In den letzten drei Monaten ist der Preis für Eisenerz um satte 20% gestiegen und liegt aktuell bei 88 USD. Die Benchmark Spot Preise erreichten den höchsten Stand seit 2017. Der globale Eisenerzmarkt ist von einem Angebotsschock erfasst.

Grund hierfür ist der tödliche Dammbruch in Brasilien vor einem Monat und die dadurch resultierende Gefährdung eines Produktionsausfalls von 70 Millionen Tonnen Eisenerz pro Jahr.

Viele Analysten haben daraufhin die Prognosen für Eisenerz deutlich nach oben revidiert. Goldman Sachs rechnet sogar damit, dass höhere Preise dazu führen werden, dass in China die Produktion angekurbelt wird. Citigroup Inc. und die Commonwealth Bank of Australia erwarten kurzfristig einen Eisenerzpreis von 100 USD.

Pan, CEO der Hanking Group Co. – ein großes chinesisches Bergbauunternehmen, glaubt allerdings nicht daran, dass einheimische Eisenerzminen ihre Produktion steigern werden; zu groß sind die strengen Umweltgesetze in China.

„Ich glaube wirklich, dass dies fragwürdig ist“, sagte Pan Guocheng in einem Telefoninterview. „Wenn Chinas Minen mehr produzieren könnten, dann würden sie dies schon längst tun. Die Eisenerzpreise waren bereits in den letzten Jahren hoch. Die Zurückhaltung hat mit dem Umweltschutz und anderen Gründen zu tun.“

China verfügt zwar über einen bedeutenden Erzbergbau, die Produktion wurde jedoch in den letzten Jahren deutlich gekürzt. Der Eisenerzgehalt chinesischer Minen ist im Vergleich zu anderen Ländern niedriger und die Kosten sind höher. Zudem leiden die Produzenten unter dem harten Durchgreifen der Umweltbehörde.

Die inländische Produktion wird durch Importe aus Übersee bei weitem in den Schatten gestellt. China ist der größte Eisenerz-Importeur der Welt und führt jährlich mehr als 1 Milliarde Tonnen ein.

Helen Lau, Analystin bei Argonaut Securtities Ltd., glaubt trotz dieser rosigen Preis-Aussichten nicht an einen Produktionsanstieg in China. Die Minenunternehmen müssten zu hohe Investitionen tätigen, um die Produktion steigern zu können.

Gedrosselte Produktion

„Möglicherweise könnten einige kleine Minen wieder in Betrieb gehen, aber das ändert nichts an dem allgemeinen Trend“, sagte auch Pan. Er schätzte bereits 2017, dass zwei Drittel der kleinen bis mittelgroßen Eisenerzminen in China stillgelegt worden seien. „Die heimische Eisenerz-Produktion wird deutlich zukünftig niedriger sein. Dies ist der Trend für die nächsten Jahre.“

Der Markt habe auf die Versorgungsunterbrechungen, die durch den Dammbruch und konsequenterweise durch die Produktionsunterbrechung verursacht wurden, überreagiert, sagen chinesische Experten aus der Stahlindustrie. Der Verlust aus Brasilien könne durch Importe aus anderen Ländern ausgeglichen werden. Die Preise sollten sich wieder beruhigen.

In China gibt es derzeit immer noch ein Überschuss des Rohmaterials. In den Häfen herrscht angesichts der schwachen saisonalen Stahlnachfrage ein hoher Bestand, so die China Iron and Steel Association in einer Analyse auf ihrer Website.

Der Experte Pan spricht von drei wichtige Punkten, die Druck auf die inländische Eisenerzproduktion in China ausüben. Die Vorräte in der Region Nordost-Liaoning erschöpfen sich allmählich, viele kleine Minen um Hebei haben aufgrund von Umweltgesetzen geschlossen und viele Minenminen, die nur geringe Grade an Eisenerz fördern wurden von der Regierung angeordnet zu schließen, um Umwelt- und Landschaftsschäden zu vermeiden.

„China wird in Bezug auf Umweltschutzmaßnahmen strenger und strenger sein, sie werden keine dieser Vorschriften lockern“, sagte Pan. Hanking selbst habe zwei der drei Minen stillgelegt.