AngloGold Ashanti: Headline-Ergebnis steigt um 58 % – Verkauf von Cerro Vanguardia zurückgestellt

AngloGold Ashanti: Headline-Ergebnis steigt um 58 % – Verkauf von Cerro Vanguardia zurückgestellt AngloGold Ashanti

AngloGold Ashanti GB00BRXH2664 A3EQAK hat am 31. Juli 2026 Zahlen vorgelegt, die zeigen, wie stark aktuell die Margen der großen Goldproduzenten vom hohen Goldpreis profitieren. Das sogenannte Headline-Ergebnis ("headline earnings") stieg im zweiten Quartal um 58 Prozent auf 1,01 Milliarden USD, nach 639 Millionen USD im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz aus Produktverkäufen lag bei rund 3,1 Milliarden USD, das EBITDA kletterte um 46 Prozent auf knapp 2 Milliarden USD (1,974 Mrd. USD). Der freie Cashflow legte um 36 Prozent auf 727 Millionen USD zu.

Höherer Preis kompensiert sinkende Förderung

Die Goldproduktion sank im Jahresvergleich um rund 7 Prozent auf 744.000 Unzen. Ursache war nicht allein der Verkauf der brasilianischen Serra-Grande-Mine im Dezember 2025: Auch die geringere Förderung bei Obuasi – Folge eines Unfalls im April, der eine zweiwöchige Betriebsunterbrechung erzwang – sowie geplante Abbausequenzen und Wartungsarbeiten an mehreren Standorten drückten die Menge. Dass der Konzern trotzdem deutlich mehr verdiente, lag maßgeblich am durchschnittlich erzielten Goldpreis, der im Jahresvergleich um 35 Prozent auf 4.446 USD je Unze stieg. Auch striktes Kostenmanagement trug nach Angaben des Unternehmens zur Ergebnisentwicklung bei.

Ganz ungeschoren kommen aber auch die Produzenten selbst nicht davon: Die All-in-Sustaining-Costs (AISC) stiegen auf 2.039 USD je Unze – vor allem wegen geringerer Goldverkäufe und um 28 Prozent höherer Erhaltungsinvestitionen. Die Cash-Kosten kletterten auf 1.480 USD je Unze. Hier schlugen eher makroökonomische Faktoren zu Buche: Inflation, höhere goldpreisgekoppelte Royalties, stärkere Lokalwährungen und gestiegene Treibstoffkosten. Immerhin gelang bei den kontrollierbaren Kosten an den selbst betriebenen Minen gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 eine strukturelle Einsparung von 20 USD je Unze. Die Jahresprognose 2026 wurde bestätigt: 2,8 bis 3,17 Millionen Unzen Produktion bei AISC von 1.780 bis 1.990 USD je Unze.

H1-Ausschüttungen mehr als verdoppelt, Rückkaufrahmen genehmigt

Von der starken Cash-Generierung profitieren auch die Aktionäre – wenn auch nicht ganz so geradlinig, wie es auf den ersten Blick scheint. Für das zweite Quartal wurde eine Dividende von 364 Millionen USD beziehungsweise 0,72 USD je Aktie erklärt. Damit lag die Quartalsdividende sogar unter den 0,80 USD aus dem zweiten Quartal 2025. Erst auf Halbjahressicht zeigt sich die volle Dynamik: Für das gesamte erste Halbjahr 2026 summieren sich die erklärten Dividenden auf 949 Millionen USD beziehungsweise 1,88 USD je Aktie – mehr als doppelt so viel wie die 469 Millionen USD (0,925 USD) im Vorjahreszeitraum.

Ergänzend genehmigten die Aktionäre am 23. Juli 2026 ein vorgeschlagenes Aktienrückkaufprogramm von bis zu 2 Milliarden USD – ein zusätzliches Instrument der Kapitalrückführung, mit dem sich AngloGold Ashanti stärker an der Kapitalallokation nordamerikanischer Wettbewerber orientiert. Tatsächliche Rückkäufe stehen damit noch aus.

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Verkauf von Cerro Vanguardia zurückgestellt

Besonders aufschlussreich für die Branche ist eine Kursänderung bei der Portfoliostrategie. Nachdem AngloGold Ashanti im Dezember 2025 die Serra-Grande-Mine in Brasilien verkauft hatte, bewertet der Konzern die Veräußerung kleinerer Minen nun deutlich zurückhaltender. CEO Alberto Calderón begründete das explizit mit dem aktuellen Goldpreisniveau: Bei den derzeitigen Preisen sei es kaum möglich, einen angemessenen Wert zu erzielen, da viele Kaufangebote auf konservativen Konsensschätzungen für den Goldpreis in zwei bis drei Jahren basierten. Konkret zurückgestellt wurde der zuvor erwogene Verkauf der argentinischen Mine Cerro Vanguardia – von einem generellen Stopp aller Minenverkäufe ist dagegen nicht die Rede.

Hohe Margen, vorsichtigere Portfoliobereinigung

Für Investoren zeigt der Bericht exemplarisch, wie stark hohe Goldpreise auf die Ergebnisse etablierter Produzenten durchschlagen: Umsatz und Cashflow wachsen deutlich schneller als die Kosten, was sich in erheblich höheren Ausschüttungen für das erste Halbjahr niederschlägt. Für die Branche ist die Zurückhaltung bei Cerro Vanguardia ein bemerkenswertes Signal – wenn Verkäufer bei hohen Goldpreisen lieber selbst weiterfördern, statt zu konservativen Konsensbewertungen zu verkaufen, könnte das M&A-Tempo im Goldsektor an mancher Stelle nachlassen. Ob daraus ein breiterer Branchentrend wird, lässt sich aus der Entscheidung eines einzelnen Unternehmens allerdings noch nicht ableiten.