Die jüngsten Raketentest und eine zunehmend schärfer werdende Rhetorik seitens des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un lassen den Konflikt zwischen Nord- und Südkorea weiter eskalieren. Während man in der Vergangenheit zumindest seitens Südkorea um eine diplomatische Lösung des Konfliktes bemüht war, so hört man inzwischen auch seitens der südkoreanischen Regierung Stimmen, die einen militärischen Konflikt mit dem nördlichen Nachbarn für unvermeidlich halten.

Dabei hat die koreanische Halbinsel in den letzten 125 Jahren eine bewegte Vergangenheit. Im Jahre 1897 geriet das ehemalige Kaiserreich Korea unter Japanische Herrschaftseinfluss und wurde schließlich 1910 von Japan annektiert. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgt statt der erhofften Befreiung eine Aufteilung Koreas unter den Siegermächten in eine nördliche, unter Sowjetherrschaft stehende Besatzungszone und eine südliche, unter US-Herrschaft stehende Besatzungszone. Die Alliierten hatten auf der Konferenz von Jalta beschlossen, dass Korea irgendwann ein vereinigtes, unabhängiges Land unter einer gewählten Regierung werden solle, legten jedoch keine Details fest. Der nach dem Zweiten Weltkrieg beginnende Kalte Krieg führt jedoch dazu, dass die Siegermächte von diesen Wiedervereinigungsplänen abließen und zunächst jeder seinen Herrschaftsbereich sicherte. Seither gibt es Spannungen zwischen dem kommunistischen Norden und dem freiheitlich-demokratisch orientierten Süden Koreas. Am 25. Juni 1950 eskalierte der Konflikt schon einmal, als die Nordkoreanische Volksarmee nach mehrfachen Grenzverletzungen durch beide Seite in den Süden einmarschierte und auf diese Art versuchte, eine Wiedervereinigung Koreas mit militärischen Mitteln zu erzwingen. Unterstützt durch die Vereinten Nationen und Führung der U.S.A. gelang es jedoch, den Vormarsch der Nordkoreanischen Volksarmee zu stoppen und in einer Gegenoffensive bis ins chinesisch-koreanische Grenzgebiet vorzumarschieren. Nach dreijährigem Krieg mit zahlreichen Verlusten auf beiden Seiten einige man sich auf einen Waffenstillstand und ein beidseitigen Rückzug hinter eine vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone entlang des 38. Breitengrades. Auch wenn die Waffen seit dem 27. Juli 1953 schweigen, so blieb das Verhältnis stets angespannt. Auf Phasen mit zarten Annäherungsversuchen zwischen beiden Staaten folgte stets die nächste Eiszeit.

Die jüngsten Versuche des Nordens, Atomwaffen und Interkontinentalraketen zu entwickeln, haben den Konflikt auf eine gänzlich neue Stufe gebracht. Auch wenn der Norden zunehmend seine Unterstützung vom großen Nachbarn aus China verliert, so steigt die Angst vor einer militärischen Eskalation. Und da die internationale Staatengemeinschaft aktuell nicht den Eindruck macht, im Zweifelsfall geschlossen aufzutreten und gemeinschaftlich den Konflikt beenden zu wollen, steigt die Angst. Und wie schon in der Vergangenheit wird in kritischen Zeiten Gold als der vermeintlich sichere Hafen angelaufen. Daher könnte der Goldpreis in der zweiten Jahreshälfte 2017 neben den bereits bekannten Fakten durch eine weitere Eskalation dieses Konflikts zusätzlichen Auftrieb erhalten.

Wir hoffen im Sinne der Menschheit und der Menschlichkeit jedoch, dass sich auch die jüngsten Provokationen aus Pjöngjang „nur“ als lautes Säbelrasseln erweisen und der Eskalation wieder eine Phase der Entspannung und Annäherung folgt. Es bleibt jedoch spannend.