Die drei Monate andauernde Preisrally von Nickel fand diese Woche ein vorübergehendes Ende. An der London Metal Exchange (LME) kostet die Tonne Nickel aktuell circa 12.300 USD und liegt somit um 7% niedriger als noch letzte Woche.

Grund für den starken Anstieg der letzten Monate war die Befürchtung, dass es zu Produktionsengpässen beim brasilianischen Minenunternehmen Vale aufgrund des verheerenden Einsturzes der Eisenerzmine Brumadinho kommen könnte. Diese Sorge scheint momentan nun nicht mehr zu bestehen.

Der Vale Effekt

Vale besitzt die große Nickel Mine Puma Orca in Brasilien. Letztes Jahr wurden dort 25.000 Tonnen Nickel gefördert. Puma Orca ist seit Jahren Gegenstand eines Kampfes des Unternehmens mit Brasiliens Umweltbehörden. Erst letzten November befahl ein brasilianisches Gericht, dass der Bergbau in der Puma Orca Mine eingestellt werden muss und gleichzeitig zwei indigenen Stämmen, welche in der Region leben, Schadensersatz bezahlt werden soll.

Der Staatsanwalt erklärte, dass Vale erst dann wieder fördern darf, wenn bestimmte Umweltanforderungen erfüllt werden und Pläne vorgelegt werden, wie man die Einheimischen trotz Produktion schützen könne.

Vale selbst hat alle Behauptungen zurückgewiesen, dass man mit der Orca Puma Mine der Umwelt oder den in der Nähe lebenden Menschen schadet. Das Unternehmen legte Revision ein. Der aktuelle Entwicklungsstand ist unklar.

Bereits 2015 musste Vale die Mine aus gleichem Grund schließen. Damals hielt Vale die Ferronickel-Produktion aufrecht, indem das Unternehmen Erzvorräte aufbereitete.

Der langwierige Streit könnte noch stärker ins Blickfeld der Regulierung geraten. Die brasilianischen Regierung scheint von Vale zu erwarten, dass das Unternehmen einen deutlichen Schritt in Bezug auf Umwelt- und sozialer Verträglichkeit macht.

Dieses Mal scheinen es die brasilianischen Behörden ernst zu meinen. Insider sprechen von einer grundlegenden Neuausrichtung der Regierung. So spricht die brasilianische, nationale Bergbaubehörde davon, alle Staudämme zu verbieten, die dem Brumadinho Damm ähnlich sind. Davon gibt es laut einem Experten 88 Stück. Da niemand genau weiß, welche Dämme zuerst und zu welchem Zeitpunkt geschlossen werden, sind Auswirkungen auf andere Minenunternehmen nur schwer vorauszusagen.

Vale ist allerdings nicht der einzige Nickelproduzent in Brasilien. Anglo American betreibt ebenfalls zwei Ferronickel-Anlagen mit einer Gesamtproduktion von 42.000 Tonnen (2018).

Die Vale Tragödie scheint noch nicht beendet. Ein weiteres Kapitel in Bezug auf Nickel könnte folgen.

Elektrische Träume

Die Outperformance von Nickel im Vergleich zu anderen Metallen wie Kupfer ist jedoch ein Beweis dafür, dass die Träume in Bezug auf eine rosige Nickel-Zukunft vor allem wegen der erwarteten starken Nachfrage nach Elektrofahrzeugen weiterhin wahr werden könnten.

Laut Nickel Moores, Geschäftsführer von Benchmark Mineral Intelligence, betrug der Nickelverbrauch in Lithium-Ionen-Batterien 2018 nur 85.000 Tonnen oder 4 Prozent der weltweiten Nachfrage.

Laut Experten sollte die Nickel-Nachfrage durch Batterien für Elektrofahrzeuge voraussichtlich um 30 bis 40 Prozent pro Jahr steigen. Damit ist es das am schnellsten wachsende Rohmaterial für Batterien.

Nickel ist nicht nur eines von mehreren Schlüsselmetallen für EV-Batterien. Eine Verschiebung hin zu einem höheren Nickelgehalt in der Batterie wird die Verwendung von Nickel noch exponentiell beschleunigen. Die sogenannte NCM811-Batteriezellentechnologie, die aus acht Teilen Nickel, einem Teil Kobalt und einem Teil Mangan besteht, befindet sich noch im Anfangsstadium. Laut Moores planen jedoch über 90 Prozent der neuen Lithium-Ionen-Batteriekapazitäten, in Zukunft eine solche Chemie mit hohem Nickelanteil zu verwenden.

Dies ist der Grund, warum so viele Investoren weiter positiv auf die Entwicklung von Nickel sind.

Ein Risiko für die Nickelpreisentwicklung kommt von der chinesischen Tsingshan-Gruppe. Sie ist bereits ein führendes Unternehmen für Nickel und Edelstahl in Indonesien und plant nun die Errichtung einer neuen Nickel-Anlage zur Herstellung von 50.000 Tonnen pro Jahr. Der erste Schock einer möglichen Überkapazität von Nickel ist mittlerweile aber der Skepsis gewichen, dass Tsingshan in absehbarer Zeit ein so ehrgeiziges Ziel realisieren kann.

Chinesische Investoren sind nicht überzeugt

Laut LME-Broker Marex Spectron hat Nickel die größte spekulative Long-Position unter den von LME gehandelten Kernmetallen.

Die Begeisterung der Investoren aus London wird in China jedoch nicht geteilt. Derzeit scheinen chinesische Investoren der EV-Bullengeschichte für Nickel viel skeptischer gegenüber zu stehen als Investoren aus dem Westen.

Aber die Rallye der letzten Wochen erinnert daran, dass es auf dem Londoner Markt nicht viel braucht, um die Nickel-EV-Feuer wieder zu entfachen. Es schwelt immer noch und wartet nur auf den nächsten Funken. Der Nickel-Traum könnte also weitergehen.