Preise für Munitionsmetall Wolfram steigen um 55 %
Wolfram wird in der Werkzeugindustrie, in der Luft- und Raumfahrt, der Rüstungsindustrie sowie für Glühdrähte, Schweißelektroden und Spezialstähle eingesetzt. Das Metall ist extrem hitzebeständig und dicht – und seit einiger Zeit sehr teuer.
Allein in diesem Jahr verzeichneten die durch den Branchendienst Fastmarkets ermittelten Preise für Wolfram-APT einen deutlichen Anstieg von 900-940 USD pro mtu WO₃ im Januar auf 1.650-1.900 USD Mitte Februar. Zuvor hatte sich der Preis von Ende September bis zum Jahreswechsel bereits verdreifacht. Der Preisanstieg seit Februar 2025 beläuft sich auf mehr als 550 %.
"Selbst während der traditionell ruhigeren Zeit des chinesischen Neujahrsfestes hielt die Marktentwicklung an, und der Seefrachtpreis für APT zeigte kaum Anzeichen einer Abschwächung, da die Nachfrage nach diesen Einheiten ungebrochen war", notiert Fastmarkets-Analystin Claire Patel-Campbell in einem aktuellen Bericht zum Wolframmarkt.
Die Preisbewertung von Fastmarkets für Ferrowolfram liegt bei 200–210 USD pro kg W, verglichen mit 45–46 USD pro kg W vor einem Jahr.
China nutzt seine Marktmacht für Wolfram-Exportrestriktionen
Ursächlich für die steigenden Preise war die Einführung von Exportkontrollen für verschiedene Wolframprodukte aus China im vergangenen Jahr als Reaktion auf die Einführung von Zöllen durch die USA. Seitdem erfordert der Export der wichtigsten Wolfram-Produkte eine Lizenz.
Die chinesische Dominanz auf dem Wolfram-Markt ist erdrückend. Laut US Geological Survey wird für 2026 eine globale Produktion im Bereich von 85.000 Tonnen erwartet, was einen Anstieg um 3.000 Tonnen gegenüber dem Vorjahr markiert. 67.000 Tonnen, davon entfallen auf China, während es in den USA seit 2015 keine Wolfram-Minenproduktion mehr gibt. Auch die anderen Produktionsländer sind aus westlicher Sicht nicht Bestandteil sicherer Lieferketten: 2.400 Tonnen entfallen auf Kasachstan, je 2.000 Tonnen auf Russland und Nordkorea und 1.700 Tonnen auf Bolivien.
Abnehmer aus der Industrie suchen händeringend nach alternativen Lieferketten und schließen dabei auch direkte Käufe bei Minenbetreibern oder JVs mit diesen nicht aus. "Abnehmer aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Energie und Werkzeugbau äußern weiterhin Bedenken hinsichtlich der langfristigen Versorgungssicherheit mit Wolfram und suchen aktiv nach Alternativen weg von China", sagt Patel-Campbell.
Doch es scheint bereits ausgemacht, dass sich Knappheit und hohe Preise für Wolfram noch eine Weile fortsetzen. Erschöpfte Lagerbestände, eingeschränkte chinesische Exporte und begrenzte kurzfristige Neuzulieferungen werden die Volatilität hochhalten. "Substitution ist für die meisten industriellen Anwendungen weiterhin nahezu unmöglich, und Recycling lässt sich kurzfristig nicht ausreichend ausweiten. Neue Minenprojekte in Europa, den USA und Asien werden erst in einigen Jahren in die Lieferketten integriert werden können", spricht Patel-Campbell ein auch bei anderen Rohstoffen bekanntes Problem an.
China liefert 40 % weniger – Irankrieg treibt Nachfrage
Die Lieferungen aus China gingen seit der Einführung der Exportrestriktionen laut Daten von Project Blue, einem in London ansässigen Forschungs- und Beratungsunternehmen, das sich auf kritische Mineralien und Lieferketten der Energiewende spezialisiert hat, um etwa 40 % zurück. Verschärfend kommt die steigende Nachfrage nach Wolfram aus der Rüstungsindustrie hinzu – unter anderem für die Produktion von Munition. Im Zuge des Irankriegs werden Lagerbestände aufgebraucht und neue Bestellungen getätigt.
Der Bedarf der Industrie an alternativen Lieferquellen ist groß. Erste Bewegungen gibt es: Almonty Industries etwa kündigte die Wiederaufnahme der Produktion am Standort einer stillgelegten Mine in Südkorea an und will auch in den USA eine Mine entwickeln. CEO Lewis Black sagt, die US-Behörden hätten Almonty im vergangenen Monat bezüglich der sofortigen Materialverfügbarkeit kontaktiert. Fast die Hälfte der südkoreanischen Produktion sei für Pennsylvania bestimmt, wo sie in der Munitionsherstellung Verwendung finde.

