Wieder mehr Russland-Importe: EU-Gasversorgung bleibt anfällig
CanCambria Energy CA13740E1079 A3EKUB wittert auf dem seit Jahren explorierten Tiefengasprojekt Kiskunhalas im Süden Ungarns mehr Möglichkeiten als bislang angenommen. Innerhalb des Konzessionsgebiets wurde ein 350 km² großer, oberflächennaher Trend mit hohem Potenzial identifiziert.
Laut CEO Dr. Paul Clarke werden Kohlenwasserstoff-Entdeckungen in der Regel durch den Einsatz neuer Explorationstechnologien in bekannten Becken gemacht. Genau diese Chance sieht CanCambria bei Kiskunhalas. Obwohl das Gebiet derzeit nicht durch moderne 3D-Seismikdaten abgedeckt ist, konnten anhand älterer 2D-Seismikmessungen mehrere vielversprechende Lagerstätten und Explorationsgebiete abgegrenzt werden. Nun wurde ein externer Dienstleister mit einer Studie zu bestehenden Öl- und Gasfeldern im gesamten Konzessionsgebiet beauftragt.
Renaissance bei Investitionen
Clarke sieht diese flachen Lagerstätten als aussichtsreich, da sie in der gesamten Region und angrenzend an CanCambrias Flächen eine Renaissance von Aktivitäten und Investitionen erleben, angetrieben durch hohe Rohstoffpreise. Diese Ziele sollen daher für CanCambria kostengünstigere und schnellere Bohrungen ermöglichen und das Potenzial für mehrere Satellitenlagerstätten entlang eines breiteren Trends bieten. Und genau ist sind bei Europas Gaskunden derzeit besonders gefragt, wenn es um zuverlässige und geopolitisch unproblematische Lieferungen geht.
EU will russisches Gas verbannen – und steigert Importe
"Ab heute wird der EU-Energiemarkt stärker, widerstandsfähiger und diversifizierter sein." Diesen Satz sagte Michael Damianos, Minister der Republik Zypern für Energie, Handel und Industrie im Januar. Der Anlass: Die 27 EU-Mitgliedstaaten hatten die Verordnung zur Einstellung der Einfuhren von Pipeline-Gas und Flüssigerdgas (LNG) aus Russland in die EU förmlich angenommen.
Knapp drei Monate später könnte die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit nicht größer sein. Tatsächlich hat die EU die Gasimporte aus Russland wieder gesteigert. Der Block nahm in den ersten drei Monaten des Jahres 97 % der Ladungen aus dem riesigen Yamal-LNG-Projekt in Sibirien ab. Laut Daten des Energieforschers Kpler stiegen die Importe aus dem Yamal-LNG-Projekt in Sibirien (über das der Großteil der russischen Lieferungen in die EU erfolgt) im ersten Quartal im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2025 um 17 % auf 5 Millionen Tonnen.
Yamal ist laut der Financial Times für den Großteil der russischen LNG-Importe in die EU verantwortlich. Steigende Gaslieferungen in Verbindung mit steigenden Preisen führen zu deutlich erhöhten Gasumsätzen für Russland. Aktuell wird also das Gegenteil von dem realisiert, was als politisches Ziel vorgegeben wird. Schätzungen gehen von rund 2,9 Mrd. EUR an Erlösen für Moskau aus.
Europas Gasversorgung bleibt vulnerabel
Seit der Energiekrise 2022 ist der europäische Gasverbrauch von rund 540 Milliarden Kubikmetern auf 430 Mrd. m³ gesunken, ein deutlicher Rückgang um 110 Mrd. m³ bzw. 20 %. Trotz dieser Fortschritte importiert Europa weiterhin rund 70 % seines Gasbedarfs (etwas über 300 Mrd. m³ jährlich) und ist damit Versorgungsrisiken ausgesetzt. In der Industrie sank der Gasverbrauch aufgrund von Stilllegungen um 26 %.
Dem Bericht zufolge ist Europa ein Stück weit eine Diversifizierung gelungen: Heute kommt weniger Gas aus Russland und mehr aus den USA, auch Algerien, UK, Katar und Aserbaidschan spielen eine Rolle. Der Kontinent bleibt laut ING-Bericht aber durch die neue geopolitische Lage verwundbar.
Risikofreie Diversifizierung kaum realisierbar
Wenn demnach die Spannungen mit Russland eskalieren, könnten norwegische Gaspipelines einem erhöhten Sabotagerisiko ausgesetzt sein. Präsident Trump nutzte die Drohung mit reduzierten LNG-Exporten als Druckmittel in Handelsverhandlungen, während die Exporte Aserbaidschans und Algeriens in die EU nur geringfügig steigen können. Eine risikofreie Diversifizierung ist daher heute weniger realisierbar als während der Krise von 2022.
Eine mögliche Teillösung des Problems ist ein Anstieg der innereuropäischen Produktion, wie sie CanCambria dem Markt in einigen Jahren zur Verfügung zu stellen plant. Das Unternehmen führt derzeit eine detaillierte Analyse von über zwanzig historischen Öl- und Gasfeldern innerhalb und angrenzend an Kiskunhalas durch. "Diese Felder haben zusammen über 160 Millionen Barrel Öläquivalent gefördert und belegen damit die Produktivität und den Umfang des regionalen Kohlenwasserstoffsystems", heißt es im Bericht der Geologen.
Nun plant das Unternehmen ein neues, firmeneigenes 3D-Seismikprogramm, um Größe, Geometrie und Risikoprofil der identifizierten Explorationsgebiete genauer zu bestimmen. Danach sollen die aussichtsreichsten flacheren Ziele erschlossen und getestet werden. Bereits in den kommenden Wochen soll dazu ein aktualisierter Zeitplan genannt werden. Möglicherweise werden auch Investitionen vorgezogen. CEO Clarke ist jedenfalls überzeugt, dass das neue Explorationsprogramm erhebliches Potenzial birgt.
CanCambria Energy wird an der Börse derzeit mit knapp 32 Mio. EUR bewertet. Sollte sich das Wertsteigerungspotenzial durch die neue Entdeckung konkretisieren, sind in einem für Gasexplorer weiterhin günstigen Marktumfeld auch deutlich höhere Bewertungen denkbar.