Codelcos Sanierung wird zur Geduldsprobe bis Jahresende

Codelcos Sanierung wird zur Geduldsprobe bis Jahresende picture alliance / dpa / Felipe Trueba

Der chilenische Staatskonzern Codelco könnte seinen lang erwarteten Sanierungsplan erst Ende 2026 vorlegen. Ursprünglich war die Präsentation für Oktober vorgesehen. Damit zieht sich die Antwort auf die jahrelang stagnierende Kupferförderung und steigenden Kosten erneut hin.

Das Unternehmen untersucht nach eigenen Angaben zunächst seine strategische Lage. Auf dieser Basis soll bis zum Jahresende ein Erholungsplan entstehen. Codelco bezeichnet solche Prüfungen als üblich, wenn eine neue Führung übernimmt: Konzernchef Jorge Gómez leitet den Konzern seit Juli.

Stellenabbau noch nicht beschlossen

Vier von Reuters befragte Personen mit Einblick in die laufenden Überlegungen rechnen mit einer möglichen Reduzierung des Arbeitskräftebestands um 5 bis 20 %. Von den vier Informanten arbeiten drei bei Codelco, eine Person steht der Konzernspitze und der Regierung nahe. Codelco hält solche Spekulationen derzeit für verfrüht. Eine feste Entscheidung gebe es nicht.

Schon seit Jahren wird in Chile darüber diskutiert, ob Codelcos Personalbestand im Vergleich zu privaten Bergbauunternehmen zu groß ist. Unter der neuen Führung wird die Personalbasis von fast 77.000 Menschen nun erneut geprüft. Besonders betroffen wären wohl Beschäftigte externer Vertragsfirmen, die nicht direkt bei Codelco angestellt sind und rund acht von zehn Stellen im Codelco-Betrieb ausmachen. Stellenverluste könnten auch durch Verkäufe, Stilllegungen weniger rentabler Betriebe oder verschobene Projekte entstehen.

Die Federación de Trabajadores del Cobre (FTC), in der Codelco-Gewerkschaften zusammengeschlossen sind, erklärte, über Abbaupläne nicht formell informiert worden zu sein. Nach ihrer Darstellung sind die Personalstände bereits eng am operativen Bedarf ausgerichtet. FTC-Präsident Héctor Roco fordert deshalb eine rationale Anpassung statt pauschaler Vorgaben. Auch Juan Ignacio Guzmán, Leiter der Bergbauberatung GEM Mining Consulting, warnt vor einfachen Kürzungen. Die komplexen Betriebe könnten trotz niedrigerer Produktionsziele weitgehend ihre heutige Personalstärke benötigen, sagte er Reuters.

Neue Führung senkt Erwartungen an Förderung

Die Sanierung ist eng mit der Personalie Gómez verbunden. Vor seinem Wechsel zu Codelco half er, die Produktion der Kupfermine Collahuasi in Nordchiles Region Tarapacá zu stabilisieren. Die Mine zählt zu den größten Kupferbetrieben der Welt. An ihr sind der britische Bergbaukonzern Anglo American GB00BTK05J60 A41BF3 und der Rohstoffriese Glencore JE00B4T3BW64 A1JAGV maßgeblich beteiligt.

Nach Informationen von Reuters strebt Gómez bei Codelco nun eine ähnliche Wende an. Am Anfang steht ein realistischeres Förderziel. Frühere Pläne sahen bis zum Ende des Jahrzehnts 1,7 Mio. Tonnen Kupfer pro Jahr vor. Verwaltungsratschef Bernardo Fontaine sagte im August, in den kommenden Jahren seien eher rund 1,3 Mio. Tonnen jährlich zu erwarten. Zum Vergleich: 2025 förderte Codelco aus eigenen Minen rund 1,33 Mio. Tonnen Kupfer.

Die operative Lage hatte sich 2026 zunächst verschärft. Im ersten Halbjahr sank die Eigenproduktion auf 564.000 Tonnen Kupfer und damit um 11 % zum Vorjahreszeitraum. Bei El Teniente fiel die Produktion um 27 %, bei Chuquicamata um 22 % und bei Ministro Hales um 21 %. Bei El Teniente waren Betriebsbeschränkungen nach dem Unfall vom Juli 2025 ausschlaggebend, bei Chuquicamata größere Wartungsarbeiten im April und Mai. Bei Ministro Hales belasteten niedrigere Erzgehalte die Förderung.

Auch die Kosten entwickelten sich ungünstig. Der direkte Kostenindikator C1 – ein in der weltweiten Bergbauindustrie verwendeter Kennwert für Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz – stieg im ersten Halbjahr um 6,7 % auf 2,32 USD je Pfund. Dahinter standen geringere Fördermengen, höhere Energie- und Treibstoffpreise sowie ein Wechselkurseffekt auf in chilenische Pesos anfallende Kosten. Der hohe Kupferpreis dämpfte allerdings die finanzielle Wirkung. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um 68 % auf rund 4,6 Mrd. USD.

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Sanierungsplan verzögert sich bei hohem Kapitalbedarf

Schon im Juni hatte Fontaine angekündigt, der Umbauplan werde innerhalb von drei bis vier Monaten vorliegen. Später nannte er Oktober bis November als Zeitraum für die Vorlage. Nun verschiebt sich der Erwartungshorizont erneut, diesmal auf das Jahresende. Fontaine hatte zugleich auf schwierige Entscheidungen verwiesen, die Codelcos Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen sollen.

Der Umbau fällt zugleich in eine Phase hohen Investitionsbedarfs. Codelco gab 2025 mit über 5 Mrd. USD so viel für Investitionen aus wie nie zuvor. Für 2026 hatte der Konzern Investitionen von 4 bis 5 Mrd. USD vorgesehen. Im August erlaubte die Regierung Codelco außerdem, den gesamten Gewinn des Geschäftsjahres 2025 im Unternehmen zu belassen. Die Kapitalisierung umfasst rund 2,4 Mrd. USD und soll unter anderem den zusätzlichen Schuldenbedarf für Betrieb und Projekte begrenzen.

Chiles Arbeitsmarkt macht den Umbau besonders sensibel

Die Folgen einer großen Kürzungsrunde würden weit über den Konzern hinausreichen. Reuters bezeichnet Codelco als größtes Unternehmen Chiles. Bergbau und Rohstoffexporte spielen eine Schlüsselrolle für die Volkswirtschaft.

Im gleitenden Dreimonatszeitraum Mai bis Juli lag die Arbeitslosenquote laut Statistikamt INE bei 9,5 %. Binnen eines Jahres stieg sie um 0,8 Prozentpunkte. Reuters zufolge war dies der höchste Stand seit der schweren Pandemiephase 2021.

Eine größere Entlassungswelle bei Codelco würde deshalb in einen bereits angespannten Arbeitsmarkt fallen. Politisch steht die Debatte neben dem Beschäftigungsziel von Präsident José Antonio Kast. Seine Regierung will die Arbeitslosenquote bis 2030 auf etwa 6 % senken und mindestens 300.000 Arbeitsplätze zurückgewinnen. Kast selbst hat die Arbeitslosigkeit als eine zentrale Schwäche seiner Regierung bezeichnet. Reuters berichtet zudem von öffentlicher Frustration und Druck auf seine Zustimmungswerte sechs Monate nach Amtsantritt.

Chiles Bergbau- und Finanzministerium antworteten Reuters zunächst nicht auf Anfragen. Für Codelco bleibt damit ein enger Korridor: Kosten senken, die Förderung stabilisieren und zugleich die Folgen für Beschäftigte begrenzen.