Rohstoffgigant: Was bedeuten die Wahlen in Indonesien für den Nickelmarkt?

Rohstoffgigant: Was bedeuten die Wahlen in Indonesien für den Nickelmarkt? picture alliance / ZUMAPRESS.com / Hariandi Hafid

In Indonesien wird an diesem Mittwoch gewählt. Damit endet die zehnjährige Amtszeit von Präsidenten Joko "Jokowi" Widodo an der Spitze des weltweit größten Produzenten von abgebautem und veredeltem Nickel.

Der Präsident hat einige wegweisende Entscheidungen getroffen. Im Westen am präsentesten dürfte das Exportverbot für unverarbeitetes Nickel im Jahr 2020 sein. Jokowi wollte damit mehr Wertschöpfung im eigenen Land halten und Indonesien einen Platz in der globalen Lieferkette für EV-Batterien sichern.

Indonesien: Nickelexporte verzehnfachen sich innerhalb von fünf Jahren

Mit Erfolg: Der Wert der Nickelexporte Indonesiens verzehnfachte sich innerhalb von fünf Jahren. Laut Benchmark Mineral Intelligence war das asiatische Land 2023 mit 54 % bzw. 50 % an der weltweiten Produktion von abgebautem bzw. veredeltem Nickel Weltmarktführer.

Das Ende dieser Wachstumsstory ist noch lange nicht erreicht: Schon 2025 sollen auf das südostasiatische Land 60 % des weltweiten Nickelangebots entfallen, 2030 dann 75 %. So lauteten jedenfalls die bisherigen Prognosen. Welche Richtung könnte das Land für seine Rohstoffstrategie nach der Wahl einschlagen?

Favorit auf die Nachfolge von Jokowi ist der derzeitige Verteidigungsminister Prabowo Subianto. Subianto liegt in Umfragen vorn und genießt die Unterstützung des noch amtierenden Präsidenten. Für eine Mehrheit beim ersten Urnengang reicht es aber möglicherweise nicht – dann entscheidet am 26. Juni die Stichwahl.

Weitere Kandidaten sind mit Anies Baswedan der ehemalige Gouverneur von Jakarta und mit Ganjar Pranowo der ehemalige Gouverneur von Zentral-Java.

Die meisten Beobachter erwarten, dass die Downstreaming-Politik der Jokowi-Ära unter allen Kandidaten fortgesetzt würde. Strengere Umweltauflagen wären wohl am ehesten von Anies Baswedan zu erwarten.

Eine weitere Konstante dürfte die ausgewogene geopolitische Positionierung zwischen dem Westen und China sein. Prabowo hat dieses Ziel im Wahlkampf bekräftigt und erklärt, die ideale indonesische Außenpolitik sei eine "Blockfreiheit" und eine aktive Zusammenarbeit mit allen Ländern.

Ob diese Gratwanderung auf Dauer gelingt? Der neue Präsident jedenfalls sieht sich direkt mit Handelskonflikten zum Westen konfrontiert.

Handelskonflikte mit westlichen Ländern bahnen sich an

Die EU hatte gegen das Nickel-Exportverbot Beschwerde bei der WTO eingereicht, die WTO entschied zugunsten der WTO. Indonesien wehrt sich und will Berufung einlegen.

In den USA dagegen könnten Batteriehersteller aufgrund der FEOC Definition des Inflation Reduction Acts (IRA) gezwungen sein, auf indonesisches Nickel zu verzichten. Die FEOC (Foreign Entity of Concern) Definition zielt auf China und dessen Vormachtstellung auf vielen Rohstoffmärkten ab.

Gemäß der Definition erhalten Unternehmen, die zu mehr als 25 % im Besitz oder unter der Kontrolle eines FEOC sind – einschließlich Vorstandssitzen, Stimmrechten oder Eigenkapital – keinen Anspruch auf Steuergutschriften gemäß dem Inflation Reduction Act (IRA).

Im indonesischen Nickelsektor sind jedoch zahlreiche chinesische Unternehmen vertreten. Darunter befinden sich etwa Tsingshan Holdings, CNGR Advanced Material, Huayou Cobalt und Lygend Resource Technology. Auch an Projekten mit westlicher Beteiligung halten chinesische Unternehmen häufig die Mehrheit. Das Weda Bay-Projekt von Eramet etwa befindet sich zu 51,3 % im Besitz von Tsingshan.

Zwar wird in Zukunft aufgrund steigender westlicher und inländischer Investitionen mit einem Rückgang des chinesischen Anteils am Sektor gerechnet. So schätzt Benchmark Mineral Intelligence, dass der Anteil der mehrheitlich in chinesischem Besitz befindlichen Batterie-Nickel-Projekte von 84 % im vergangenen Jahr auf 55 % im Jahr 2032 sinken wird.

Dennoch bleibt die chinesische Präsenz für westliche Unternehmen ein Problem. Schließlich gilt etwa die FEOC-Definition – und ganz allgemein die Sorge vor einer Abhängigkeit von Peking – nicht nur für die Erzgewinnung, sondern auch für die Weiterverarbeitung.

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China hat den Westen in Indonesien abgehängt

China ist Indonesiens größter Handelspartner und eine wichtige Quelle für Direktinvestitionen. Sowohl in der Politik als auch in Unternehmen gibt es enge Verbindungen in die Volksrepublik.

Zwischenzeitliche Annäherungen an den Westen indes erwiesen sich als nicht ausreichend substanziell. So wurde im vergangenen Jahr ein partielles Handelsabkommen diskutiert (ähnlich dem, das die USA mit Japan geschlossen haben), das jedoch nicht zustande kam.

Die Vorbehalte in Washington sind groß. Zum einen sorgt der Umstand, dass Indonesien Exportrestriktionen und generelle Änderungen der Rohstoffpolitik mitunter sehr schnell ausspricht und umsetzt. Investitionsminister Bahlil Lahadalia etwa äußerte  unlängst zur Abschaffung von Steuerbefreiungen für Hütten mit geringem Nickelgehalt: "Wenn wir sagen würden, dass die Industrie bereit sein muss, bevor wir den Export stoppen, würde das zu lange dauern und wir würden die gleichen alten Ausreden bekommen."

"Wie der neue Staatschef die Nachhaltigkeit und die geopolitischen Bedenken der USA unter einen Hut bringen kann, wird entscheidend sein, da dies Auswirkungen auf die Nachfrage nach indonesischen Mineralien haben wird", kommentiert Benchmark Mineral Intelligence.

Kurzfristig könnte für den neuen Präsidenten Indonesiens allerdings ein anderes Problem dringlicher werden als die geopolitische Positionierung: Der Nickelmarkt entwickelt sich  – wie auch die Märkte für andere Batteriemetalle – äußerst schwach. Allein in den letzten zwölf Monaten ist der Nickelpreis um mehr als 40 % gefallen, eine Konsolidierung ist noch nicht abzusehen.

Für das globale Nickelangebot ergeben sich aus den Wahlen in Indonesien absehbar keine größeren Auswirkungen.