Uranmarkt: "Großartige Zeit für Produzenten, hohe Preise für ein Jahrzehnt"

Uranmarkt: „Großartige Zeit für Produzenten, hohe Preise für ein Jahrzehnt“ picture alliance/dpa/TASS / Donat Sorokin

Der drohende Uran Handelskrieg zwischen den USA und Russland könnte den Markt kurz- und mittelfristig zusätzlich verknappen. Ende Dezember hatte das Repräsentantenhaus ein Gesetz verabschiedet, das die Einfuhr von angereicherten Uranprodukten aus Russland ab dem Jahr 2028 verbietet. Ersatz soll aus inländischer Produktion kommen.

Dazu  startete das US Energieministerium im Januar eine Ausschreibung, mit der die inländische Versorgung mit Brennstoffen für Reaktoren gesichert werden soll. Mit der Ausschreibung werden im Rahmen des Inflation Reduction Act bis zu 500 Millionen US-Dollar für HALEU (high-assay low-enriched uranium) -Anreicherungsverträge bereitgestellt.

Uranproduktion- und Anreicherung im Westen kommen auf Touren

Nicht zuletzt aufgrund der staatlichen Unterstützung und der geopolitischen Neuausrichtung in Fragen der Lieferkette könnte das Angebot langfristig deutlich wachsen. Davon gehen auch Uranprojektentwickler aus, die sich gute Perspektiven für Preise und Lieferverträge versprechen.

Bannerman Energy (WKN: A0EAC6, ISIN: AU000000BMN9) etwa berichtet über positive Gespräche mit potentiellen Käufern und zusätzliches Interesse an neuen Abnahmevereinbarungen. Das Unternehmen geht davon aus, dass dieses Interesse infolge der Produktionsengpässe beim kasachischen Bergbaukonzern Kazatomprom noch wachsen wird. Bannerman CEO Brandon Muro sieht bei Versorgungsunternehmen den klaren Trend hin zu einer stärkeren Diversifizierung des Angebots.

Das Unternehmen hat auf die steigende Nachfrage längst reagiert: Bannermann will das Etango-Projekt in Namibia bis Ende 2026 in Produktion bringen . Damit ist das Unternehmen nicht allein. Deep Yellow Ltd etwa plant die erste Produktion aus seinem Tumas-Projekt in Namibia im Jahr 2026. Deep Yellow CEO John Borshoff sieht eine "großartige Zeit für die Produzenten und eine nachhaltige Periode hoher Preise für mindestens ein Jahrzehnt" heraufziehen.

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Uranminen in den USA und Namibia gehen an den Start

Bereits November 2023 hat enCore Energy die Uranproduktion im südtexanischen Rosita-Projekt aufgenommen. Energy Fuels startete den Abbau in drei Minen in den Bundesstaaten Arizona und Utah und will jährlich 1,1-1,4 Millionen Pfund U308 produzieren. Auch die Mine Langer Heinrich von Paladin Energy wird voraussichtlich im ersten Quartal 2024 ihre Produktion wieder aufnehmen.

Doch auch im Bereich der Anreicherung bewegt sich die Angebotsseite. So vermeldete Centrus bereits im Oktober die Aufnahme des Anreicherungsbetriebs in der Anreicherungsanlage in Ohio. Der Verwaltungsrat von Orano stimmte der Erweiterung der Anreicherungskapazität in Georges Besse 2 um 30% zu. Urenco erweitert die Anreicherungskapazität in den Niederlanden um 15 %. Die Branche rechnet damit, dass diese Projekte im Bereich der Urananreicherung in den Jahren 2027 und 2028 abgeschlossen sein werden.

Der Uranpreis ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Wurden 2020 zeitweise noch von 20 USD pro Pfund gezahlt, liegt der Preis aktuell bei 103 USD pro Pfund. Ursächlich ist eine wachsende Nachfrage durch Energieversorger.

Viele Länder verlängern die Laufzeit von Reaktoren, auch neue Atomkraftwerke sind im Bau. Anfang Dezember war die Kernenergie das am meisten diskutierte Thema auf der UN Klimakonferenz COP28. Mehr als 20 Länder verpflichteten sich in einer Erklärung zur Verdreifachung der Kapazität aus Kernenergieproduktion bis 2050. Die Länder sehen in dem Ausbau der Kernenergie eine entscheidende Komponente für das Erreichen der CO2-Emissionsziele.

Die USA, Großbritannien, Kanada, Frankreich und Japan kündigten zusätzlich 4,2 Milliarden USD schwere Pläne zur Schaffung einer sicheren weltweiten Lieferkette für Kernenergie an. Im März 2024 soll zudem in Brüssel der erste Kernenergiegipfel stattfinden.

Doch auch die Aktivität auf der Nachfrageseite ist groß.

  • Korea Hydro & Nuclear Power kündigte den Netzanschluss und die erste Stromerzeugung in Shin Hanul 2 an. Parallel wurde Block 5 des KKW Hanbit nach längerer Wartungsphase wieder hochgefahren.
  • In China nahm mit Shidaowan-1der erste Reaktor der vierten Generation seinen kommerziellen Betrieb auf.
  • China startete im November mit dem Bau von Block 1 des Kernkraftwerks Xudapu und genehmigte darüber hinaus den Bau von vier neuen Reaktoren
  • In Weißrussland nahm mit Belarusian-2, der zweite von Rosatom gelieferte WWER1200 in Ostrovets (Kapazität: 1,11 GWB) im November den kommerziellen Betrieb auf
  • In Russland erhielt der Konzern Rosatom die Genehmigungen für den Bau der Blöcke 7 und 8 im KKW Leningrad
  • In Belgien werden die Reaktoren Tihange 3 und Doel 4 um bis zu zehn Jahre länger betrieben, die Wiederinbetriebnahme ist ab November 2025 geplant.
  • Noch 2024 wird der erste türkische Atomreaktor (Block 1 des KKW Akkuyu) in Betrieb gehen
  • In Kalifornien wurden die Laufzeiten für die Blöcke 1 und 2 des KKW Diablo Canyon bis 2030 verlängert.