Die USA lenken Milliarden in junge Rare Earth Firmen mit ungewissem Ausgang
Die US-Regierung investiert Milliarden in den Aufbau heimischer Lieferketten für sogenannte seltene Erden. Ein prominentes Beispiel ist USA Rare Earth US91733P1075 A412UH, das 1,6 Mrd. USD an Fördergeldern erhält – obwohl das Unternehmen bislang weder gefördert noch verarbeitet hat. Ziel ist es, China als dominanten Produzenten der strategisch wichtigen Rohstoffe langfristig unabhängiger gegenüberzustehen.
USA Rare Earth plant Förderstart ohne Machbarkeitsstudie
USA Rare Earth betreibt das Projekt "Round Top" in Sierra Blanca, Texas. Das Vorkommen soll 15 von 17 seltenen Erden enthalten – darunter schwer zugängliche Metalle wie Dysprosium und Terbium, die für leistungsstarke Magneten in Elektroautos und Rüstungstechnik verwendet werden. Doch bislang liegt kein Machbarkeitsnachweis vor, die sogenannte "definitive feasibility study" steht noch aus. Fachleute bezweifeln die wirtschaftliche Förderbarkeit. Das Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS) beschrieb den Erzgehalt zuletzt als "außergewöhnlich niedrig", was die Rentabilität stark einschränken könnte.
Zudem ist unklar, wie groß die tatsächlichen Mengen seltener Erden sind. Ein Gutachten aus dem Jahr 2019 rechnete sogar damit, dass rund die Hälfte der Umsätze aus dem Abbau anderer Metalle wie Uran oder Lithium stammen könnte. Das verkompliziert die Verarbeitung und erhöht den Investitionsbedarf erheblich. Trotzdem sieht das Handelsministerium Potenzial: Die geplante Verarbeitung mittels Leaching könnte für minderwertige Lagerstätten eine Lösung sein. Erste Tests zeigen dem Unternehmen zufolge positive Ergebnisse.
Nähe zu Politik sorgt für Kritik an Förderpraxis
Ein politischer Aspekt sorgt zusätzlich für Diskussion: USA Rare Earth pflegt enge Beziehungen zu Entscheidungsträgern im Trump-Lager. So war Handelsminister Howard Lutnick früher bei Cantor Fitzgerald tätig – jener Investmentbank, die das Unternehmen bei seinem Börsengang unterstützte. Auch der Sohn des Ex-Präsidenten, Donald Trump Jr., investierte über seine Beteiligungsgesellschaft in ein anderes gefördertes Projekt. Senatorin Elizabeth Warren äußerte "ernsthafte Bedenken", ob wirtschaftliche Interessen und politische Nähe ausreichend voneinander getrennt wurden.
Die Regierung verteidigt ihre Auswahl. Man wolle eine "VC-Strategie" verfolgen, bei der aus vielen geförderten Firmen einige den Durchbruch schaffen – mit hohem Risiko, aber auch möglichem strategischem Gewinn. "Es geht darum, Resilienz aufzubauen", sagte Heidi Crebo-Rediker vom Council on Foreign Relations gegenüber der Financial Times. Auch Analyst Ryan Castilloux von Adamas Intelligence sieht das so: "Wenn nur zwei oder drei Projekte erfolgreich sind, kann das genügen, um die Abhängigkeit zu senken."
Verarbeitung in Eigenregie soll Unabhängigkeit sichern
Trotz aller Kritik bringt USA Rare Earth ein strategisch wertvolles Puzzlestück mit: Mit dem britischen Unternehmen Less Common Metals übernahm man 2023 eine der wenigen Anlagen außerhalb Chinas, die seltene Erden zu Metall weiterverarbeiten kann. Das Werk in Cheshire soll ausgebaut werden; zusätzlich entstehen neue Standorte in Oklahoma und Frankreich. In Oklahoma wurde kürzlich die erste Magnetfertigungslinie in Betrieb genommen, eine Produktion im Industriemaßstab ist ab 2029 geplant.
Ob USA Rare Earth bis dahin durchhält, ist offen. Denn viele Branchenbeobachter verweisen auf die internationale Konkurrenz: Chinas Anbieter produzieren günstiger und dominieren den Weltmarkt. Ohne staatliche Schutzmechanismen – wie Mindestpreise, wie sie bei MP Materials vereinbart wurden – bleibt fraglich, ob US-Projekte wie Round Top am Ende wirtschaftlich tragfähig sind. CEO Barbara Humpton gibt sich optimistisch: "Wir brauchen keine Preisgarantien. Die Nachfrage ist groß genug", sagte sie im Januar vor Analysten.

