Glaubt man Kostas Bintas, Leiter des Kupferhandels bei der Tafigura Group, könnte Kupfer gestärkt aus der Krise kommen. Noch im März sah die Lage rund um Industriemetalle schlecht aus und auch Bintas bekam dies zu spüren. Doch inzwischen mehren sich die Anzeichen für ein fulminantes Comeback von Industriemetallen und insbesondere Kupfer. Bintas verweist auf die gestiegene Nachfrage aus China und die vielen Konjunkturpakete rund um den Erdball. Besonders vielversprechend sind für den Marktkenner die vielen Investitionen in grüne Infrastruktur – wenn in Zukunft mehr regenerative Energie erzeugt und gespeichert werden sollen, werden neue Stromtrassen nötig. Kupfer sollte davon profitieren.

Kupfer schüttelt Corona-Angst ab

Der Kupfer-Kenner berichtet aus seiner täglichen Praxis, dass viele Kunden nach dem Lockdown nicht nur bereits bestellte Ware entgegennahmen, sondern die Bestellungen gar ausweiteten, um sich gegen weitere Störungen der Lieferketten zu wappnen. Aus diesem Grund erwartet Bintas beim Kupfer-Preis eine V-förmige Erholung. Zwar sind nicht alle Marktkenner derart optimistisch, doch vertraut Bintas auf seine Informationen direkt vom Kupfermarkt.

Bei Kupfer droht Angebotsengpass

Hinzu kommt, dass die Pandemie auch auf der Angebotsseite Spuren hinterlassen hat. Viele Minen hätten ihren Betrieb eingestellt oder Projekte zur Ausweitung ihrer Kapazitäten vorerst auf Eis gelegt. Konkret könnte der Ausstoß an Kupfer in Folge von Corona um 400.000 Tonnen gesunken sein. Auch von der Recycling-Seite gebe es aktuell wenig Angebot. Wie Bintas berichtet, zahlen Käufer für Kupferschrott teils höhere Preise, als für brandneues Metall.

Bintas glaubt, dass Kupfer angesichts der hohen Entwicklungskosten für Minen 7.600 Dollar je Tonne kosten müsste, um Anreize für nötige Investitionen zu schaffen. Bintas erwartet, dass die Nachfrage nach Kupfer auf Sicht von zehn Jahren jährlich um 3,4 Prozent zunimmt. Vor allem der Trend hin zu regenerativen Energien und die dafür nötigen Leitungskapazitäten würden die Nachfrage anschieben. Weiten Kupfer-Produzenten ihren Ausstoß nicht bald aus, drohe ein Angebotsengpass und folglich stark steigende Preise.

„Nicht vom Marktrauschen irritieren lassen“

Bintas rät Anlegern dazu, das Marktrauschen rund um eine zweite Welle oder auch einen Einbruch der Konjunktur zu ignorieren und stattdessen auf die Informationen des Kupfermarktes zu vertrauen. Dies sei das wertvollste Feedback, um die Entwicklung des Kupferpreises prognostizieren zu können. Für den Marktkenner dürfte das kommende Jahrzehnt stark steigende Kupferpreise bringen.