Das Jahr 2016 war beileibe kein grandioses Jahr für Firmen aus dem Bergbausektor, selbst oder gerade die konjunktursensitiven Rohstoffe Eisenerz, Kupfer und Erdöl blieben weitgehend in einer Abwärtsspirale des Preisverfalls gefangen. Das Resultat war unvermeidlich: Zahlreiche Firmen mussten ihre Kosten senken, um welchen Preis auch immer.

Eine der Möglichkeiten war dabei die Reduktion an Explorationskosten, letztendlich wird derzeit die mögliche zukünftige Ressource von Vorkommen des Unternehmens nicht erkundet, weil der nötige Dollar jetzt nicht vorhanden ist. Doch auch beim Personal sind entsprechende Einschnitte bemerkbar. Selbst Mitarbeiter mit vielen Jahren, sogar einigen Jahrzehnten Berufserfahrung, sind derzeit auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, eine freundliche Umschreibung, dass das letzte Unternehmen nicht mehr ausreichend Kapital für eine Fortführung der Projekte zur Verfügung gestellt hat.

Doch nicht nur die großen Konzerne verschiedener Branchen leiden unter Überkapazitäten und dem steigenden Kostendruck, auch die Explorationsfirmen haben es in einem negativen Marktumfeld schwer, an dringend-benötigtes Kapital zur Fortführung der Geschäftsaktivität zu gelangen.

Und der Rohstoff an sich war 2016 fast egal. Kohle, Eisenerz, Seltene Erden, Gold, Silber, Kupfer, selbst die in den Vorjahren (verhalten) gelobten Elemente Kupfer, Zink, Kali und Uran sind bei den Investoren nicht gut angekommen. Selbst die Ankündigung von multinationalen Konzernen wie BHP Billiton, Vale und Rio Tinto, ihre entsprechenden Sparten mit frischem Kapital auszustatten und bestimmte Projekte zu fördern, verpuffte nahezu wirkungslos an den Märkten.

Als Rettungsanker einer schwächelnden Branche erwies sich, für manche überraschend, das unscheinbare Element Lithium.

Das Jahr 2016 kann wie kaum ein anderes als Wendepunkt für einen Markt in einer Abwärtsspirale gedeutet werden.

Lithium, kein an den Weltmärkten gehandelter Rohstoff. Lithium, ein Element, das offenbar über Jahre in der Erkundung übersehen wurde. Lithium, ein Rohstoff, der aufgrund der Digitalisierung, der Vernetzung, der mobilen Elektronik und der Elektromobilität in den nächsten Jahren immens an Bedeutung gewinnen soll.

Neben zahlreichen Artikeln, die bereits auf Miningscout erschienen sind, möchte ich heute die Frage in den Raum stellen: Verdient Lithium diese enorme Beachtung durch die Investoren, die aufgrund praller Geldbeutel und niedriger Zinsen nach neuen Anlagemöglichkeiten lechzen?

Die simple und nüchterne Antwort ist: Nein.

Lithium ist aus geologischer Sicht weltweit relativ häufig vorhanden, letztendlich entscheidet die Anreicherung über verschiedene natürliche Prozesse über die Abbauwürdigkeit eines Vorkommens.

Doch betrachten wir den derzeitigen Markt genauer, so stellen wir fest, dass in der letzten Zeit zahlreiche Unternehmen mit Fokus Lithium wie Pilze nach einer feuchtwarmen Herbstnacht aus dem Boden sprießen. Kann das wirklich eine Überraschung sein?

Für Anleger ist insbesondere in diesen Zeiten Vorsicht geboten. Denn es sei an die großen Unternehmen, die zahlreichen Juniors und die unzähligen Explorationsgesellschaften erinnert, die derzeit aufgrund der noch immer schwächelnden Rohstoffmärkte händeringend nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Und ein etwas genauerer Blick des interessierten Investors mag offenbaren, dass einige der Unternehmen ihren Fokus just in dem Moment auf den Rohstoff Lithium gelenkt haben, als das eigentliche Kernprojekt aufgrund sinkender Marktpreise oder auch der öffentlichen Berichterstattung zu erlahmen drohte.

Was ist als Anleger zu beachten?

Bei der Vielzahl neuer Unternehmen sind im Regelfall außerordentliche Ergebnisse der ersten Probenahmen zu erwarten. Egal ob es sich um einzelne Gesteinsproben aus einem Hard-Rock Projekt, um mineralisierte Wässer oder das noch in fester Form befindliche Salz eines Salars handelt (für weitere Informationen über die verschiedenen Vorkommen lohnt sich ein Blick in das Miningscout-Special zu diesem Thema). Kaum ein Projekt klingt in den ersten Zügen uninteressant, doch sind selbstverständlich die potentielle Tonnage sowie der entsprechend zugehörige Durchschnittsgehalt zu beachten.

Lithium ist kein simpler Rohstoff, es kommt zudem auf weitere Elemente in den Konzentraten oder den Endprodukten Lithiumcarbonat oder Lithiumhydroxid an, hier spielen vor allem Eisen, Magnesium aber auch zum Beispiel Fluor eine Rolle.

Die Frage bleibt offen, worauf ist zu achten?

Die erste, und meist offensichtliche Antwort ist, aus welchen Personen setzt sich das Management zusammen? Welchen Track-Record haben diese Personen, welche einschlägigen Erfahrungen können sie vorweisen? Und besitzt das Management die Erfahrung und Expertise, ein Team für das gesetzte Ziel zusammenzustellen und zu verwalten und damit möglicherweise eigene fachliche Defizite auszumerzen?

Im Jahr 2017 wird es zudem zunehmend eine Rolle spielen, in welchem Stadium sich die jeweiligen Projekte befinden. Reine Explorationsprojekte könnten in die zweite Reihe des Interesses absteigen, da zunehmend Unternehmen in die Reihe der Produzenten aufsteigen dürften.

So war Ende 2016 bzw. Anfang 2017 bereits Galaxy Resources (ASDX: GXY; WKN: A0LF83; ISIN: AU000000GXY2) in der Lage, die Produktion auf Mount Cattlin wieder aufzunehmen und die erste Schiffsfracht Richtung Asien zu versenden. Gegen Ende Januar dürfte des Weiteren das Mount Marion Projekt von Neometals (ASX: NMT; WKN: A12G4J; ISIN: AU000000NMT1), das zusammen mit den strategischen Partnern Jiangxi Ganfeng Lithium Co. und Mineral Resources Ltd entwickelt wird, in der Lage sein, die erste Schiffsladung an Konzentrat aus dem australischen Hafen Kwinana zu versenden.

Und auch Pilbara Minerals (ASX: PLS; WKN: A0YGCV; ISIN: AU000000PLS0), das zusammen mit dem Nachbarn Altura Mining (ASX: AJM; WKN: A0YFNJ; ISIN: AU000000AJM9) unter Umständen über den größten lithium-führenden Pegmatitdistrikt der Welt verfügt, könnte in absehbarer Zeit die Produktion aufnehmen.

So viele Projekte es derzeit auch geben mag, entscheidend könnte in den nächsten Monaten durchaus werden, wer in der Lage ist, seine kommerzielle Produktion aufzunehmen, Bargeld zu generieren und mögliche Übernahmeziele zu aquirieren sowie die eigenen Kredite zu begleichen.

Doch neben der reinen Produktionsaufnahme von Bergbauprojekten bietet der Markt derzeit noch weitere Möglichkeiten. So entwickeln derzeit zahlreiche Firmen neue und innovative Extraktionsprozesse, um das Lithium aus den jeweiligen Erzen zu gewinnen. Als Beispiele sind der ELi-Prozess von Neometals, der Sileach- und LieNA-Prozess von Lithium Australia (ASX: LIT; WKN: A14XX2; ISIN: AU000000LIT3) sowie der L-MAX-Prozess von Lepidico (ASX: PLP; WKN: A2DHFT; ISIN: AU000000LPD2) zu nennen, wobei sich Lithium Australia und Lepidico derzeit vor Gericht um das Patent bzw. um mögliche Überschneidungen der technologischen Prozesse und der damit möglicherweise verbundenen Patensrechtsverletzung streiten. Ungeachtet des juristischen Ausganges dieser speziellen Auseinandersetzung, neben der reinen Frage der Lagerstätte wird die technologische Gewinnung des Rohstoffes eine entscheidende Rolle spielen.

Als Investor stehen derzeit die Möglichkeiten in vielfältiger Weise offen. Neben einer Beteiligung an einem reinen Erkundungsprojekt stehen derzeit auch Möglichkeiten zum Investment in eine entsprechende Extraktionstechnologie sowie der Kauf etablierter größer Produzenten mit geringerem Hebel auf die tatsächliche Preisentwicklung von Lithium zur Verfügung.

Es bleibt auf jeden Fall zu beachten, dass Lithium derzeit einer der wenigen Rohstoffe ist, der an den Kapitalmärkten frisches Geld für viele ums Überleben kämpfende Explorationsunternehmen liefern kann. Eine detaillierte Recherche vor dem entsprechenden Kauf von Anteilsscheinen ist unbedingt erforderlich.

Wir wünschen viel Erfolg mit Ihren Investments

Glück Auf!