Belarus dämpft US-Plan für günstigere Kali-Importe
Washington will seine Kali-Beschaffung breiter aufstellen. US-Präsident Donald Trump sagte am Montag, die USA arbeiteten an einem großen Kaufabkommen mit Belarus. Der Preis solle deutlich unter dem Niveau kanadischer Lieferungen liegen. Wenige Stunden zuvor hatte der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko jedoch erklärt, Belarus könne 2026 keine großen zusätzlichen Mengen für westliche Märkte liefern. Damit verlagert sich die zentrale Frage vom angekündigten Preis auf die tatsächlich verfügbare Ware.
Kanada dominiert die US-Kaliimporte
Für die USA ist Kali ein Rohstoff mit hoher Importabhängigkeit. 2025 deckten Nettoimporte laut der Rohstoffbehörde U.S. Geological Survey (USGS) 92 % des amerikanischen Verbrauchs. Kanada stellte im Zeitraum 2021 bis 2024 rund 79 % der US-Importe, Russland weitere 12 %. Der USGS bezifferte Kanadas Anteil an den US-Nettoimporten 2023 separat auf rund 90 %.
Diese Abhängigkeit erklärt das Interesse Washingtons an zusätzlichen Lieferquellen. Das US-Innenministerium setzte Kali bereits 2025 auf die amerikanische Liste kritischer Mineralien. Kali liefert Pflanzen Kalium und kann somit Ernteertrag, Qualität sowie Widerstandsfähigkeit verbessern. Für Landwirte zählen daher sowohl die Versorgungssicherheit als auch der Preis am Einsatzort.
Minsk hat die Produktion bereits vertraglich gebunden
Der Vorstoß aus Washington trifft zugleich auf eine weitere Grenze. Lukaschenko zufolge ist die belarussische Produktion für 2026 bereits vollständig vertraglich gebunden. Große zusätzliche Mengen für die USA seien deshalb derzeit nicht verfügbar. Seine Aussage schließt begrenzte Lieferungen nicht aus, setzt einer schnellen Ausweitung aber enge Grenzen.
Minsk hatte den amerikanischen Markt bereits wieder geöffnet. Am 11. September sagte Lukaschenko, Belarus habe nach der Lockerung der US-Sanktionen erneut Kali in die USA verkauft. Zugleich verlangte er die Freigabe von mehr als 40 Mio. USD, die nach seiner Darstellung im amerikanischen Bankensystem festliegen.
Die US-Regierung hatte den rechtlichen Rahmen zuvor gelockert. Schon im Dezember 2025 erlaubte die US-Sanktionsbehörde Transaktionen mit dem belarussischen Staatsproduzenten Belaruskali und der staatlichen Exportgesellschaft Belarusian Potash Company. Am 26. März 2026 strich die Behörde beide Unternehmen von ihrer Sanktionsliste.
Transport entscheidet über den versprochenen Preis
Auf europäischer Seite gilt weiterhin ein anderer Rahmen. Die geltende EU-Verordnung verbietet weiterhin Einfuhr, Erwerb und Verbringung bestimmter Kaliumchloridprodukte aus Belarus. Damit bleibt der frühere Weg über den litauischen Ostseehafen Klaipeda praktisch versperrt.
Belarus besitzt keinen eigenen Seezugang und benötigt daher für Überseelieferungen längere Transportketten. Belarussische Ware könnte über russische Häfen und längere Seewege laufen. Für den US-Endpreis zählen dann neben dem Verkaufspreis an der Quelle auch Fracht, Umschlag und verfügbare Routen. Sie können einen Teil des Preisvorteils aufzehren.
Daran knüpft auch Düngemittelanalyst Josh Linville seine Skepsis. Er erwartet von belarussischem Kali nur einen begrenzten Effekt auf US-Versorgung und Preise. Selbst eine Öffnung Klaipedas würde nach seiner Einschätzung lange und damit teure Transportwege nicht beseitigen.
Kanadas Logistik bleibt ein Vorteil
Kanadas starke Stellung profitiert von der geografischen Nähe zum US-Markt und der bestehenden Infrastruktur. Die kurze Verbindung zu den amerikanischen Agrarregionen hält die Transportwege vergleichsweise einfach.
Die im Juli verkündeten zusätzlichen US-Zölle von 50 % auf bestimmte kanadische Waren nehmen Kali ausdrücklich aus. Der angekündigte Preisabstand zu Kanada lässt sich daher nicht einfach mit diesen zusätzlichen Zöllen erklären. Maßgeblich bleiben Vertragskonditionen und Transportkosten.
Der kanadische Düngemittelkonzern Nutrien CA67077M1086 A2DWB8 äußerte sich zu Trumps Ankündigung zunächst nicht. Das Unternehmen aus Saskatchewan ist der weltweit größte Kaliproduzent und damit zentral für die bestehende nordamerikanische Lieferkette.
Beim Dünger liegt der größere Druck bei Phosphat
Aus Sicht amerikanischer Landwirte löst ein Kali-Deal zudem nicht jedes aktuelle Düngerproblem. Linville sieht derzeit ausreichend Kali verfügbar, während andere Nährstoffe stärker unter geopolitischen Störungen leiden.
Beim Stickstoff hat sich die Situation zuletzt allerdings entspannt. Nach Angaben des International Food Policy Research Institute (IFPRI), einem Forschungsinstitut für Ernährungspolitik, fielen die Preise für Harnstoff, Ammoniak und andere Stickstoffdünger seit Ende Mai um 25 bis 45 %. Ende August lag der Harnstoffpreis wieder ungefähr auf dem Niveau vom Januar. Damit ist der Stickstoffmarkt weniger angespannt als unmittelbar nach den Ausfällen am Persischen Golf.
Bei Phosphat bleibt die Lage unterdessen schwieriger. Phosphatdünger sind teuer, weil knapper Schwefel die Produktion begrenzt. Schwefelpreise haben sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Lieferungen aus der Golfregion bleiben stark eingeschränkt, obwohl andere Exportländer einen Teil der Ausfälle aufgefangen haben.
Der geplante Belarus-Deal trifft damit auf einen Markt mit zwei unterschiedlichen Problemen. Bei Kali geht es um Abhängigkeit, Preis und alternative Lieferwege. Bei Phosphat stehen knappe Vorprodukte und gestörte internationale Transportströme stärker im Vordergrund.
Für Preiseffekte zählen Tonnen, Routen und Verträge
Politisch eröffnet Washington mit Belarus eine zusätzliche Bezugsoption. Wirtschaftlich hängt die Wirkung allerdings davon ab, ob Minsk genügend Ware umleiten kann und zu welchen Gesamtkosten sie amerikanische Abnehmer letztlich erreicht. Öffentliche Angaben zu Mengen, Laufzeit, Lieferroute oder Partnern fehlen bislang. Der angekündigte niedrigere Preis ist bislang nicht durch veröffentlichte Details belegt. Erst konkrete Verträge würden zeigen, ob Belarus Kanadas dominante Stellung tatsächlich unter Preisdruck setzen kann. Vorerst begrenzen gebundene Mengen und die aufwendigere Logistik den Spielraum.

