Für die London Metal Exchange (LME) kommt es knüppeldick. Nach dem Chaos im Nickelhandel im März brachen die Umsätze im April drastisch ein. Außerdem verklagen mehrere von der Handelsaussetzung betroffene Marktteilnehmer das Unternehmen auf hunderte Millionen Dollar.

Den 8. März wird die LME so schnell nicht los. Damals verdoppelten sich die Nickelpreise innerhalb weniger Stunden auf mehr als 100.000 USD pro Tonne. Der Grund: Marktteilnehmer spekulierten auf Wiedereindeckungskäufe der chinesische Tsingshan Holding Group. Die LME reagierte und stoppte den Handel. Alle am 8. März ausgeführten Transaktionen wurden storniert.

Zuletzt war es 1985 zur Aussetzung des Handels gekommen – damals brach ein internationales Zinnkartell zusammen.

„Analyst: Vertrauen in den Nickelhandel erodiert“

Viele Marktteilnehmer haben infolge der viel kritisierten Entscheidung das Vertrauen in die LME verloren. So zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Commerzbank Analysten Daniel Briesemann: „Die Turbulenzen haben viel Vertrauen in den Nickelhandel erodiert“.

Reuters zufolge ziehen sich Marktteilnehmer wie zum Beispiel Metallproduzenten zurück, weil sie nicht glauben, dass die Nickelpreise an der LME die Fundamentaldaten widerspiegeln. Ein Problem: Die LME befindet sich im Besitz der Hong Kong Exchanges and Clearing Ltd. Dieses Unternehmen wird durch China kontrolliert. Im Hinblick auf die Behandlung der großen chinesischen Shortposition ergeben sich so Interessenkonflikte.

Das Handelsvolumen sowie das Open Interest im LME Nickelhandel sind deshalb deutlich zurückgegangen. Das durchschnittliche tägliche Volumen ging im April um 28 % im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Dies ist der niedrigste Stand seit Sommer 2012.

 Im Januar und Februar war das Volumen noch jeweils um rund 20 % gestiegen. Das Open Interest ging gegenüber dem 16. März – damals wurde der Handel nach dem Chaos wieder aufgenommen – um 28 % auf nur noch gut 160.000 Lots zurück. Dies entspricht einem Zehnjahrestief.

Die Krise verstärkt sich selbst. Der Rückgang der Liquidität zieht zwangsläufig einen weiteren Liquiditätsrückgang nach sich. Der Grund dafür sind interne Richtlinien von Investmentfonds und anderen Marktteilnehmern, die ausschließlich in liquide Märkte investieren.

Als solcher zählt der Nickelhandel an der LME für viele Akteure nun nicht mehr. Reuters zitiert den Mitarbeiter eines Metallhändlers, demzufolge der Kauf oder Verkauf einiger hundert Lots den Nickelpreis an der LME um mehrere tausend USD bewegen könnte.

Die ersten beiden Marktteilnehmer Klagen gegen die LME

Mittlerweile sind auch die ersten Klagen gegen die LME auf dem Weg. Zwei große Marktakteure verklagen die Börse auf insgesamt rund 500 Millionen USD. Der Hedgefonds Elliott Management Corp. verlangt 456 Millionen USD, der Market Maker Jane Street Group LLC weitere 15,3 Millionen USD.

Beide Marktteilnehmer klagen gegen die Entscheidung der Börse, die Trades vom 08. März zu stornieren. Eingereicht wurden die Klagen getrennt beim Englischen High Court. Die Richter müssen nun die Rechtmäßigkeit der Entscheidung der LME bewerten.

Ein Elliott-Sprecher kommentierte, dass die LME mit der Stornierung von Handelsgeschäften ihre Befugnisse überschritten und unangemessen und irrational gehandelt habe. Jane Street sprach im Zusammenhang mit der Klage von illegalen Handlungen der LME, die dem Unternehmen Verluste zugefügt hätten. Die „willkürliche Entscheidung (…), Nickelgeschäfte in einer hochvolatilen Phase zu stornieren, untergräbt die Integrität der Märkte und schafft einen gefährlichen Präzedenzfall“.

Weitere Klagen könnten folgen – glaubt jedenfalls Ashraf El-Ansary, Managing Partner bei Principa Capital. Es gebe viele Investoren, die an der Geltendmachung eines Anspruchs Interesse hätten. Der Handel am 08. März sei beträchtlich gewesen. Principa selbst habe den Handel an der LME eingestellt.

Die britischen Finanzaufsichtsbehörden hatten bereits im April eine Untersuchung im Zusammenhang mit dem LME Nickelhandel eingeleitet. Financial Conduct Authority und Bank of England wollen demnach Governance, Marktaufsicht und Risikomanagement der Börse verbessern. CEO Matthew Chamberlain hat deshalb frühere Abgangspläne auf Eis gelegt und wird die LME auch weiter führen.