Milliardeninvestitionen in Saudi-Arabiens Rohstoffsektor geplant
Mit milliardenschweren Projekten will Saudi-Arabien einen festen Platz in den globalen Lieferketten für Kupfer, Lithium und Seltene Erden erobern. Allerdings sind Teile der heimischen Rohstoffvorkommen noch kaum erkundet, und der Aufbau neuer Produktionsanlagen erfordert weit mehr als Kapital.
Rohstoffreichtum ist bislang ein Schätzwert
Das Königreich gibt an, rund 110 Mio. Tonnen Rohmaterial mit Seltenen Erden und Uran identifiziert zu haben. Die Menge klingt gewaltig, sagt aber über tatsächlich wirtschaftlich förderbare Vorkommen wenig aus. Selbst bei nachgewiesenen Rohstoffen sind weitere geologische und technische Bewertungen nötig, bevor daraus rentable Bergbauprojekte entstehen können.
Die Regierung beziffert den Wert der mineralischen Ressourcen inzwischen auf rund 2,5 Bill. USD. Das entspricht einem Anstieg um rund 90 % gegenüber 2016, als noch ein Wert von 1,31 Bill. USD angesetzt wurde. Nach Angaben der Analysesparte Market Intelligence von S&P Global beruht die Neubewertung auf zusätzlichen geologischen Erkenntnissen. Dazu zählen neu identifizierte Vorkommen Seltener Erden sowie höhere Ressourcenschätzungen für Phosphate, Kupfer, Zink und Gold.
Erkundungsbudgets wachsen, bleiben aber international klein
Bei der Exploration konzentriert sich Saudi-Arabien bislang auf wenige Rohstoffe. Rund 72 % des gesamten Explorationsbudgets entfielen 2025 auf Gold, nach 55,2 % im Jahr 2022. Weitere 23 % flossen zuletzt in die Suche nach Kupfer. Große Teile des Arabischen Schildes, einer geologischen Region im Westen Saudi-Arabiens, sind dagegen noch wenig untersucht.
An bestehenden Bergbaustandorten stiegen die Explorationsausgaben zwischen 2022 und 2025 von 21 auf 146 Mio. USD. Damit hat sich dieser Etat innerhalb von drei Jahren nahezu versiebenfacht. Das gesamte saudi-arabische Explorationsbudget lag 2025 allerdings bei rund 236 Mio. USD. Etwa 62 % davon entfielen auf Arbeiten an bestehenden Standorten. S&P Global erfasst im Königreich 24 Explorationsprojekte und 17 Projekte in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium.
Trotz der höheren Ausgaben liegt Saudi-Arabien noch deutlich hinter etablierten Bergbaunationen zurück. Australien und Kanada investieren laut S&P Global üblicherweise jeweils mehr als eine Milliarde USD jährlich in die Suche nach Bodenschätzen.
Saudi-Arabien plant Ausbau der Metallverarbeitung
Für die geplanten Schmelzen und Raffinerien kommen auch importierte Rohstoffe infrage. Saudi-Arabien könnte damit zusätzliche Verarbeitungsschritte übernehmen und einen größeren Teil der industriellen Wertschöpfung im eigenen Land halten. Eigene Rohstoffströme gibt es bereits: Nach Angaben der Geologiebehörde US Geological Survey exportierte Saudi-Arabien 2024 rund 320.000 Tonnen Kupferkonzentrat nach China.
An der geplanten Verarbeitung Seltener Erden beteiligt sich Hastings Technology Metals AU000000HAS0 A1H79R, ein australischer Rohstoffentwickler. Gemeinsam mit dem saudischen Investitionsministerium arbeitet das Unternehmen an einem mehrstufigen Vorhaben mit angekündigten Investitionen von bis zu 1,9 Mrd. USD.
In der Kupferindustrie plant Vedanta Copper International, eine Tochter des indischen Bergbaukonzerns Vedanta INE205A01025 A0Q8EW, Projekte für rund zwei Milliarden USD. Vorgesehen sind unter anderem eine Kupferschmelze und eine Raffinerie. Der chinesische Bergbaukonzern Zijin Mining CNE100000502 A0M4ZR stellte außerdem bis zu 1,6 Mrd. USD für Zinkverhüttung, Lithiumgewinnung und Kupferraffination in Aussicht.
Zusammen stehen die drei Vorhaben für geplante Investitionen von bis zu 5,5 Mrd. USD. Wirtschaftliche Vorteile verspricht sich Saudi-Arabien unter anderem von seiner heimischen Stromversorgung, die besonders für energieintensive Industrieprozesse interessant sein könnte. Auch die geografische Lage zwischen Europa, Asien und Afrika kann den Zugang zu internationalen Absatzmärkten erleichtern. Wie viel diese Standortvorteile tatsächlich wert sind, hängt von den späteren Produktionsbedingungen und Betriebskosten der einzelnen Anlagen ab.
Staatskonzerne sichern sich Zugang zu neuen Rohstoffen
Im Juli 2023 erwarb das saudische Rohstoff-Investitionsunternehmen Manara Minerals zehn Prozent an Vale Base Metals, dem internationalen Kupfer- und Nickelgeschäft des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale BRVALEACNOR0 897136. Mit der Beteiligung sicherte sich Saudi-Arabien eine wirtschaftliche Position in bereits bestehenden Rohstoffaktivitäten im Ausland.
Manara wurde im Januar 2023 als Gemeinschaftsunternehmen des saudischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) und des saudischen Bergbaukonzerns Maaden SA123GA0ITH7 A0RNQ7 gegründet. Maaden fördert bereits Gold und ist außerdem im Phosphat- und Aluminiumgeschäft tätig. Über Manara wollen die Partner international in Kupfer, Nickel, Lithium, Kobalt und Seltene Erden investieren. Solche Beteiligungen können den Aufbau der heimischen Industrie ergänzen, ohne dass Saudi-Arabien zunächst überall eigene Lagerstätten erschließen muss.
Parallel dazu soll die Erkundung neuer Gebiete im Königreich vorankommen. Im August 2026 unterzeichneten Maaden und der saudische Energiekonzern Aramco SA14TG012N13 A2PVHD eine Aktionärsvereinbarung für ein geplantes Gemeinschaftsunternehmen. Dieses soll vor allem auf einer rund 182.000 Quadratkilometer großen Fläche nach Kupfer suchen. Neben dem traditionellen Arabischen Schild würde damit eine weitere, bislang wenig untersuchte Region erkundet.
Elektroautos und Batteriematerialien brauchen Lithium
In Saudi-Arabien soll eine eigene Elektroautomarke entstehen: Ceer. Der Staatsfonds gründete dafür im November 2022 ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem taiwanischen Elektronikhersteller Foxconn TW0002317005 956949. Daneben investierten der saudische Staatsfonds PIF und verbundene Gesellschaften laut S&P Global insgesamt ungefähr acht Milliarden USD in den US-Elektroautohersteller Lucid US5494982029 A41FLM.
Lucid betreibt bereits eine Anlage in der King Abdullah Economic City nahe Dschidda. Bislang werden dort Fahrzeuge aus vorgefertigten Bausätzen montiert. Die ursprünglich für 2026 angestrebte vollständige Fahrzeugfertigung erwartet Lucid laut einem Quartalsbericht aus dem Sommer 2026 nun im Jahr 2027. Im August meldete der Konzern, dass die Anlagen für Presswerk, Karosseriebau, Lackierung und Endmontage noch installiert und für Produktionsversuche vorbereitet werden.
Die geplante Elektroautoindustrie schafft zugleich einen wirtschaftlichen Anwendungsbereich für Lithium aus heimischen Quellen. Im Januar 2025 stellten Aramco und Maaden ein gemeinsames Lithiumvorhaben im Umfang von rund zwei Milliarden USD in Aussicht. Die damals veröffentlichte Grundsatzvereinbarung war zunächst unverbindlich.
Zum Vorhaben gehört die Erprobung der direkten Lithiumextraktion, bei der das Metall gezielt aus den bei der Öl- und Gasförderung anfallenden salzhaltigen Flüssigkeiten gewonnen wird. Eine kommerzielle Produktion ab 2027 gilt zwar als möglich, ist aber technisch und wirtschaftlich noch nicht gesichert. In seinem Nachhaltigkeitsbericht 2025 nennt Aramco als Ziel eine Jahresproduktion von 5.000 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalent durch direkte Extraktion aus salzhaltigem Wasser. Ob sich die Technologie dauerhaft zu wettbewerbsfähigen Kosten betreiben lässt, muss allerdings noch nachgewiesen werden.
Wassermangel und Infrastrukturkosten erschweren den Ausbau
Insbesondere die Wasserversorgung könnte den Ausbau der Bergbau- und Verarbeitungsindustrie erschweren. Viele Produktionsverfahren benötigen erhebliche Mengen Wasser, das in dem trockenen Land nur begrenzt verfügbar ist. S&P Global rechnet deshalb mit einem möglichen Bedarf an zusätzlichen Entsalzungsanlagen. Weitere Investitionen könnten für Verkehrswege und Energieinfrastruktur erforderlich werden. Dazu kommen der Bedarf an qualifizierten Fachkräften sowie logistische Schwierigkeiten bei der Entwicklung neuer Standorte.
Hinter den ehrgeizigen Plänen steht die nationale Wirtschaftsstrategie Vision 2030. Sie soll zusätzliche Einnahmequellen und Arbeitsplätze schaffen und Saudi-Arabiens Abhängigkeit vom Erdölgeschäft verringern. Bis 2030 soll der Bergbau einen Beitrag von 240 Mrd. Saudi-Riyal (rund 64 Mrd. USD) zum Bruttoinlandsprodukt leisten. Außerdem strebt die Regierung 200.000 neue Arbeitsplätze und zusätzliche Investitionen von rund 27 Mrd. USD an.
Für Unternehmen sollen günstigere Rahmenbedingungen den Einstieg in den Bergbausektor erleichtern. Nach Angaben von S&P Global wurde der Steuersatz von 45 auf 20 % gesenkt. Hinzu kommen vereinfachte Genehmigungsverfahren und zusätzliche staatliche Programme zur geologischen Erkundung. Ein im Februar 2026 aufgelegtes Förderprogramm sieht zudem Zuschüsse von bis zu 25 % für förderfähige Explorationskosten vor, etwa für Bohrungen und Laboranalysen. Der Staat beteiligt sich damit an einem Teil des frühen Suchrisikos, ohne die Rentabilität späterer Bergwerke zu garantieren.

