Seltene Erden: Japan startet Tests im Tiefseebergbau

Seltene Erden: Japan startet Tests im Tiefseebergbau picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Ryoichiro Kida

Japan vermeldet einen Meilenstein im Tiefseebergbau. Am Montag startete das Schiff Chikyu in Richtung eines Korallenatolls in der Nähe der Insel Minamitori, etwa 1.900 km südöstlich von Tokio. Dort wird die 130 Mann starke Besatzung im Tiefseeschlamm in 6 Kilometer Tiefe nach Seltenen Erden suchen. Dies gilt als der weltweit erste Versuch, Schlamm aus dieser Tiefe zur Rohstoffgewinnung zu nutzen.

Shoichi Ishii von der Meeresinnovationsplattform des Kabinettsbüros sieht im Tiefseebergbau großes Potenzial für Japans Rohstoffversorgung. "Wenn dieses Projekt gelingt, wird es von großer Bedeutung für die Diversifizierung der Beschaffung von Seltenen Erden in Japan sein."  Im Erfolgsfall sei die Gewinnung der Mineralien aus dieser Tiefe als bedeutende technologische Leistung einzustufen. Die Chikyu wird am 14. Februar im Hafen zurückerwartet.

Abbau in großem Stil könnte schon in gut einem Jahr demonstriert werden

Gelingt der Versuch, soll bereits im Februar 2027 eine groß angelegte Demonstration des Abbaus folgen. Geplant ist dann, täglich eine konstante Menge an Schlamm vom Meeresboden zu gewinnen und nach Minamitorishima zu transportieren. Dort soll dem Schlamm das Meereswasser entzogen und das Volumen so um 80 % reduziert werden. Für die weitere Verarbeitung ist dann der Transport zum Festland vorgesehen.

Die Historie des Versuchs reicht bis ins Jahr 2018 zurück: Damals entdeckte ein japanisches Forschungsteam in der Gegend um die Insel Minamitori – innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Japans – geschätzte 16 Millionen Tonnen Seltenerdelemente – genug, um den weltweiten Bedarf potenziell für Jahrhunderte zu decken. In dem Schlamm am Meeresgrund lagern demnach Dysprosiumvorräte für 730 Jahre und Yttriumvorräte für 780 Jahre. Die japanische Regierung hat seit 2018 etwa 250 Mio. USD in das Projekt investiert.

Seltene Erden wie Neodym, Dysprosium und Terbium werden derzeit bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen, Windkraftanlagen, Smartphones und militärischer Ausrüstung eingesetzt.  Japan ist insbesondere bei Seltenen Erden, die für Hochleistungsmagnete benötigt werden, in hohem Maße von China abhängig.

Peking nutzt seine Dominanz für geopolitische Machtspiele und verhängte erst letzte Woche ein Exportverbot für Güter mit doppeltem Verwendungszweck – also Waren, Software oder Technologien mit ziviler und militärischer Nutzung – nach Japan. Davon betroffen sind auch Seltene Erden, die durch die Automobilindustrie benötigt werden.

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China drosselt Seltenerdexporte nach Japan – wieder einmal

Solche Maßnahmen aus China sind nicht neu: Bereits 2010 hatte Peking nach einem Zwischenfall auf See in der Nähe umstrittener Inseln im Ostchinesischen Meer die Seltenerdexporte nach Japan eingeschränkt. Japan investierte daraufhin in Recycling und internationale Partnerschaften.

Umweltschützer sehen Tiefseebergbau kritisch und warnen vor Schäden an den Ökosystemen auf dem Meeresgrund. Norwegens Minderheitsregierung hatte im Dezember auf Druck anderer Parteien reagiert und die Lizenzvergabe für den Tiefseebergbau für den Rest der Legislaturperiode auf Eis gelegt. In diesem Jahr hätten eigentlich erste Explorationslizenzen erteilt werden sollen.  Dafür waren 386 Offshore-Blöcke ausgewählt worden. Erste Anträge auf Lizenzen durch Unternehmen waren bereits im vergangenen Jahr eingegangen.

Doch in Japan überwiegt das nationale Interesse und insbesondere das Misstrauen gegenüber China. "Die grundlegende Lösung besteht darin, Seltene Erden in Japan selbst produzieren zu können", sagt Takahide Kiuchi, leitender Ökonom am Nomura Research Institute.

Konkrete Produktionszahlen wurden bislang nicht genannt. Klar ist jedoch: Gelingt den Japanern der Nachweis, dass sich Seltene Erden zu wirtschaftlichen Kosten auf dem Meeresgrund gewinnen lassen, wird der Tiefseebergbau dadurch einen Schub erhalten.