Guineas Exportboom bringt Eisenerzproduzenten in Bedrängnis

Guineas Exportboom bringt Eisenerzproduzenten in Bedrängnis Paul Kagame / Flickr, CC BY-NC-ND 4.0

Ausgerechnet in einer schwierigen Marktphase exportiert Guinea immer mehr Eisenerz. Im dritten Quartal 2026 verschiffte das westafrikanische Land 8,9 Mio. Tonnen, fast 48 % mehr als im Vorquartal. Der Anstieg geht vor allem auf Simandou zurück, ein Minenprojekt im Südosten des Landes.

Zwei Betreiber prägen Guineas wachsende Exporte

Der US-Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg berichtet, dass laut Regierungsangaben 6,55 Millionen Tonnen auf das chinesisch-singapurische Bergbaukonsortium Baowu Winning Consortium Simandou entfielen. Simfer steuerte 2,16 Millionen Tonnen bei. An diesem Gemeinschaftsunternehmen sind der internationale Bergbaukonzern Rio Tinto GB0007188757 852147, der chinesische Staatskonzern Chinalco und der guineische Staat beteiligt.

Zusammen standen beide Gruppen für fast 98 % der gemeldeten Ausfuhren. Im zweiten Quartal hatte Guinea insgesamt erst sechs Millionen Tonnen Eisenerz exportiert. Innerhalb von drei Monaten stiegen die Lieferungen somit um rund 2,9 Mio. Tonnen.

Simandou ist in vier Bergbaublöcke aufgeteilt, von denen die beiden Betreiber jeweils zwei kontrollieren. Die ersten Verschiffungen begannen im Dezember 2025. Für den Abtransport sind mehr als 600 Kilometer Eisenbahnstrecken sowie Hafenanlagen an der Küste erforderlich. Nach deren vollständigem Ausbau soll die gemeinsame Infrastruktur Exporte von bis zu 120 Mio. Tonnen jährlich ermöglichen.

Bis dahin müssen Bergbau und Logistik noch gemeinsam hochgefahren werden. Rio Tinto meldete für die SimFer-Mine im dritten Quartal eine auf das Jahr hochgerechnete Förderrate von rund zehn Millionen Tonnen. In der zweiten Hälfte 2028 soll die Jahresrate 60 Mio. Tonnen erreichen. Die Inbetriebnahme des eigenen SimFer-Hafens ist für das erste Quartal 2027 geplant.

Guineas Rolle in der weltweiten Angebotsbilanz

Nach Einschätzung der australischen Investmentbank Macquarie gleichen die Lieferungen aus Simandou Produktionsrückgänge in anderen Regionen aus. Dadurch wird das über See gehandelte Eisenerzangebot gestützt. Weltweit rechnet die Bank für 2026 mit einem Angebotsplus von rund 14 Mio. Tonnen. Zugleich erwartet Macquarie für China einen Rückgang der heimischen Eisenerzförderung um etwa 4,5 %.

Halten die im Oktober erreichten Verschiffungsmengen an, könnten die Simandou-Exporte im Gesamtjahr rund 28 Mio. Tonnen erreichen. Voraussetzung dafür sind allerdings geeignete Wetterbedingungen. Auch der weitere Ausbau der Transportkette spielt für das Liefertempo eine wichtige Rolle.

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Schwache Stahlnachfrage verschärft Kostendruck

Neben dem wachsenden Angebot setzt die verhaltene Nachfrage der Stahlindustrie den Eisenerzpreis unter Druck, besonders in China. Seit seinem Hoch im Mai hat Eisenerz rund 24 % an Wert verloren. Im Oktober fiel der Preis zeitweise unter 90 USD je Tonne.

Der anhaltende Immobilienabschwung und rückläufige Infrastrukturinvestitionen belasten den chinesischen Stahlverbrauch. Die Nachfrage aus der Industrie wächst zwar, kann diese Einbußen laut dem internationalen Stahlindustrieverband worldsteel jedoch nicht ausgleichen. Für China erwartet der Verband deshalb 2026 einen Rückgang des Stahlbedarfs um zwei Prozent. Weltweit dürfte die Stahlnachfrage bei rund 1,72 Mrd. Tonnen stagnieren.

Bei Minen mit hohen Förderkosten fällt der Preisrückgang besonders ins Gewicht. Hohe Frachtraten und Dieselkosten zehren zusätzlich an den ohnehin geringeren Erlösen. Das trifft vor allem Betriebe, die ihr Eisenerz über weite Strecken transportieren müssen. Nach einer Schätzung der Schweizer Großbank UBS könnten bei Eisenerzpreisen unter 90 USD bis zu 170 Mio. Tonnen Förderung unrentabel werden.

Für 2027 rechnet worldsteel weltweit mit einem Anstieg des Stahlbedarfs um 1,7 %, während in China ein weiterer Rückgang um ein Prozent erwartet wird. Wächst die Stahlnachfrage langsamer als das Eisenerzangebot, steigt der Druck auf kostenintensive Minen, ihre Förderung zurückzufahren.