Deutschland sichert sich über Australien Zugang zu kritischen Metallen

Deutschland sichert sich über Australien Zugang zu kritischen Metallen picture alliance / CFOTO

Deutschland beteiligt sich mit 50 Mio. EUR an einer Seltenerd-Mine im Norden Australiens. Dort sollen künftig Neodym und Praseodym gewonnen werden – zwei Metalle, die für die Herstellung von Hochleistungsmagneten in Elektromotoren und Windkraftanlagen unerlässlich sind. Das gab das Bundeswirtschaftsministerium am 1. April bekannt. Ziel sei es, die Versorgungssicherheit deutscher Unternehmen mit strategischen Rohstoffen zu verbessern.

Laut Ministerin Katherina Reiche (CDU) handelt es sich um eine Investition in "industrielle Resilienz". Der Beitrag erfolgt über den deutschen Rohstofffonds und fließt in das Nolans-Projekt des Unternehmens Arafura Rare Earths (ISIN:  AU000000ARU5, WKN:  787896).

Europa bleibt abhängig von geopolitischen Engpässen

Die deutsche Investition kommt zu einem Zeitpunkt wachsender Nervosität in Europa. Der Londoner Rohstoffexperte Michael Wurmser warnt angesichts geopolitischer Spannungen vor einem "Kollaps der Versorgungssicherheit" bei kritischen Mineralien. Besonders besorgniserregend sei die Lage beim Schwefel: Der weltweite Schwefelpreis ist seit Jahresbeginn um 25 % gestiegen, im Jahresvergleich sogar um 165 %.

Der Grund: Die Straße von Hormus, durch die ein Viertel des globalen Schwefels transportiert wird – vor allem als Nebenprodukt der Ölraffination in den Golfstaaten –, ist infolge des Iran-Konflikts nur noch eingeschränkt befahrbar. Raffinerien in der Region drosseln die Produktion. Das trifft auch Europa, das auf Schwefel für die Kupfer- und Kobaltförderung angewiesen ist. Beide Metalle sind elementar für die militärische Industrie.

Strategischer Nachholbedarf auf europäischem Boden

Laut Wurmser hat Europa in der Vergangenheit zu stark auf internationale Lieferketten vertraut. Während beim Öl und Gas ein schmerzhafter, aber möglicher Umstieg gelang, fehle es bei Metallen an Alternativen. "Europa muss langfristig vertikal denken – von der Förderung über die Verarbeitung bis zur Nutzung", sagte Wurmser der Nachrichtenagentur Creamer Media. Der Blick müsse auf heimische Vorkommen wie Phosphor, Lithium, Seltene Erden oder Graphit gerichtet werden.

Tatsächlich sieht der EU-Plan "10-40-50" vor, bis 2030 mindestens 10 % des Bedarfs durch eigene Förderung zu decken, 40 % im Binnenmarkt zu raffinieren und 25 % durch Recycling beizusteuern. Doch laut Wurmser sei der Plan "disparat und unambitioniert". Ohne eine koordinierte Strategie werde Europa weder industrielle Autonomie noch militärische Handlungsfähigkeit gewinnen.

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Einzelne Projekte reichen nicht für strukturelle Wende

Die deutsche Beteiligung am australischen Projekt ist ein wichtiger Schritt – aber kein Gamechanger. Es lindert den Versorgungsdruck punktuell, verändert aber nicht die strukturelle Abhängigkeit. Noch immer werden große Rohstoffmengen ungenutzt im europäischen Boden belassen. Gleichzeitig kämpfen Unternehmen mit Genehmigungsauflagen und fehlender politischer Rückendeckung.

Wurmser warnt: "Wenn wir jetzt nicht handeln, bleiben Milliarden an Steuereinnahmen ungehoben, während Preise weiter steigen." Europa müsse lernen, mit einem volatilen Weltmarkt umzugehen, ohne jedes Mal die eigene Industrie zu gefährden. Es gehe längst nicht mehr nur um Wirtschaft – sondern um Sicherheit.