Kanada: Mary River Mine wird nicht erweitert

Kanada: Mary River Mine wird nicht erweitert

Kanada kommt bei der Lieferung kritischer Mineralien eine entscheidende Rolle zu. Doch auch dort wächst der Widerstand gegen den Bergbau. Nun wurde die Erweiterung der Mary River Mine abgesagt.

Die Mary River Mine liegt im Mary River-Gebiet der Qikiqtaaluk-Region, auf Baffin Island, Nunavut, im kanadischen arktischen Archipel. Die Liegenschaft im Besitz der Baffinland Iron Mines Corporation (BIMC)gilt als eine der vielversprechendsten Eisenerzvorkommen der Welt. Der Betrieb startete 2014, das Potenzial gilt als noch lange nicht ausgeschöpft.

Erweiterung hätte jährliche Eisenerzproduktion verdoppelt

Die Mine befindet sich auf Land, das der indigenen Bevölkerung gehört. Diese wehrte sich gegen die geplante Erweiterung – und hatte damit Erfolg. Am vergangenen Mittwoch schloss sich Dan Vandal, Minister für nördliche Angelegenheiten zusammen mit anderen Kabinettsmitgliedern einer Empfehlung des Nunavut Impact Review Board an. Die Begründung: Befürchtete negative Auswirkungen auf Wildtiere, Vegetation und Wasser sowie die Inuit-Kultu.

Die Erweiterung hätte die jährliche Produktion von Erz auf 12 Millionen Tonnen verdoppelt. Baffinland kann die Ablehnung nicht nachvollziehen. So wäre es im Rahmen der Erweiterung zu einer Reduzierung von Staub, Emissionen und Abfall gekommen. Das Unternehmen hatte verschiedene Infrastrukturinvestitionen geplant, darunter den Bau einer 110 Kilometer langen Eisenbahnstrecke von der Mine zum Hafen von Milne Inlet.

Die Eisenbahnlinie hätte die Transportkosten gesenkt – laut Baffinland ein entscheidender Schritt für die Konkurrenzfähigkeit auf dem starken Preisschwankungen unterworfenen Markt.

Das Unternehmen verwies auf die große wirtschaftliche Bedeutung der Mine für die Region und schätzt die Mehreinnahmen für Regional- und Bundesregierung sowie die Inuit-Vereinigungen Nunavut Tunngavik Inc. und die Qikiqtani Inuit Association über die Lebensdauer der Mine auf 4,7 Mrd. USD.

Aktuell beschäftigt Baffinland in der Mary River Mine 2.500 Mitarbeiter – darunter auch 350 Inuit. Damit ist der Bergbauer der größte private Arbeitgeber und der zentrale Wirtschaftsfaktor.

Widerstand gegen Schiffs- und Eisenbahnverkehr

Umweltschützer und weite Teile der Politik folgen den Ausführungen von Baffinland nicht. So sorgen sich Inuit und Umweltorganisationen um die Narwale und fürchten Auswirkungen durch die Schifffahrt. Die geplante Eisenbahnlinie hätte demnach die traditionelle Landnutzung und die Wanderung der Karibus beeinträchtigen können.

Lob für die Ablehnung der Minenerweiterung gab es auch von David Akeeagok, Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Verkehr und Umwelt in Nunavut. Auch die Nunavut Tunngavik Incorporated – diese vertritt indigene Bevölkerungsgruppen -, die Qikiqtani Inuit Association, Oceans North und WWF Canada lobten die Entscheidung, die durch Einwohner der 170 Kilometer entfernten Stadt Pond Inlet Medienberichten zufolge mit Feuerwerk und Hupkonzerten gefeiert wurde.

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Baffinland legt Fokus auf Erhaltung der Mine

Baffinland hatte im Rahmen der vierjährigen Anhörungs- und Entscheidungsprozesse betont, dass es ohne die geplante Erweiterung auch zu einer Schließung der Mary River Mine kommen könnte – zumindest vorübergehend.

Baffinland-Sprecher Peter Akman ließ verlauten, eine mögliche Schließung hänge auch von der Entwicklung des Eisenerzpreises ab. Auch die Frage, ob das jährliche Verschiffungskontingent im Umfang von sechs Millionen Tonnen weiterhin bestehe sei relevant. Gegner der Minenerweiterung bezeichneten die Diskussion über eine vollständige Schließung von Mary River als Drohung.

Die Ablehnung der Minenerweiterung ist von internationaler Bedeutung, wenngleich der Markt für Eisenerz derzeit nicht für ausgeprägte Knappheiten bekannt ist. Das Beispiel könnte jedoch Schule machen und auch andere Minenprojekte betreffen – dann möglicherweise auch solche im Bereich des Lithiumabbaus.

Die kanadische Regierung sieht in der starken Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen eine Jahrhundertchance für das Land. Gleichzeitig scheinen in Kanada ebenso wie in südamerikanischen Abbauländern die Widerstände gegen den Bergbau zu wachsen.

Kanada spielt eine zentrale Rolle bei der Rohstoffversorgung und dem Versuch, die Abhängigkeit von China in verschiedenen Bereichen zu reduzieren. Zahlreiche Explorationsgesellschaften sind deshalb in den kanadischen Hotspots aktiv um neue Vorkommen zu erschließen.