausgaben – im laufenden Fiskaljahr um 40% gesunken sei.

Auch wenn über den Sommer die allgemeinen Handelsaktivitäten eher dahindümpeln, so haben namhafte Größen mit längerem Zeithorizont in ihrer Strategie bislang Gold gekauft.

Michael Cuggino, Präsident des 12 Mrd. USD schweren „Permanent Portfolio Family of Funds“ vertritt die Meinung, dass Gold langfristig durch eine steigende Inflation gewinnen werde.

Marc Mobius, Spezialist der emerging marcets bei Franklin Templeton, einem Fondshaus mit rd. 813 Mrd. USD Anlagekapital, sieht eine große Diskrepanz zwischen realer Nachfrage und Derivaten. Für ihn ein klassisches Zeichen für einen auf Sicht steigenden Goldpreis.

Zu diesem Thema nimmt auch die Schweizer UBS Bank als eine der führenden Handelsbanken für Gold konkret Stellung. Sie wertet Chinas Nachfrage für Gold als absolut „strong“, schon alleine deswegen, da die zweitgrößte Weltwirtschaft den Zugang zu Edelmetallen durch Installation von Depots freigegeben hat.

Zu Senkung des amerikanischen Defizits meint die UBS folgendes:

  • Die Defizitvorschau für 2013 beläuft sich in den vereinigten Staaten immer noch auf über 1.000 Milliarden, also dem 4. höchsten der Geschichte
  • Die Defizitsenkung stammt aus einer einmaligen Rückzahlung durch Fannie and Freddie über 66 Mrd. USD. Geld, das sie in der Krise 2008 erhalten haben.
  • das ist alles nur das jährlich stupide Spiel mit der Schuldenobergrenze, aber mit dem gleichen Risiko des Spiels mit der Panik, das schon 2011 Gold auf über 1.920 USD anstiegen ließ.

Für diejenigen, die kurzfristig agieren, ist der aktuell stark schwankende Edelmetallkurs reine Nervensache, und die sollten die Charts derzeit besser meiden. Doch darüber hinaus gibt es genügend gute Gründe Gold und Silber für die Zukunft zu kaufen.

China ist eben dabei Indien als Goldkäufer den ersten Rang abzulaufen. Käufe von an die 1.000 Tonnen – das entspricht jeder 4ten produzierten Goldunze – sind starke Signale. Auch wenn noch nicht so stark vertreten, China hat eine stark expandierende Juweliersbranche mit zunehmendem Bedarf an Gold und Silber.

Und mit der Goldbörse Shanghai, die im ersten Halbjahr 2013 bereits 1.000 Tonnen ausgeliefert hat – mehr als im Gesamtjahr 2012 – sind somit insgesamt gute Zeichen gesetzt.

Aber wie betrifft dies alles, was im Osten abläuft, die westlichen Investoren?

Zuerst einmal, dass ungeachtet des ganzen Futurehandels letztendlich nur real vorhandenes Gold wirklich zählen wird. Weiters sind China und Indien verstärkt auf der Käuferseite zu finden. Darüber hinaus sehen die wirtschaftlichen Aussichten der asiatischen Länder weitaus besser aus als die des entwickelten Westens.

Und, was besonders zählt, ist die Tatsache, dass indische und chinesische Familien mit ihrem verbleibenden Rest aus den Monatslöhnen öfters Gold kaufen als die Familien der westlichen Welt.

Auch wenn viele Analysten China eine harte Landung nach dem „Chinajahrhundert“ prophezeien, so werden uns die Auswirkungen der Missstände der westlichen Welt wesentlich früher erreichen.

Wir dürfen uns nicht davor verschließen, dass mit dem Einhergehen der steigenden asiatischen Wirtschaft auch ein Rückgang in der westlichen Welt verbunden ist. Auch wenn ein steigender Edelmetallkurs uns alle erfreut, so ist er doch auch mit einem weinenden Auge zu betrachten, denn ein fallender Standard in unseren Ländern ist auch keine erfreuliche Tatsache.

Daher sollten wir es wie die chinesischen Familien halten und Gold als Absicherung für unseren Lebensstandard kaufen.