Norwegen belebt drei Gasfelder in der Nordsee wieder
Norwegen will drei Gasfelder in der Nordsee wiederbeleben, die seit Jahrzehnten stillliegen. Nach Angaben der Financial Times sollen Albuskjell, Vest Ekofisk und Tommeliten Gamma ab 2028 erneut fördern. Für Oslo ist das vor allem eine Antwort auf Europas anhaltende Suche nach verlässlichen Lieferanten außerhalb Russlands und des Nahen Ostens.
Die Felder liegen nahe dem Ekofisk-Komplex vor der Südküste Norwegens. Laut dem US-Energiekonzern ConocoPhillips US20825C1045 575302 wurden für die Wiedererschließung zwei Pläne für Entwicklung und Betrieb eingereicht. Vorgesehen sind insgesamt elf Bohrungen, vier Unterwasser-Produktionsanlagen und eine Anbindung an den bestehenden Ekofisk-Komplex. Die geplanten Bruttoinvestitionen liegen bei rund 19,5 Mrd. NOK.
Das strategische Kalkül ist klar. Energieminister Terje Aasland stellte bei der Vorlage der Pläne die Bedeutung für Europas Versorgung heraus. Nach Jahren unterbrochener Lieferketten, des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und neuer geopolitischer Spannungen ist Gas aus politisch stabilen Ländern für viele Abnehmer wieder wichtiger geworden. Genau deshalb bekommt selbst ein Projekt Gewicht, das auf Lagerstätten zurückgreift, die schon in den neunziger Jahren stillgelegt worden waren.
Norwegen festigt damit seine Rolle im europäischen Markt
Für Europa ist die Entscheidung aus Oslo mehr als ein technischer Vorgang auf dem Kontinentalschelf. Sie zeigt, dass zusätzliche Mengen weiterhin gesucht werden und dass vorhandene Infrastruktur heute einen viel höheren strategischen Wert hat als noch vor wenigen Jahren. Alte Felder werden nicht aus Sentimentalität reaktiviert, sondern weil sie in ein Versorgungssystem passen, das schnelle Anbindung, berechenbare Politik und kurze Wege begünstigt.
Zu den Lizenzhaltern gehören neben ConocoPhillips auch der polnische Energiekonzern Orlen PLPKN0000018 929424 und der norwegische Öl- und Gasproduzent Vår Energi NO0011202772 A3DEH5. Petoro, die staatliche norwegische Holding für Öl- und Gaslizenzen, ist ebenfalls beteiligt. Orlen bezifferte seinen Anteil an den Reserven der drei Felder zuletzt auf rund 25 Mio. Barrel Öläquivalent, darunter mehr als 3 Mrd. Kubikmeter Gas.
Der politische Streit über neue Förderung bleibt trotzdem offen
Für Norwegen ist die Wiederöffnung der drei Felder innenpolitisch heikel. Mehr Förderung stärkt Exporte, Staatseinnahmen und Europas Versorgung. Zugleich verschärft sie den alten Konflikt zwischen Klimazielen und weiterer Erschließung. Der Fall zeigt damit ein Dilemma, das weit über Oslo hinausreicht: Europa will verlässliche Energie, doch jede zusätzliche Gasquelle steht inzwischen sofort unter politischer und ökologischer Beobachtung.
Vordergründig geht es um drei alte Felder und zusätzliche Mengen ab 2028. Dahinter steht aber die größere Einsicht, dass Europas Energiemarkt weiter auf Gas angewiesen bleibt und dass politische Stabilität, Infrastruktur und Nähe wieder stärker zählen.

