Westliche Lieferketten: Nordamerikas Lithiumangebot reicht nicht aus
Der Lithiumexplorer Lithium Africa (ISIN: KYG6003G1010, ISIN: A425GC) etwa treibt das Springbok-Projekt in der Provinz Nordkap in Südafrika voran. Das 1675 km² große Projekt umfasst die ehemalige Lithium-Pegmatit-Mine Norrabees. Dort steht im Juli ein 3.500 Meter umfassendes Bohrprogramm an, das auf eine neue Mineralressource abzielt.
Der Explorer hat sich auf Lithiumprojekte in Afrika spezialisiert. Das Unternehmen sieht hier zum einen großes geologisches Potenzial: Der Kontinent ist reich an Rohstoffen und verglichen mit westlichen Standorten deutlich unterexploriert. Zum anderen ist sich das Management sicher, dass das Bestreben vieler Regierungen zum Aufbau inländischer Lieferketten am Ende nicht zur vollständigen Versorgung des Marktes ausreichen wird.
Lithium-Lieferketten: Das Angebot wächst, aber die Nachfrage auch
Warum dies so ist, zeigt ein Blick nach Nordamerika, wo die Lieferkette dynamisch Gestalt annimmt. Das Projekt Thacker Pass von Lithium Americas CA53681J1030 A3ERHF im Norden Nevadas soll 2028 in Betrieb gehen und in Phase-1 rund 40.000 Lithiumcarbonat jährlich produzieren. Li-FT Power CA53000A1066 A3DQFE exploriert das Lithiumprojekt Adina in der Region Eeyou Istchee James Bay in Québec, das durch das angrenzende Projekt Galinée östlich erweitert wird.
Q2 Metals CA74739G1072 A3D4CR steht bei Cisco (ebenfalls James Bay Region in Quebec), einem der größten Hartgesteinsprojekte weltweit, kurz vor den ersten Studien. Rock Tech Lithium CA77273P2017 A1XF0V sicherte sich im Juni durch eine Optionsvereinbarung den Zugriff auf das 9.875 Hektar große Victory-Lithiumprojekt in Ontario. Das Unternehmen will damit sein Rohstoffpotenzial für die Mine-to-Converter-Plattform in Ontario stärken.
Und dennoch könnte Nordamerika auch nach der Entwicklung solcher Projekte zu laufenden Minenbetrieben auf Importe angewiesen sein. Fastmarkets etwa prognostizierte bereits 2024 einen signifikanten Anstieg der Nachfrage nach Lithium allein in den USA auf fast 412.000 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent bis 2030.
Ian Rodger, CEO des Lithium-Entwicklungsunternehmens US Elemental, rechnet damit, dass die Lithiumnachfrage über Jahrzehnte um etwa 20 % pro Jahr steigen könnte. Rodger äußerte Anfang Juni Zweifel an einem ausreichend schnellen Wachstum der nordamerikanischen Lithiumkapazitäten. "Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Lithiummarkt hängt im Wesentlichen davon ab, wie viel zusätzliches Angebot verfügbar gemacht werden kann", erklärte er. Es sei jedoch schwierig, große Projekte zu realisieren, "insbesondere, wenn man bedenkt, dass der Markt jedes Jahr so erheblich wächst."
Der Rückgang der Lithiumpreise in den Jahren 2022 und 2023 habe Investitionen in die US-amerikanische Lieferkette unattraktiv gemacht und Lithiumprojekte vorerst gestoppt. Trotz des Preisanstiegs sei das aktuelle Preisniveau möglicherweise noch nicht attraktiv genug für langfristige Investitionen. Er setzt auf noch mehr Unterstützung aus dem Weißen Haus: "Die Regierung erkennt zunehmend die Bedeutung des Ausbaus der Batterielieferkette an."
Lithiumnachfrage geht über EVs hinaus
Lithium betrifft dabei nicht mehr nur den EV-Sektor, der in den USA aufgrund der Abschaffung von Steuervergünstigungen einen Dämpfer erlitten hat. Weitere Technologien und Anwendungen wie Industrie- und Serviceroboter, Batterien für die Luftfahrt und Verteidigung, Lithium-7-Flüssigsalz-Kernreaktoren, keramische Kohlenstoffabscheidung und Industrieroboter gewinnen an Gewicht – neben Energiespeichern, die ein starkes Wachstum verzeichnen.
Eine Studie von GEM Mining Consulting kommt zu dem Schluss, dass neue Lithiumanwendungen bis 2035 jährlich etwa 105.000 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent der Nachfrage ausmachen werden. Dieser Wert soll laut dem Basisszenario der Studie bis 2040 auf 303.000 Tonnen und bis 2050 auf 720.000 Tonnen steigen. Diese Mengen entsprechen etwa 2,8 %, 6,1 % bzw. 10,3 % des prognostizierten Bedarfs aus aktuellen Anwendungen wie Elektrofahrzeugen, Unterhaltungselektronik und Energiespeichern im Netzmaßstab.
Neben Lithiumcarbonat und -hydroxid in Batteriequalität benötigt der Markt damit künftig auch Spezialmaterialien wie Lithiummetall, Lithiumfluorid, Lithiumbromid, Lithiumchlorid, Lithiumsilikate, Lithiumhydride und Isotopenprodukte. Elektrofahrzeuge werden zwar voraussichtlich noch Jahrzehnte lang der wichtigste Nachfragetreiber bleiben, doch "ein breites Spektrum neuer Technologien könnte neue Märkte schaffen, die Lieferketten umgestalten und die strategische Bedeutung des Metalls weit über den Transportsektor hinaus erweitern", sagt Juan Ignacio Guzmán, CEO von GEM Mining Consulting.
Lithium Africa zielt mit dem Bohrprogramm bei Springbok auf die Untersuchung der Pegmatite Norrabees I und Norrabees II sowie einer neu entdeckten, spodumenhaltigen Pegmatit-Erweiterung zwischen diesen beiden an. Die Erweiterung wurde durch detaillierte Strukturkartierungen identifiziert, die zeigen, dass der Wirtspegmatit entgegen der vom vorherigen Betreiber angenommenen Orientierung nach Norden einfällt. Die angestrebte, neue Mineralressource soll deshalb ein sehr viel genaueres Bild enthalten: Die historische Ressourcenschätzung des Projekts erfolgte ohne strukturgeologische Kartierung.
Lithium Africa: Neuer CEO für anstehende Wachstumsphase
Das Unternehmen sieht sich vor der nächsten Wachstumsphase. In diese soll ein neuer CEO führen: Dr. Thomas Benson löst Mitgründer Breytenbach zur Jahresmitte ab. Der bisherige Vizepräsident für globale Exploration bei Lithium Argentina AG will durch "disziplinierte Kapitalallokation, strenge technische Bewertung" und dieselben Explorationsmethoden, die er "bereits bei einigen der weltweit größten Lithiumlagerstätten" angewendete habe, "großflächige Lithiumressourcen" erschließen.
Gelingt es Benson, Lithium Africa zu einem führenden Lithiumexplorer auszubauen, sollte davon auch der Aktienkurs profitieren, der in den letzten zwölf Monaten um rund ein Viertel nachgegeben hat. Das Potenzial scheint angesichts des großen, auf Afrika konzentrierten Portfolios aussichtsreicher Lithiumprojekte und der anhaltenden Nachfrage nach dem Batteriemetall vorhanden.